Der Ausbau der Raststätte Geismühle gefährdet die Autobahnkapelle.

Oppum
Am Altar in der Autobahn-Kapelle an der A 57 finden Reisende Ruhe zum Beten.

Am Altar in der Autobahn-Kapelle an der A 57 finden Reisende Ruhe zum Beten.

Dirk Jochmann (Archiv)

Am Altar in der Autobahn-Kapelle an der A 57 finden Reisende Ruhe zum Beten.

Oppum. Die Autobahnkapelle an der Geismühle ist bedroht: In Oppum befürchtet man, dass die 1981 eingeweihte ökumenische Kapelle der neuen Raststätte zum Opfer fällt.

Der Landesbetrieb Straßenbau NRW plant den Umbau der Raststätte, die jetzt noch beiderseits der Autobahn liegt. In einigen Jahren soll nur noch der östlich gelegene Teil erhalten bleiben und erheblich ausgebaut werden. Auch eine neue Kapelle auf dieser Seite ist angedacht.

Auf der westlichen Seite soll es dann nur noch eine Tankstelle und einige Parkplätze geben. Außerdem sehen die derzeitigen Planungen eine Lärmschutzwand vor, die die dortige alte Kapelle von der Autobahn abschotten würde.

Stadt und Kirche fordern eine neue Planung

Bernhard Meier, Pressesprecher beim Straßenbau NRW, bedauert das zwar, betont aber auch, dass die Kapelle ja immer noch an das „örtliche Straßennetz angebunden sei“. Da die Kapelle so aber nicht mehr von der Autobahn aus zu erreichen wäre und demnach auch keine Autobahnkapelle mehr sein könnte, schlägt er „eine Umwidmung“ vor.

Das jedoch lehnt Volker Hendricks kategorisch ab. Der Vorsitzende des Evangelischen Gemeindeverbands Krefeld: „Kapellen haben wir genug. Wir brauchen an dieser Stelle keine Wald- oder Feldkapelle. Wenn die Raststätte wirklich auf die andere Seite zieht und die Lärmschutzwand gebaut wird, verliert die Kapelle ihren Sinn.“

Reisende auf der A57 können die Kapelle nur in Fahrtrichtung Köln erreichen. Sie liegt auf dem Gelände des Rasthofs, in Nähe der Geismühle. Aus Richtung Oppum wählt man die Hauptstraße und biegt kurz vor der Autobahnbrücke nach rechts ab. Genügend Parkplätze sind vorhanden. Rollstuhlfahrer und Behinderte können die Kapelle problemlos erreichen.

Der Aktionskreis Autobahnkirchen wirbt für den Besuch: „Autobahnkirchen laden zu Entspannung und Andacht ein. Wer hier Rast gemacht hat, der fährt danach gelassener und damit sicherer.“

Auch die Untere Denkmalbehörde der Stadt Krefeld macht sich Sorgen um die Zukunft des Sakralbaus. Ihr geht es allerdings vor allem um den Status der Kapelle als Baudenkmal. Die Behörde mahnt deshalb in einer schriftlichen Stellungnahme zu den Bauplänen an, dass die Lärmschutzwand in „Lage, Länge und Höhe sowie ggf. Material“ so zu konzipieren sei, dass die „Erreichbarkeit und Sichtbarkeit“ des Gebäudes erhalten bleibe.

Die ökumenische Kapelle steht seit 2008 unter Denkmalschutz. Sie wurde von dem in Linn ansässigen Professor Hein Stappmann entworfen und nach dessen Tod vom Architekten Ludwig Thorissen vollendet. Der Leitgedanke war die Einbindung in die Natur.

Es entstand ein 35 Quadratmeter großer Raum mit einem großen Fenster hin zu einem kleinen Gewässer. Im Mittelpunkt des zur Besinnung einladenden Raumes steht auf einem kleinen Sockel eine große bronzene Rundscheibe. Sie wurde von Professor Theo Akkermann geschaffen und stellt die Schöpfungsgeschichte dar.

Die Kapelle ist gut besucht, viele Reisende vertrauen dem ausliegenden „Anliegenbuch“ ihre Gedanken und Wünsche an. Volker Hendricks: „Die Einträge erfolgen in dichten Abständen – beinah täglich.“

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