An dem verlassenen Bahnhofsgebäude in Uerdingen passiert seit Monaten nichts. Die Bahn sucht einen Käufer für das Objekt.

Krefeld. Der Uerdinger Bahnhof stinkt zum Himmel. In der kleinen Eingangshalle türmen sich leere und kaputte Flaschen, Essensreste, Müll. Über allem liegt ein penetranter Uringestank. Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski geht der seit Monaten anhaltende Zustand langsam auf die Nerven. "Die Situation ist furchtbar. Dazu kommen noch die kaputtgeschlagenen Fenster. Einfach schrecklich."

Der Bahnhof ist inzwischen zum beliebten Treffpunkt trinkfreudiger Zeitgenossen geworden, ähnlich der Szene am Theaterplatz. Das denkmalgeschützte Gebäude, gehört dem "Bundeseisenbahnvermögen" (BEV), eine Bundesbehörde, und nicht der Bahn AG.

Dem Bezirksvorsteher fehlt ein kompetenter Ansprechpartner

Zurzeit bildet das Gebäude einen seltsamen Kontrast zum neuen Tunnel und zu den neuen Bahnsteigen und ihren Aufgängen. Der Tunnel soll übrigens Ende April, Anfang Mai fertig gestellt sein, erwartet der Fachbereich Tiefbau der Stadt.

Für die Reinigung des Gebäudes wiederum sind die DB Services zuständig. In der NRW-Pressestelle der Bahn AG heißt es: "Ja, es wird durch die DB Service gereinigt. Es bleibt allerdings die Tatsache, dass diverse ’Nutzer’ die Immobilie verunreinigen und es nicht immer zeitnah gelingt, die Reinigung durchzuführen."

Was Jakubowski allerdings am meisten ärgert, ist, dass es keine Kommunikation zwischen der Bahn und der Politik in Uerdingen gibt. "Man könnte mit den Bahnhof verschiedene Dinge anstellen, zum Beispiel kulturelle Dinge.

Die erste Anbindung Krefelds an die Bahn erfolgte 1849, vor 160 Jahren, durch die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft auf der Strecke Viersen - Anrath - Krefeld - Uerdingen - Homberg. 1883 erfolgte dann die Gründung der Crefeld-Uerdinger Localbahn AG.

Gefahren wurde damals mit einer Pferdebahnlinie und drei Dampfstraßenbahnlinien. Dies war die Vorläuferin der späteren KREVAG, der Krefelder Verkehrs AG, und heutigen SWK Mobil.

Aber ich kann ja keine Investoren oder Sponsoren ansprechen, wenn wir nicht wissen, was die Bahn vor hat. Wir wissen auch nicht, welche finanziellen Vorstellungen die Bahn hat. Es muss sich was bewegen am Bahnhof."

Möglicherweise können Recherchen der WZ Bewegung in das Thema bringen. Nach Auskunft von Dieter Baake von der BEV soll das Gebäude möglichst bald verkauft werden. "Bevorzugt wird natürlich der Höchstbietende. Denkbar sind aber auch andere Lösungen."

Zurzeit bewertet ein Sachverständiger das Gebäude. Der Bahnhof kann derzeit nicht geschlossen werden, weil sich noch ein Fahrkartenautomat im Inneren des Gebäudes befindet. Dieser soll später Platz im Tunnel finden, kann dort jedoch erst aufgebaut werden, wenn die Arbeiten an den Kacheln beendet sind.

Dies wird voraussichtlich im April der Fall sein. Wenn der Fahrscheinautomat im neuen Tunnel steht, wird das Gebäude, so versichert Dieter Baake, verriegelt.

Netter Nebeneffekt der WZ-Recherche. Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski hat endlich einen zuständigen und kompetenten Gesprächspartner, dem er helfen kann.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer