Im Rosenkranzmuseum hängen neben unzähligen Kruzifixen auch zwei wertvolle gotische Reliefs an den Wänden.

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Rolf-Dieter Krüll, Inhaber des Rosenkranzmuseums, steht neben seiner neuesten Errungenschaft: zwei gotische Reliefs, die er zufällig in einer abgelegenen Kapelle in Fischeln entdeckt hat.

Rolf-Dieter Krüll, Inhaber des Rosenkranzmuseums, steht neben seiner neuesten Errungenschaft: zwei gotische Reliefs, die er zufällig in einer abgelegenen Kapelle in Fischeln entdeckt hat.

Dirk Jochmann

Rolf-Dieter Krüll, Inhaber des Rosenkranzmuseums, steht neben seiner neuesten Errungenschaft: zwei gotische Reliefs, die er zufällig in einer abgelegenen Kapelle in Fischeln entdeckt hat.

Krefeld. Kruzifixe, Weihwasserbecken, Statuen und Rosenkränze - es gibt hunderte. Eigentlich ist zu wenig Platz in Rolf-Dieter Krülls Geschäftsraum an der Alten Linner Straße 50. Die Besucher bekommen kaum ein Bein an die Erde. Sein Leben lang hat der 78-Jährige die Augen offen gehalten nach aller Art von Devotionalien. Neben der klassischen Musik gilt seine Leidenschaft dem ursprünglichen katholischen Glauben. Lange Zeit hat er sein Hab und Gut eingelagert, im Rosenkranzmuseum sind die Zeugnisse des Glaubens endlich für jeden sichtbar geworden.

Zwei gotische Reliefs sind Krülls neueste Errungenschaft

"Ich habe mehr als die Museen so mancher Wallfahrtsorte", sagt er stolz. Dazu gehört eine beachtliche Sammlung an Gegenständen von Coca Cola. "Das ist wohl eine der am meisten bekannten Marken der Welt. Diese Stücke werden gesammelt und händeringend gesucht. Eigentlich ist das nicht viel wert. Ich zeige das hier, weil es genau wie meine Devotionalien ein Umweg zu Gott ist. Coca Cola ist auch allumfassend, wie die Kirche."

Seine neueste Errungenschaft sind zwei wuchtige gotische Reliefs, die je eine Verbeugung vor einer Marienerscheinung zeigen. Die Holzschnitte sind 80 Zentimeter hoch und 50 Zentimeter breit. "Die sind richtig schwer. Mit drei Mann haben wir die Reliefs an die Wand gebracht", sagt Krüll. "Mit einem Kran mussten wir sie aus der Kapelle heben."

Die Kapelle, in der die Reliefs ein bisher unbemerktes Dasein fristeten, steht - verborgen hinter einer hohen Hecke - am Wimmersweg in Fischeln. Durch eine zufällige Trödelmarkt-Bekanntschaft entdeckte Krüll die Kapelle und damit die Reliefs. "Die habe ich blind gekauft. Das war reine Intuition. Dort hinten sieht sie doch keiner", sagt er. "Mit der Entdeckung bin ich mitten in die Auseinandersetzung der katholischen Kirche und einer abtrünnigen Gemeinde geraten", erzählt Krüll.

Die Kapelle stand nie im Dienst der katholischen Kirche

Die Geschichte der Kapelle hat er genau unter die Lupe genommen. Nie stand das Gebäude im Dienst der Kirche. "Eine erz-katholische Studienrätin hat damals diese Kapelle als Einlösung eines Versprechens errichten lassen", erzählt er. "Sie war regelrecht mit der Kirche verheiratet."

Alte Linner Straße 50

Rolf-Dieter Krüll mit seinem Gehilfen Peter Wilms.

Donnerstags von 15 bis 18 Uhr und nach Absprache unter Ruf 540385.

Auf einem Klassenausflug in den Alpen sei ein schrecklicher Sturm über die Gruppe hereingebrochen. Die Lehrerin habe Gott um Gnade angefleht und versprochen, ihm zu Ehren eine Kapelle zu errichten, wenn sie und ihre Schüler nur wieder heile nach Hause kämen. Gesagt - getan.

Krüll kennt sich aus. "Warum die Kapelle nie in den offiziellen Dienst der Kirche trat, hat folgenden Grund: Der damalige Erzbischof Lefebvre hat die Kapelle geweiht. Lefebvre allerdings war der allmächtigen katholischen Kirche ein Dorn im Auge und galt als Abtrünniger, da er an der ursprünglichen Liturgie vor dem zweiten vatikanischen Konzil festhielt", erzählt Krüll. "Mit diesem Konzil, nach dem Zweiten Weltkrieg, setzte man die Axt an die Wurzeln der Kirche." Vieles sei vereinfacht worden, so zum Beispiel der Ablauf der Heiligen Messe und die prunkvollen Utensilien. Dagegen setzte sich unter anderem Lefebvre zur Wehr. Auch die Erbauerin der Kapelle hielt am Ursprung fest.

Der besondere Wert der Reliefs liegt für Krüll in der Tatsache, dass es sich um Relikte aus einer Zeit vor dem Konzil handelt. "Ich fühle mich verpflichtet, mein Wissen mit diesem Museum hier weiterzugeben. Manche Katholiken wissen ja schon gar nicht mehr, was ein Rosenkranz ist", sagt Krüll.

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