Das Uerdinger (Firmen-)Wahrzeichen ist seit Mitte November Geschichte. Herbert Meyer war Mitte der 1960er beim Aufbau dabei.

Das Bayer-Kreuz ist in Uerdingen seit Mitte November Geschichte. Herbert Meyer war Anfang der 1960er beim Aufbau dabei.
Herbert „Millimeter-Meyer“ zeigt ein Foto von sich aus Bayer-Tagen.

Herbert „Millimeter-Meyer“ zeigt ein Foto von sich aus Bayer-Tagen.

Das Bayer-Kreuz beim Aufbau im Jahr 1965 . . .

... und beim Abbau, der am 14. November 2016 startete.

Nur wenige Zeitzeugen, die den Aufbau des Bayer-Kreuzes Anfang der 60er Jahre mitbegleiteten, leben heute noch.

Für viele Mitarbeiter und Uerdinger war das Bayer-Kreuz mehr als 50 Jahre ein Stück Identität.

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Herbert „Millimeter-Meyer“ zeigt ein Foto von sich aus Bayer-Tagen.

Uerdingen. Als Wahrzeichen leuchtete es mehr als 50 Jahre am Rhein, machte Uerdingens „Skyline“ unverwechselbar. Seit Mitte November ist das Bayer-Kreuz Krefelder Geschichte. Gegen den Abriss gab es lautstarke Proteste, nicht nur von der FDP-Fraktion, die erfolglos Denkmalschutz für das Rheinstadt-Markenzeichen forderte. Seine Strahlkraft hat das imposante Bayer-Logo aber selbst nach dem Abbau für viele nicht verloren.

Herbert Meyer ist wohl einer von denen, für die das Bayer-Kreuz ein Stück Identität ist – und bleibt. Es war mehr Zufall als alles andere, dass der heute 90-jährige als Kriegsflüchtling aus Schlesien am 26. April 1948 – an das Datum erinnert er sich, als wäre es gestern gewesen – als Vermessungstechniker bei Bayer in Uerdingen, damals noch IG Farben, anfing. Jahre später, Anfang der 1960er, war es „Millimeter-Meyer“, wie seine Kollegen ihn tauften, der für die Bauleute markieren sollte, wo genau auf dem Dach von Gebäude L 138 die Betonklötze betoniert werden mussten. An ihnen wurden vier Seile zur Befestigung des 60 Tonnen schweren Industrie-Logos gespannt, „damit es auch Unwettern standhält“, sagt Meyer.

Für viele Uerdinger stand das Bayer-Kreuz für Heimat

„Jeder kannte das Bayer-Kreuz, es war beherrschend für Uerdingen“, sagt er. Dass es den Uerdingern nun nicht mehr schon von der Rheinbrücke aus den Heimweg weist, bedauert auch Herbert Meyer. „Es ist immer schade, wenn etwas verschwindet, das man selbst mit aufgebaut hat.“

Bedauern ist es auch, was Hermann-Josef Münker immer wieder hört, wenn er als stellvertretender Vorsitzender des Jubilarvereins Bayer-Pensionäre besucht. „Viele sagen: ,Es war immer schön, wenn man aus dem Urlaub zurückkam und schon von weitem das Bayer-Kreuz sah – da wusste man: Ich bin wieder zuhause.’“ Münker kann über so viel Pathos nur wohlwollend lächeln. „Natürlich, das Bayer-Kreuz gehörte zum Stadtbild von Uerdingen“, sagt er und: „Ich bin schon stolz, bei so einer Firma gearbeitet zu haben, aber ich mache das nicht vom Kreuz abhängig.“ Dann rechnet er vor: „Das Werk am Standort Uerdingen gab es 140 Jahre, das Kreuz stand nur etwa ein Drittel der Zeit dort.“

Münker betont sein Verständnis für die Entscheidung des Konzerns, das Logo abzubauen: „Bayer ist nicht mehr in Uerdingen. Man muss sich nur vorstellen, im Chemiepark kommt es zu einem Störfall – und im Hintergrund strahlt das Bayer-Kreuz. Was das für eine Medienwirkung hat . . .“

Der Rückbau des Kreuzes startete am 14. November, innerhalb einer Woche war das Uerdinger Wahrzeichen weg. Zur Begründung hieß es von der Unternehmenskommunikation Leverkusen: „Mit der Selbstständigkeit von Covestro und der Übernahme des Chemieparks entfiel der Bayer-Bezug.“

Das Bayer-Kreuz war auf dem Dach des Gebäudes L 138 (Lanxess) montiert. Es hatte einen Durchmesser von 22 Metern, wog mit Sockel 60 Tonnen. 396 Neonröhren waren darin verbaut.

Da nickt auch Herbert Meyer zustimmend. Einiges von Bayers Geschichte hat der 90-Jährige in mehr als 40 Jahren Betriebszugehörigkeit miterlebt. „Als ich bei Bayer anfing, waren wir 2300 Beschäftigte, bis zu meiner Rente dann fast 11 000.“ Was aber vielleicht das beste an all den Jahren Bayer ist, sitzt noch heute, 27 Jahre nach der Pensionierung, neben „Millimeter-Meyer“ auf dem Sofa: Seine Frau Ilse (86), die im Ingenieursbüro als Sekretärin arbeitete, lernte er damals bei Bayer kennen.

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