Jürgen Franck will mit Handwerkern die Keussen-Schule kaufen. Aber die Stadt hat andere Pläne.

linn
Seit mehreren Jahren steht die Hermann-Keussen-Schule leer. Das städtische Gebäude vergammelt. Denkbar ist, dass die Schule abgerissen wird, um auf dem Grundstück Wohnungen zu bauen.

Seit mehreren Jahren steht die Hermann-Keussen-Schule leer. Das städtische Gebäude vergammelt. Denkbar ist, dass die Schule abgerissen wird, um auf dem Grundstück Wohnungen zu bauen.

Sozialarbeiter Jürgen Franck versucht, jungen Außenseitern eine Perspektive zu bieten. Archiv

Dirk Jochmann, Bild 1 von 2

Seit mehreren Jahren steht die Hermann-Keussen-Schule leer. Das städtische Gebäude vergammelt. Denkbar ist, dass die Schule abgerissen wird, um auf dem Grundstück Wohnungen zu bauen.

Linn. Eine Handwerker-Initiative unter Leitung von Jürgen Franck möchte von der Stadt die seit Jahren leer stehende Hermann-Keussen-Schule an der Königsberger Straße in Linn kaufen. Ziel ist es, das marode Gebäude aus eigener Kraft zu sanieren. „Wir rechnen mit Materialkosten von etwa 100 000 Euro“, sagt Franck.

Zehn Handwerker seien mit im Boot, erzählt der Sozialarbeiter. Die Sanierung der Schule wollen sie gemeinsam mit Ergonum schaffen. Dieser Verein kümmert sich um junge Menschen, die psychisch labil sind, Drogenprobleme haben oder aus anderen Gründen auf dem Arbeitsmarkt ohne Chance sind.

Eigentümer will das Gewerkehaus anders nutzen

Franck arbeitet seit vielen Jahren mit Außenseitern. Ohne öffentliche Hilfe betreut er sie im Gewerkehaus, das in einem Hinterhof an der Gartenstraße liegt. In Werkstätten werden hier unter anderem Gebrauchsgegenstände und Möbel aufgearbeitet.

Doch damit ist jetzt Schluss. Ergonum muss das Gewerkehaus räumen, weil der Eigentümer die Immobilie anders nutzen möchte. „Die Hermann-Keussen wäre ideal, um unsere Arbeit fortsetzen zu können und gleichzeitig mit den Handwerkern zu kooperieren“, so Franck.

Dass es mit dem Kauf klappt, ist aber unwahrscheinlich. Wie Thomas Siegert, Chef der stadteigenen Wohnstätte, auf Anfrage mitteilt, gibt es erste Überlegungen für eine andere Nutzung des Geländes. Die ehemalige Schule könnte abgerissen werden, um dann auf dem Grundstück Wohnungen zu bauen. Dies sei allerdings nur mit einem neuen Bebauungsplan möglich.

Für Schlagzeilen sorgte Jürgen Franck im Juni 2012, als er die Werkkunstschule (WKS) besetzte. Schon damals stand er unter dem Druck, mit seiner Initiative das Gewerkehaus an der Gartenstraße verlassen zu müssen. Die WKS sollte das neue Domizil werden.

Die stadteigene Bau GmbH, Eigentümerin der WKS, ließ das Gebäude von einem privaten Wachdienst räumen. „Die Besetzung war ein Fehler“, sagt Franck heute.

In Linn könnte auf diese Weise ein größeres Areal mit neuen Wohnungen entstehen. Laut Siegert plant die Wohnstätte, ihre älteren Häuser an der Tilsiter- und der Rathenaustraße in den nächsten Jahren abzureißen und neue zu bauen. Dabei geht es um etwa 40 Wohnungen.

„Sollte der Kauf der Hermann-Keussen-Schule nicht möglich sein, sind wir für andere Lösungen offen“, sagt Franck. Er könne sich auch vorstellen, dass die Handwerker-Initiative das städtische Gebäude an der Hubertusstraße 116 übernimmt, das zuletzt von der Volkshochschule genutzt wurde. Entscheidend sei, den jungen Leuten ein Angebot zu machen, um sie von der Straße zu bekommen.

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