Seit 125 Jahren werden auf dem mittlerweile 200 000 Quadratmeter großen Gelände Züge gewartet und repariert. Für die neue Generation, den ICE4, ist Krefeld auch gerüstet.

Ein ICE wartet in der neuen Halle der DB-Fahrzeuginstandhaltung auf seine Ausfahrt.
Ein ICE wartet in der neuen Halle der DB-Fahrzeuginstandhaltung auf seine Ausfahrt.

Ein ICE wartet in der neuen Halle der DB-Fahrzeuginstandhaltung auf seine Ausfahrt.

Andreas Bischof

Ein ICE wartet in der neuen Halle der DB-Fahrzeuginstandhaltung auf seine Ausfahrt.

Krefeld. Der hochmoderne ICE namens „Oberursel“ steht in der Halle und ist halb in Folie verpackt. Er hat im Münchner Hauptbahnhof einen Rangierunfall mit einem Gegenstand gehabt, der aufs Gleis ragte. Ein großes Stück der Außenhülle ist aufgerissen und wurde mit aufgeschraubten Metallplatten gesichert. So konnte der Zug in der Nacht über einen freien Gleisbereich von München zur Reparatur nach Oppum schleichen. Egal um welche Hochgeschwindigkeitszüge es sich dreht: Im Werk Krefeld der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH an der Kronlandbrücke machen alle Station, sofern sie nicht Reisezug heißen oder lokbetrieben sind. Die Anfahrt erfolgt nach Unfällen oder zur regelmäßigen Wartung nach sechs Jahren oder 1,6 Millionen Kilometern. Für die neue Generation, den ICE4, ist Krefeld auch gerüstet.

„Auf dem Gelände sind Gleisanlagen von über acht Kilometern Länge verbaut. Sie sind notwendig, um Züge aus allen Perspektiven zu warten und zu prüfen.“

Raphael Bayer, Werksleiter

Der erste Zug lief 1892 an der Breitenbachstraße ein. „Angefangen hat der Betrieb an gleicher Stelle, mehr oder weniger auf der grünen Wiese, vor 125 Jahren“, berichtet Werksleiter Raphael Bayer. „Er hieß damals ,Königliche Eisenbahn-Haupt-Reparaturwerkstatt zu Oppum‘.“ Der Wasserturm und die alten Mauern der historischen Wagen- und Richthalle stehen immer noch. Der Turm mit der runden Kuppel ist bis heute das Wahrzeichen der Fahrzeuginstandhaltung. Früher hat er das Wasser für die Dampfloks geliefert, Kohle wurde an anderer Stelle, nur wenig entfernt, aufgenommen.

Das ist jedoch längst Geschichte. Die grüne Wiese hat sich zu einem Werksgelände von 200 000 Quadratmetern – etwa 21 Fußballfelder – vergrößert, wobei die weitere Expansion aufgrund der denkmalgeschützten Außenmauern und der Wohnbebauung ringsum schwierig sei, berichtet Bayer. „Auf dem Gelände sind Gleisanlagen von über acht Kilometern Länge verbaut. Sie sind notwendig, um Züge aus allen Perspektiven zu warten und zu prüfen.“ Rund 1000 Mitarbeiter und 86 Azubis sind an diesem ultramodernen High-Tech-Standort beschäftigt. Viele fahren mit dem Fahrrad übers weitläufige Gelände.

Kunden kommen aus dem gesamten Bundesgebiet

So hat die neue Halle für den ICE3 eine Länge von 206 Metern, der Zug passt mit 201 Metern gut hinein. Ebenso lang ist die Lackierstraße. Mit Graffiti überzogene Wagen verlassen sie wie neu. Vier Wochen sind die Züge in Krefeld, bis sie wieder auf die Schienen dürfen. Zur Wartung oder Reparatur werden sie aufgebockt wie ein Auto, nur das in diesem Fall 16 Wagenheber an jeder Seite stehen, die jeweils 25 Tonnen hochstemmen und -halten. Dann werden die Züge bis auf die Haut „ausgezogen“. Im Fachjargon heißt das „schwere Instandhaltung“. Neben der reinen Instandhaltung übernehmen die Krefelder auch das sogenannte Redesign der Elektrobetriebszüge und der ICE-Baureihen. Dann werden neben Sitzen sowie einem verbesserten Informationssystem beispielsweise die Videoanlagen auf einen neuen Stand gebracht. Bayer: „Die Kunden kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.“ So gab die S-Bahn München unlängst die Modernisierung ihrer Züge im Oppumer Werk in Auftrag.

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