Aufgrund des Denkmalschutzes hat die Renovierung länger gedauert – jetzt ist es fast fertig.

Uerdingen
Das Haus ist zwar noch nicht komplett fertig, aber die Bilder und Ausstellungsstücke des Insterburger Heimatmuseums warten schon an der richtigen Stelle auf die Besucher.

Das Haus ist zwar noch nicht komplett fertig, aber die Bilder und Ausstellungsstücke des Insterburger Heimatmuseums warten schon an der richtigen Stelle auf die Besucher.

Das Bild zeigt das Dachgeschoss vor der Sanierung.

Nach den Arbeiten kann der Raum wieder genutzt werden.

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Das Haus ist zwar noch nicht komplett fertig, aber die Bilder und Ausstellungsstücke des Insterburger Heimatmuseums warten schon an der richtigen Stelle auf die Besucher.

Krefeld. Während vorgestern nasskaltes Wetter für wenig Wohlfühlatmosphäre am Uerdinger Marktplatz sorgt, sitzen Margret Matuschik und Veronika Grallert in ihrem behaglichen Büro im „Alten Rathaus“. Für die Mitarbeiterinnen der Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt und Land ist dieser Zustand neu. Denn mit dem Kauf des Barockgebäudes vor über einem Jahr begannen auch die Renovierungsarbeiten in den Räumlichkeiten, die der Vertriebenen-Verein als Geschäftsstelle und Insterburger Heimatmuseum nutzt.

„Teilweise saßen wir in der Renovierungsphase mit einem Campingtisch und einem Laptop auf dem Flur, während überall gearbeitet wurde.“

Margret Matuschik, Leiterin der Geschäftsstelle der Kreisgemeinschaft Insterburger Stadt und Land

Heute erinnern nur noch zahlreiche Werkzeuge im Keller des Gebäudes an das Aufarbeitungschaos, das noch vor wenigen Monaten hier geherrscht haben muss. „Teilweise saßen wir in der Renovierungsphase mit einem Campingtisch und einem Laptop auf dem Flur, während überall gearbeitet wurde“, sagt Margret Matuschik, die bereits seit sechs Jahren als Leiterin der Geschäftsstelle der Kreisgemeinschaft Insterburg fungiert.

Über ein Jahr nach Beginn der Renovierungsarbeiten fühlen sich die beiden Frauen aber sichtlich wohl an ihrem fast runderneuerten Arbeitsplatz. Und auch die drei Ausstellungsräume des Insterburger Heimatmuseums strahlen förmlich. Bereits im vergangenen Jahr wurden die 29 Fenster des Anfang des 18. Jahrhunderts erbauten Gebäudes erneuert. Zudem wurde die Heizungsanlage auf Vordermann gebracht. „Alles muss natürlich im Einklang mit der Denkmalbehörde geschehen“, sagt Matuschik. Und so können sich die Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten schon mal ganz schön in die Länge ziehen. „Es muss ja alles zum Charme des Hauses passen. Dazu müssen genaue Vorgaben eingehalten werden und gleichzeitig sollte man zum Beispiel bei der Erneuerung der Fenster ja auch energetische Gesichtspunkte beachten“, sagt Matuschik.

Die Schmolling-Bilder hängen schon wieder an den Wänden

Im Mai dieses Jahres begannen dann die Instandsetzungsarbeiten an der Fassade, dem Dach samt Dämmung und den Böden in der unteren Etage des Gebäudes. Fünf Monate später erstrahlt das alte Rathaus und erinnert wieder an das, was es mal war – ein architektonisches Schmuckstück am Uerdinger Marktplatz. Die Fußböden in Holzoptik im Geschäftsstellenraum und dem unteren Ausstellungsraum sollen an die originalen Dielenböden aus der Vorzeit erinnern. Im Keller wurde Muschelkalk im Gewölbe aufgetragen, um der Feuchtigkeit entgegenzuwirken. Im Treppenhaus musste ein Handlauf aus Metall über dem originalen Geländer befestigt werden, da die Stufen rauf in die erste und zweite Etage zum Teil so uneben sind, dass man Gefahr läuft, das Gleichgewicht zu verlieren.

Und weil ein Heimatmuseum trotz Renovierung nicht nach dem aussieht, was es ist, wenn die Räume nicht durch Ausstellungsgegenstände geschmückt sind, hängen auch schon wieder die Bilder wie die des spätexpressionistischen Künstlers Paul Schmolling in der ersten Etage. „Warum sollten wir die Exponate irgendwo lagern, wenn wir doch die Möglichkeit haben, sie bereits jetzt aufzuhängen“, sagt Matuschik, die sich aber nicht auf einen Wiedereröffnungstermin der Ausstellung festnageln lassen will.

Im Jahre 1953 übernahm die niederrheinische Stadt Krefeld die Patenschaft für die Stadt und den Kreis Insterburg (Ostpreußen).

Im „Alten Rathaus“ in Krefeld-Uerdingen befinden sich seit 1979 die Geschäftsstelle und die Insterburger Heimatstube. Seit 2013 ist das alte Rathaus für kolportierte 250.000 Euro in den Besitz der Insterburger Stiftung übergegangen.

Spätestens im nächsten Jahr sollen die Besucher aber wieder die Möglichkeit haben, die Geschichte in Ostpreußen und Insterburg nachzuvollziehen. Dass die Ausstellung dann noch umfassender über die Geschichte der Krefelder Patenstadt informiert, ist der Ausdauer der beiden Mitarbeiterinnen zuzuschreiben. „Wir haben so gut es geht versucht, trotz der Renovierungsarbeiten hier im Haus, auch unserer Arbeit in Sachen Archivierung und Erhaltung weiter nachzugehen“, sagt Matuschik.

Als letzter großer Renovierungsakt steht jetzt noch die Instandsetzung des Podestes vor dem Haus an. „Dann haben wir es erst mal geschafft“, sagt Matuschik und hofft darauf, dass bald wieder die Ausstellungsbesucher die Oberhand im „Alten Rathaus“ gewinnen und nicht die Handwerker.

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