Archäologe Robert Fahr hat fünf Jahre lang Funde aus dem Kastell in Gellep untersucht – und hält dazu jetzt einen Vortrag.

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Promotionsstudent Robert Fahr mit einer Scherbe – nur ein winziger Bruchteil der Ausgrabungsfunde im Kastell Gelduba.

Promotionsstudent Robert Fahr mit einer Scherbe – nur ein winziger Bruchteil der Ausgrabungsfunde im Kastell Gelduba.

Stadt Krefeld

Promotionsstudent Robert Fahr mit einer Scherbe – nur ein winziger Bruchteil der Ausgrabungsfunde im Kastell Gelduba.

Krefeld-Linn/Gellep-Stratum. Neue Erkenntnisse zur Bau- und Garnisonsgeschichte des römischen Kastells in Krefeld-Gellep hat der Promotionsstudent Robert Fahr durch seine Forschungsarbeit gewonnen. Zwischen 1970 und 2001 wurden auf dem Areal des ehemaligen Lagers am Rheinhafen immer wieder Ausgrabungen durchgeführt. Wegen des Umfangs der Funde konnte jedoch nur ein Bruchteil wissenschaftlich bearbeitet werden. "Nutzbar wird so eine Ausgrabung erst durch die Auswertung", schildert Fahr.

Gerade die kleinteilige Arbeit macht dem Archäologen Spaß

Fünf Jahre lang untersuchte, katalogisierte und datierte er Artefakte aus Gellep. Seine Ergebnisse stellt er am Donnerstag in der Museumsscheune in Linn erstmals der Öffentlichkeit in einem Vortrag vor. Titel: "...nichts ist dauerhafter als ein Loch...". "Es ist ein gigantisches Puzzle", sagt der 38-Jährige - aber ohne einen Hauch von Verzweiflung in der Stimme. Im Gegenteil. Es ist die schiere Begeisterung, die aus dem jungen Archäologen spricht.

Dieses Puzzle ist am Beginn ein einziger Scherbenhaufen gewesen. "Vorgefunden habe ich eine Scheune, die bis zum Dach gefüllt war", schildert Fahr. Die Scherben ließ er zum Teil zusammensetzen. Fehlendes wurde ergänzt wie bei einem Gefäß. Das stammte ursprünglich aus Südfrankreich, Massenware aus der Römerzeit und fast 2000 Jahre alt. Für die Datierung hätte dem Archäologen schon ein Bruchstück ausgereicht. Schon anhand eines Musters kann er beispielsweise das Artefakt bis auf ein Jahrzehnt bestimmen. Eine kleinteilige Arbeit, die ihm aber gerade Spaß mache.

Manchmal sind die Spuren für eine neue Erkenntnis schon seltsam: Anhand einer Stallrinne konnte Fahr sicher nachweisen, dass es sich bei dem Gelleper Lager über einen langen Zeitraum um eine Reitergarnison - eine spanische Einheit mit 400 bis 500 Soldaten - gehandelt hat. Über die Rinne floss der Urin der Pferde ab. Über andere Hinweise, wie einem Grabstein aus Köln, hat er den Namen eines Soldaten ausfindig gemacht, der in dem Kastell stationiert war. "Dadurch kommt Fleisch an die Sache. Auf einmal hat man es mit Menschen zu tun und nicht mit Baufunden", sagt Fahr.

Obwohl ein Teil des Kastells durch die Hafenerweiterung weggebaggert worden ist, seien die vorhandenen Teile etwas Besonders. Dort sind die für Archäologen interessanten Schichten bis ins fünfte Jahrhundert erhalten. "Es ist einzigartig am Niederrhein", betont Fahr. Denn andere Kastelle seien komplett überbaut oder zerstört worden. Oder wie im Fall von Xanten, wo durch Pflügen Schäden entstanden sind.

Der gebürtige Moerser will eine wissenschaftliche Lücke schließen

Donnerstag, 6. Mai, um 20 Uhr in der Museumsscheune, Albert-Steeger-Strasse 5. Der Eintritt kostet vier Euro, für Mitglieder Freunde der Museen Burg Linn 2,50 Euro.

Das Kastell in Gelduba wurde um das Jahr 70 nach Christus gebaut. Durch einen römischen Bürgerkrieg und Aufstände in den Provinzen wurden am Rhein alle Kastelle zerstört. Die militärische Infrastruktur musste deswegen neu errichtet werden. Aus dem Mosaik der Funde ergibt sich ein Bild, welches die Bau- und Garnisonsgeschichte zu einem Ganzen zusammenfügt - das Ziel seiner Forschung.

"Ich habe mich mit den ersten 50 Jahren des Kastells beschäftigt", so Fahr. Eine selbst auferlegte Beschränkung, denn die vorhandenen Funde reichen über Jahrhunderte - Arbeit für viele Jahre. Seine Forschungen über das zweite und dritte Jahrhundert möchte Fahr gerne weiterführen. "Die Motivation ist weiterhin Neugier. Ich glaube, das geht allen so, die dieses Fach ergriffen haben." Bereits für seine Magisterarbeit beschäftigte er sich mit dem Lager. Damals untersuchte der gebürtige Moerser Waffenteile und Pferdegeschirr. "Das waren schon einige hundert Funde."

Zurzeit sind drei Dokotranden mit Themen rund um das römische Lager beziehungsweise mit dem mittelalterlichen Linn beschäftigt. "Wir sind sehr froh, wenn das Material aufgearbeitet wird", sagt Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn.

Das Gräberfeld in Gellep sei durch seine Vorgängerin Renate Pirling und ihre zahlreichen Veröffentlichungen in der Fachwelt sehr bekannt. "So eine Materialfülle ist selten", so Reichmann. Ganz anders sah es bislang in Sachen Kastell aus. Derartige Publikationen lagen nicht vor. Diese wissenschaftliche Lücke hat Fahr nun begonnen zu schließen.

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