Weil Prostituierte und Freier sich vor ihren Häusern vergnügen, schlagen Anwohner aus Gellep-Stratum Alarm. Die Stadt reagiert mit verschärften Kontrollen, Düsseldorf soll über Sperrbezirk entscheiden.

Weil Prostituierte und Freier sich vor ihren Häusern vergnügen, schlagen Anwohner aus Gellep-Stratum Alarm. Die Stadt reagiert mit verschärften Kontrollen, Düsseldorf soll über Sperrbezirk entscheiden.
Auf einem Parkstreifen am Castellweg gehen Prostituierte ihrer Arbeit nach – bei den Anwohnern in Gellep-Stratum sorgt das für Unmut. Symbolbild: dpa

Auf einem Parkstreifen am Castellweg gehen Prostituierte ihrer Arbeit nach – bei den Anwohnern in Gellep-Stratum sorgt das für Unmut. Symbolbild: dpa

Auf einem Parkstreifen am Castellweg gehen Prostituierte ihrer Arbeit nach – bei den Anwohnern in Gellep-Stratum sorgt das für Unmut. Symbolbild: dpa

Krefeld. Der Parkplatz, da wo sich Fegeteschstraße und Castellweg kreuzen, wirkt am Abend wie ausgestorben – drei Autos stehen hier in der Dunkelheit. Tagsüber sei noch gut was los gewesen, sagt Gregor Roosen, Vorsitzender des Bürgervereins von Gellep-Stratum. Dann wird der Parkplatz zum Treffpunkt von Prostituierten und ihren Freiern – und das seit zweieinhalb Jahren. Das bestätigt auch der junge Mann im Pförtnerhaus der Firma Compo. „Eine, manchmal auch zwei Frauen stehen hier täglich, oft ab mittags bis 18, 19 Uhr, manchmal auch länger . . .“

Einige Anwohner der an das Gewerbegebiet am Castellweg grenzenden Wohnhäuser stinke der Straßenstrich, der sich da in der Nachbarschaft etabliert habe, gewaltig, sagt Roosen: Kommt es zwischen den Frauen und Freiern zu einer Vereinbarung, fahren die gemeinsam weiter in den Castellweg, um dort auf dem Seitenstreifen zu halten. „Ich werde immer öfter von Bürgern angesprochen, die nur aus ihrem Fenster oder Garten schauen müssen, um den Prostituierten und ihren Freiern beim Geschlechtsverkehr zuzusehen.“ Der Vorsitzende des Bürgervereins fordert deshalb einen Sperrbezirk, wie es ihn etwa in Duisburg gibt. „Dann gebe es die rechtliche Möglichkeit, die Frauen des Platzes zu verweisen“ – jetzt sei man vor allem eines: machtlos.

Kaffeebecher und Kondome: Anwohner ärgern sich über Dreck

Wir wollen die Anwohner selbst fragen und klingeln an den Haustüren an der Legionsstraße an. „Wir bekommen davon wenig mit“, sagt etwa Renate Haubrich. Nur beim Spazierengehen sehe sie häufig Flaschen, Kaffeebecher und leere Zigarettenschachteln an der Straßenkreuzung liegen, wo die Frauen auf ihre Freier warten. „Der Dreck stört mich. Ansonsten ist mir das wurscht. Das sind erwachsene Leute, die müssen wissen, was sie tun.“

„Mich stört das absolut nicht. Mir tun nur die Mädchen leid.“
Hans-Günter Horser, Anwohner

So sieht das auch Hans-Günter Horster. Ja, da stünden Prostituierten, junge Frauen, höchstens 18, 19 Jahre alt, an der Straße. „Aber dass es hier den ganzen Tag auf und ab geht, ist mir völlig unbekannt“, betont Horster und: „Mich stört das absolut nicht. Mir tun nur die Mädchen leid.“

So tolerant ist in der Nachbarschaft nicht jeder: Die „ständige Konfrontation“ mit dem Treiben, dass sich hinter ihrem Gartenzaun abspiele, Hinterlassenschaften wie Taschentücher und Kondome an der Straße, das alles „stört mich massiv“, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Um ihrem Ärger Luft zu machen, hat sie ihre Beobachtungen in einem Tagebuch dokumentiert: „Das zweifelhafte Vergnügen, den blanken Hintern des Freiers zu sehen, als der sich auf der Straße stehend wieder angezogen hat. Ort: Parkstreifen im Anschluss an unseren Garten“, lautet ein Eintrag von Oktober 2015.

Von den Kontrollen am Castellweg durch den Ordnungsdienst der Stadt erhofft sich Ratsherr Ulrich Lohmar „eine abschreckende Wirkung“. Anhand der Auswertung dieser Kontrollen soll die Bezirksregierung über die Einführung eines Sperrbezirks in Gellep-Stratum entscheiden.

Im Duisburger Süden sind weite Teile als Sperrbezirk ausgewiesen, Prostitution ist dort verboten. Mit dem Verbot hat die Stadt eine rechtliche Handhabe, gegen Prostitution vorzugehen.

Die Anwohnerin glaubt: „Der Wert des Wohngebietes geht durch die Straßenprostitution verloren.“ Ihrem Mann graut es jetzt schon vor dem Sommer. „Ich habe die Befürchtung, dass sich dann wegen des Sperrbezirks in Duisburg alles bis hier hin auf die andere Rheinseite verschiebt.“

Die Bezirksregierung fordert einen Bericht von der Stadt

Genau den möchte jetzt CDU-Ratsherr Ulrich Lohmar für Gellep-Stratum durchsetzen. In einem Brief an die Bezirksregierung fordert er, „dass alle rechtlichen und tatsächlichen Maßnahmen ergriffen und umgesetzt werden, die geeignet sind, die Straßenprostitution hier zu bekämpfen“.

Die Stadt will darauf mit verstärkten Kontrollen durch den kommunalen Ordnungsdienst reagieren. „Wir beobachten die Entwicklung engmaschig, da die Bezirksregierung um einen Bericht gebeten hat“, sagt Stadtsprecher Manuel Kölker. Man habe Verständnis dafür, „dass keiner so etwas vor seiner Haustür haben will. Aber das Gesetz erlaubt es eben, da hier keine sozialen oder pädagogischen Einrichtungen angrenzen und somit auch keine Kindeswohlgefährdung vorliegt.“ Auch die öffentliche Ordnung werde „nicht maßgeblich gestört“.

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