Die Gemeinde St. Matthias hat mehr Priester als Einwohner. Küster Herrmanns führt durch die Kirche.

Hohenbudberg
St. Matthias erstrahlt seit 1996 in neuem Glanz. Archiv

St. Matthias erstrahlt seit 1996 in neuem Glanz. Archiv

Eine Luftmine beschädigte die Kirche vor 70 Jahren, am 9. Februar 1945.

Blick in St. Matthias, der ältesten Kirche Krefelds.

Die einzige Kirche in Krefeld mit eigenem Friedhof. Archiv

Küster Wolfgang Hermanns führte 20 Interessierte durch St. Matthias.

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St. Matthias erstrahlt seit 1996 in neuem Glanz. Archiv

Krefeld. Der Krefelder Ortsteil Hohenbudberg liegt nördlich der Uerdinger Altstadt, eingezwängt zwischen Großindustrie und Rheinufer. Postleitzahlenmäßig ist Hohenbudberg genau wie Uerdingen unter 47829 zu erreichen. Viele Krefelder kennen den Ort mitten im Chemiepark heute gar nicht mehr. „Das ist kein Wunder“, sagt Wolfgang Hermanns, Küster an der Gemeinde St. Matthias. „In Spitzenzeiten lebten hier 2000 Menschen. Heute gibt es nur noch drei Häuser mit zwölf Einwohnern.“

Schon der Vater von Wolfgang Hermanns war Küster

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) St. Thomas Morus hatte zum Besuch der Kirche eingeladen. Wolfgang Hermanns referierte an diesem Abend über das „verschwundene Dorf“, gab Geschichtliches und so manche Anekdote preis und führte rund 20 Interessierte durch St. Matthias.

Wolfgang Hermanns wurde 1936 in Hohenbudberg geboren. „Das war ein schönes Bauerndorf. Man konnte hier alles kaufen. Ich habe hier eine schöne Jugend verbracht“, sagt er ohne Wehmut. Im Rückblick ist Hermanns nicht traurig über die Entwicklung. „Die Ausdehnung des Bayer-Werkes Uerdingen verdrängte den Ort zwar, aber hier waren schließlich 10 000 Menschen beschäftigt“, sagt Hermanns, dessen Vater bereits mehr als 35 Jahre Küster in St. Matthias war.

„Sonst wäre die Kirche längst geschlossen worden.“

Wolfgang Hermanns, Küster der Gemeinde

Die katholische Kirche St. Matthias ist die älteste Kirche in Krefeld und eine mit einem Friedhof direkt nebenan, erfahren die Besucher. Erstmals wurde die Pfarrgemeinde im Jahr 1150 genannt. Auch der Turmbau stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Pfarrkirche St. Matthias wurde im neugotischen Stil erbaut in Form einer dreischiffigen Basilika mit einem dreistöckigen Turm. Eine Luftmine fügte der Kirche 1943 schwere Schäden zu, zerstörte das Dach, die Fenster, das Gewölbe, die Bänke und die Orgel.

Restaurierung in den Jahren 1990 bis 1996

Provisorischen Reparaturen folgte von 1990 bis 1996 eine grundlegende Restaurierung für viereinhalb Millionen D-Mark. „Dafür hat sich der damalige Bischof Klaus Hemmerle höchstpersönlich eingesetzt“, erzählt Hermanns. „Sonst wäre die Kirche längst geschlossen.“ Von Innen wie Außen ist St. Matthias jetzt so prächtig wie 1854, dem Jahr ihrer Einweihung nach dem Neubau im gotischen Stil nach Plänen des Kölner Baumeisters Vinzenz Statz.

Keiner kennt die Geschichte der Kirche besser als Küster Wolfgang Hermanns. Auf Anfrage bietet er gerne Führungen durch St. Matthias an. Terminabsprache unter Telefon 02151 48 02 14.

Einen eigenen Priester hat St. Matthias schon seit 1978 nicht mehr, seit dem Tod von Pfarrer Jacob Lücker. „Aber wir haben in Hohenbudberg mehr Priester als Einwohner“, sagt Hermanns spitzbübisch. Immer sonntags ist Messe, im Winter um 18 Uhr. Zwei Priester aus der Gemeinde St. Nikolaus und zwölf aus Krefeld feiern dann im Wechsel die Gottesdienste, zu denen bis zu 100 Gläubige aus Uerdingen, Friemersheim und Umgebung kommen. Auch für Taufen, Hochzeiten und Konzerte ist die kleinste Pfarre im Bistum Aachen sehr beliebt.

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