Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, Senioren und die Villa Merländer stellten ihr gemeinsames Projekt vor.

Cracau
Schulministerin Sylvia Löhrmann (l.) im Gespräch mit der Zeitzeugin Ursula Liske und Schülerin Hanan Acharki (r.).

Schulministerin Sylvia Löhrmann (l.) im Gespräch mit der Zeitzeugin Ursula Liske und Schülerin Hanan Acharki (r.).

Andreas Bischof

Schulministerin Sylvia Löhrmann (l.) im Gespräch mit der Zeitzeugin Ursula Liske und Schülerin Hanan Acharki (r.).

Krefeld. „Am Anfang habe ich mich geschämt“, sagt die zehnjährige Nimue Beuth – und wird von ihrer Lehrerin Martina Scheller wohlwollend korrigiert: „Du warst am Anfang einfach nur schüchtern.“ Nimue geht in die fünfte Klasse der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, nimmt am Projekt „Kindheiten in Krefeld“ teil und hat ihre Schüchternheit inzwischen gut überwunden. Sie spricht locker und frei über die Besuche bei den Senioren in den Caritas-Altenheimen Hansa-Haus und St. Josef.

Kindheiten in Krefeld – es geht um Kindheiten vor 70, 80 oder 90 Jahren und in der heutigen Zeit. Kann man sie vergleichen? Was ist anders? Wie war das im Krieg? Fragen, die aufkommen, wenn sich Kinder mit Erinnerungen alter Menschen beschäftigen, die freimütig aus ihrem Leben erzählen und ihre privaten Fotoalben öffnen.

Die Idee stammt von Martina Scheller: „Das Schreiben von Briefen stand auf dem Stundenplan. Und im Rahmen des Projekts haben die Kinder nicht an eine fiktive Adresse geschrieben, sondern an reale Menschen. Sie haben sich in den Briefen vorgestellt. Und dann kam auch schnell die Frage: Wie war das damals?“

Sich mit dem Krieg in Krefeld auseinanderzusetzen, sei für so junge Schüler schwierig, meint Martina Scheller: „Deshalb brauchten wir Profis, die sich mit dem Thema auskennen und auf die Schüler eingehen können.“ Die NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer bot sich als idealer Partner an. Kompetenz und gut aufgearbeitetes Anschauungsmaterial sind hier vorhanden.

Das einmalige Projekt hat die Klasse, in der 26 Schülerinnen und Schüler aus 17 Nationen lernen, zusammengeschweißt. Über Nationalitäts- und Religionsgrenzen hinweg. Die Kinder und die Senioren seien sich in den Begegnungen sehr nahe gekommen, sagt Martina Scheller. Nimue: „Wir wollten die Senioren auch schon mal alleine besuchen, haben uns aber nicht getraut.“ Seniorin Inge Horn kann sie beruhigen: „Wenn die Eltern das erlauben, wäre so ein Besuch sehr schön.“

„Das ist hoch, hoch beeindruckend, was hier geleistet wurde“, lobte am Freitag NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann in der Villa Merländer. Den Besuch der Vize-Ministerpräsidentin hatte die Klasse „gewonnen“ – als Preis für ein Projekt, das nicht nur Sylvia Löhrmann dringend zur Nachahmung empfiehlt.

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