Bei der Diskussion am WZ-Mobil wurde die Befestigung der Hauptwege im Stadtgarten mit Asphalt kritisiert.

Mitte
Bürger und Baumschützer äußerten im Gespräch mit WZ-Redakteuren am WZ-Mobil ihren Unmut darüber, wie die Stadtverwaltung den Stadtgarten umgestalten lässt.

Bürger und Baumschützer äußerten im Gespräch mit WZ-Redakteuren am WZ-Mobil ihren Unmut darüber, wie die Stadtverwaltung den Stadtgarten umgestalten lässt.

Dirk Jochmann

Bürger und Baumschützer äußerten im Gespräch mit WZ-Redakteuren am WZ-Mobil ihren Unmut darüber, wie die Stadtverwaltung den Stadtgarten umgestalten lässt.

Krefeld. Die meisten Besucher am WZ-Mobil im Stadtgarten hatten im Vorfeld bereits befürchtet, dass die alten Bäume bei der Umgestaltung beschädigt werden. Während vor allem die Initiative Stadtgarten-Freunde sich für eine Revitalisierung des Parks eingesetzt hat, zweifeln andere Anwohner, ob das überhaupt notwendig sei. Vor allem aber die geplanten neuen asphaltierten Hauptwege stoßen auf Ablehnung.

„Es ist eingetreten, was wir befürchtet haben“, sagt Dieter Blatt von der Bürgeraktion Baumschutz. Deshalb habe sich die Gruppe frühzeitig eingebracht, Gespräche mit dem Grünflächenamt und der Politik geführt. Mit ihren Bedenken seien sie aber auf der Führungsebene auf taube Ohren gestoßen. „Unsere Kritik ist nicht zugelassen worden“, sagt Blatt.

„Unter dem Aspekt, die historische Wegeführung der denkmalgeschützten Parkanlage wieder sichtbar machen zu wollen, gehört Asphalt nicht auf die Wege“, sagt Bernd Kraft, Vorsitzender der Bürgeraktion Baumschutz. Die Verwaltung habe einen Abstrich von 50 Zentimetern bei der Breite des Weges auf nun 2,50 Meter angeboten. „Hier wird mehr Augenmerk auf die Wegegestaltung gelegt, statt auf den Erhalt des Baumbestands, das ist der falsche Weg“, meint Kraft.

Ernst-Heino Schaefer hat zum WZ-Mobil Krefelds aktuelle Baumschutzsatzung mitgebracht. Danach sind Maßnahmen verboten, die den Wurzelbereich unter der Baumkrone „durch Befestigung der Fläche mit einer wasserundurchlässigen Decke (z. B. Asphalt oder Beton)“ oder Ausschachtungen schädigen“, zitiert er Passagen aus Paragraph 2 der Satzung und folgert: „Die Stadt verstößt gegen ihre eigene Baumschutzsatzung.“

Doreen Scholten ist mit ihrem Mann viel im Stadtgarten unterwegs. Sie fragt sich, wieso der Spielplatz überhaupt verlegt werden muss: „Wegen der neuen Eigentumswohnungen an der Ecke Steinstraße und des befürchteten Kinderlärms?“

Aufgeschreckt von Meldungen über Schäden, die im Zuge der Umbauarbeiten an mehreren Bäumen entstanden sein sollen, haben die Grünen unverzügliche Aufklärung gefordert: „Wir erwarten, dass Art und Ausmaß des entstandenen Schadens geklärt und die beauftragte Firma dafür in Haftung genommen wird.“ 

Die Fraktion will vom Beigeordneten Thomas Vissers wissen: „Sind Bäume während der Umbauarbeiten beschädigt worden und wenn ja, wie viele und in welchem Umfang?“ Auch die Sozialdemokraten fragen, wer für entstandene Schäden haftet und wie ein substanzieller und finanzieller Ausgleich aussehen könne.

Richtig sauer wird Scholten aber im Hinblick auf die geplante Asphaltierung der Hauptwege: „Auf welchem Mist ist das denn gewachsen?“ Und es werden Vermutungen am WZ-Mobil laut, dass die befestigten neue Wege im Stadtgarten nur für das einmal im Jahr stattfindende Stadtschützenfest eingerichtet werden. Als Verschlimmbesserung wertet Mario Scholten die Umgestaltung und befürchtet, dass die „Szene“ das Gelände bald wieder in Beschlag nehmen wird.

Gabriela Maria Rybarz geht viel mit ihren Hunden im Stadtgarten spazieren und findet es grundsätzlich gut, die Wege zu befestigen. Die seien oftmals so matschig und Schulkinder wie auch ältere Spaziergänger würden sich dort schnell dreckig machen. Aber auch für sie muss ein vernünftiger Weg nicht zwangsläufig geteert sein. Schade findet sie es außerdem, dass durch die gerodeten Sträucher die zahlreichen Wiesel, Kaninchen und Vögel nun keinen Unterschlupf mehr haben.

„Bislang war der Stadtgarten nach dem Regen eine niederrheinische Seenplatte,“, sagt Anwohnerin Gabi Leven, die vor zwei Jahren mit ihrem Mann auch wegen des dichten Grüns an den Stadtgarten gezogen ist. Sie kann verstehen, dass die Wege befestigt werden sollen – aber bitte nicht mit Asphalt.

„Wir brauchen keinen asphaltierten Weg, er war immer so körnig, ein Wald- und Wiesen-, ein Parkweg eben“, schreibt Hilde Gumnior Schwelm in einer E-Mail. „Die Bäume verzeihen nicht, was mit ihrem Wurzelwerk geschieht“, warnt die Anwohnerin, die selber – ob im Zoo, mit Caco oder im Hochzeitswäldchen – Bäume für ihre Familie gepflanzt hat.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer