Eine neue 380-Kilovolt-Leitung von der A44 nach St. Tönis wird wichtiger Bestandteil im bundesweiten Stromnetz.

Krefeld. 23 Masten mit einer Höhe von bis zu 72 Metern, verteilt auf einer Länge von acht Kilometern für rund sechs Millionen Euro - das sind die Eckdaten der neuen 380-Kilovolt - Leitung, die von der A44 bis nach St. Tönis verlaufen soll. Dieter Picklapp, Bauingenieur bei Amprion, einer Tochterfirma der Rheinisch-Westfälischen-Elektrizitätswerke (RWE), hat alle seine Pläne beisammen. Mitte des Jahres will er bei der Bezirksregierung Düsseldorf das Genehmigungsverfahren einleiten. Baubeginn könnte dann Frühjahr 2011 sein.

Die neue Leitung verläuft parallel zu einer bestehenden

Floethheide, Tackheide, Benrad und Gatherhof werden von der neuen Starkstromleitung auf Krefelder Gebiet tangiert. Größtenteils verläuft sie parallel zu einer bereits vorhandenen 220-Kilovolt-Leitung. Auf der Strecke vom Edelstahlwerk bis nach St. Tönis gibt es bereits zwei Leitungen. Eine davon wird abgerissen. "Wir setzen die neuen Masten genau neben die vorhandenen, das ist optisch ansprechender", erklärt Picklapp. Die neuen Masten werden etwa 57 Meter hoch, einer im Bereich eines Kinderspielplatzes wird sogar 72 Meter erreichen. Im Vergleich: Die alten Masten waren zwischen 34 und 40 Meter hoch. Dafür können die höheren Masten in einem Abstand von 400 Metern zueinander stehen, und nicht wie die alten in einem Abstand von 200 Metern.

Ziel ist die Optimierung des Transportnetzes

Bereits 1963 wurde von der Bezirksregierung eine Starkstromleitung auf der Strecke zwischen neuem Gewerbegebiet und Edelstahlwerk genehmigt. Diese ist aber nicht mehr gültig. "Damals war die Notwendigkeit schon bekannt, man hat es aber wohl erstmal wieder verworfen", sagt Picklapp.

Ziel der neuen 380-Kilovolt-Leitung ist die Optimierung des schon bestehenden Transportnetzes. Das bestehende Netz reicht nicht aus, um der veränderten Energieerzeugung gerecht zu werden. Immer mehr Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee sowie die Kraftwerksverlagerung ans Meer und der Ausstieg aus der Kernenergie erfordern stärkere Transportleitungen, damit auch der Süden Deutschlands problemlos versorgt werden kann. Geprüft wurde die Notwendigkeit von der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Bauern, Kleingärtner und ein Wohngebiet müssen mit der 380-Kilovolt-Leitung leben. Einige Grundstücksbesitzer werden die Masten beherbergen. "Viele haben bereits zugestimmt und wurden dementsprechend entschädigt", sagt Dieter Picklapp. Eine erste Informationsveranstaltung für die Anwohner hat bereits im März 2008 stattgefunden. Damals hatte Picklapp einen schweren Stand bei den Bürgern. Die Strahlung machte einigen Sorge, und die Frage nach einer unterirdischen Leitung wurde laut. "Bei der Strahlung bleiben wir noch unter den Grenzwerten", sagt der Bauingenieur. "Auf dieser Strecke ein Kabel zu verlegen wäre aber einfach nicht sinnvoll." Wie ein Telefonkabel würden sich die Anwohner die Leitung vorstellen. Das sei aber völlig falsch, erklärt Picklapp: "Man bräuchte etwa zwölf Kabel, die aus wärmetechnischen Gründen mindestens einen Meter auseinander liegen müssen. So breite Straßen haben wir hier gar nicht. Zudem dürfte man nie wieder etwas darauf bauen oder pflanzen." Hinzu kämen die Kosten, die etwa vier bis sieben Mal höher als bei einer Freileitung sind, und die Reparaturzeiten bei Störungen sowie Eingriffe ins Ökosystem.

Zu diesen Themen wird Dieter Picklapp auch im Planverfahren wohl noch Stellung nehmen müssen, denn: Die Ordner mit allen Plänen werden in allen betroffenen Gemeinden ausgelegt. Dann kann jeder seine Fragen an Amprion richten.

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