Zum ersten Mal feiern die russisch-orthodoxen Christen das Fest der Taufe Christi in Krefeld ganz traditionell.

Zum ersten Mal feiern die russisch-orthodoxen Christen das Fest der Taufe Christi in Krefeld ganz traditionell.
100 der 200 Messebesucher sind durch das geweihte Wasser gelaufen.

100 der 200 Messebesucher sind durch das geweihte Wasser gelaufen.

Andreas Bischof

100 der 200 Messebesucher sind durch das geweihte Wasser gelaufen.

Cracau. Während sich die meisten Krefelder Gedanken darüber machen, ob sie vielleicht noch eine Lage mehr überziehen sollen, tauchten Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde der Heiligen Großmärtyrerin Barbara am Mittwochabend bei Eiseskälte unter. Nach dem Gottesdienst in St. Barbara an der Wielandstraße – früher St. Franziskus – weihte Pfarrer Alexej Veselov das Wasser in einem vor dem Gotteshaus aufgestellten Schwimmbecken.

Normalerweise tauchen die Menschen in Seen und Flüsse ein

„Das hat keine theologische Bedeutung“, betont Veselov, „aber es ist russisch-orthodoxe Tradition.“ Am Tage des Festes der Taufe Christi (Theophanie) nach ihrer Kalenderrechnung schlügen die Menschen „Löcher in die Eisdecken von Flüssen und Seen, die an diesem Tag geweiht werden“. Das Wasser nähmen die Gläubigen mit und tränken das ganze Jahr davon. Diese Wasserweihe sei die Wichtigste und Größte des ganzen Jahres, berichtet Veselev.

Was das Eintauchen angeht, kann der Pfarrer nur über die aktuellen Temperaturen am Niederrhein lächeln. „In Russland machen die Leute das bei minus 25 Grad.“ Schmunzelnd bedauert der Pfarrer, dass nicht mal die angekündigten minus fünf Grad erreicht wurden.

Für die Krefelder russisch-orthodoxen Christen war es eine Premiere, das Fest so traditionell zu feiern. Über eine Leiter ging es für die Gemeindemitglieder ins Wasser, wo sie dreimal eintauchten.

„Man leidet nicht“, sagt der Pfarrer, der auch eintaucht, allerdings in Priesterkleidung. Seine Gemeindemitglieder tragen nur Badesachen. Das Schlimmste sei das Ausziehen. „Wenn man einmal im Wasser ist, ist es so schön wie im Sommer nicht“, sagt Veselov. „Und man bekommt unglaublich viel Kraft, Motivation, einen klaren Kopf.“ Danach fühle man sich wie ein neuer Mensch.

Seit vergangenem Sommer nutzt die Gemeinde das Gotteshaus, das die Katholiken aus finanziellen Gründen aufgeben mussten. Der Notarvertrag war im Juni unterzeichnet worden.

Bis dahin waren Veselovs Schäfchen – rund 130 Gemeindemitglieder – für ihre Sonntagsgottesdienste im Saal der katholischen Gemeinde Johannes XXIII. an der Hofstraße untergekommen.

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