Holger Krocker backt in der vierten Generation. Die Familientradition reicht bis 1909 zurück.

Holger Krocker in seiner Backstube – um zwei Uhr nachts beginnt er hier mit der Arbeit.
Holger Krocker in seiner Backstube – um zwei Uhr nachts beginnt er hier mit der Arbeit.

Holger Krocker in seiner Backstube – um zwei Uhr nachts beginnt er hier mit der Arbeit.

Dirk Jochmann

Holger Krocker in seiner Backstube – um zwei Uhr nachts beginnt er hier mit der Arbeit.

Krefeld-Lindental. „Hier läuft die Ware nicht vom Band, hier schafft man noch mit Herz und Hand.“ Der Spruch, der hoch oben im Verkaufsraum der Bäckerei und Konditorei Krocker an der Wand hängt, verrät dem Kunden sofort, wie hier der Hase läuft. In dem Traditionsbetrieb wird mit Herz gebacken und zwar in der Stube, die direkt hinter dem Laden liegt. Um zwei Uhr nachts wechselt Holger Krocker, Bäcker in der vierten Generation, nur das Stockwerk, um von der darüberliegenden Wohnung in die Backstube zu gelangen.

1993 hat der 43-Jährige das Zepter im Familienbetrieb übernommen und ist in das heutige Hauptgeschäft an der Forstwaldstraße umgezogen. „Das Stammgeschäft, das mein Urgroßvater 1909 in der Martinstraße eröffnet hat, ist seitdem unsere zweite Filiale“, erzählt er stolz. Verkaufen tut dort seine Mutter höchstselbst – im Alter von 76 Jahren.

Holger Krocker hat bei seinem Vater gelernt, die Rezepte kennt er alle auswendig. Um zwei Uhr nachts macht er in der Backstube das Licht an und beginnt mit der Arbeit. 200 Brote backt er zusammen mit seinen sechs Angestellten pro Tag, dazu zweieinhalbtausend einfache Brötchen und gut 200 Kuchen und Teilchen.

„Das geht akkordmäßig, aber für uns ist das Routine“, sagt er. Am schönsten findet der Bäcker in seinem Job die Vielfalt. „Man hat natürlich Sachen, die man immer macht, Brot zum Beispiel, aber dann gibt’s ja noch die Saisonware wie Weckmänner oder Ostersachen und die vielen verschiedenen Teilchen und Kuchen. Diese Abwechslung ist es, die ich mag“, erklärt Krocker.

Seine Frau Sabine, gelernte Konditorin, arbeitet zusammen mit fünf anderen Angestellten im Verkauf. Sie mag vor allem den Kundenkontakt. „Viele unserer Kunden – rund 400 pro Tag – kommen von der Autobahn, die meisten sind aber Stammkunden“, erzählt sie. Wenn die reinkämen, wüssten sie meist schon im Voraus, was sie in die Tüten packen soll. „Das ist der Unterschied zu Ketten“, sagt ihr Mann. „Da hat man natürlich jeden Tag andere Verkäufer. Bei uns dagegen kennt man sich.“

Besonders bekannt ist der Traditionsbetrieb für seine Grillagetorte und das Holzofenbrot, das mittwochs, freitags und samstags verkauft wird.
 

Montags und samstags von 5.30 bis 13 Uhr, dienstags bis freitags von 5.30 bis 18 Uhr und sonntags von 7.30 bis 11 Uhr.
 

Forstwaldstraße 111, 47084 Krefeld. Telefon: 71 15 33. 

Genau das schätzen die Kunden, die an diesem Morgen im Verkaufsraum sitzen. „Das ist wie ein kleiner Stammtisch hier. Jeden Tag um die Mittagszeit kommen die selben Leute, um einen Kaffee zu trinken und etwas zu essen“, erzählt Gabi Pustelack. „Hier tauscht man sich aus, das ist fast wie auf dem Dorf“, sagt sie.

Auch Bezirksschornsteinfeger Dirk Werkes gehört zu diesen Stammkunden. „Die Leute aus dem Viertel kommen eher hier in die Bäckerei, wenn sie etwas von mir wollen, als mich anzurufen“, sagt er schmunzelnd. „Es ist einfach nett hier, so persönlich – das gibt es woanders nicht.“

Auch achteckige Torten sind für den Bäcker kein Problem

Holger Krocker erzählt, dass es 1993 noch 80 selbst backende Betriebe in Krefeld gab. „Heute sind es nur noch gut 20“, sagt er. „Wir haben den Einbruch damals schon gespürt, als die Brötchen in die Supermärkte kamen. Die Leute sind bequemer geworden und wollen alles auf einmal einkaufen.“ Trotzdem gehe es der Bäckerei Krocker gut.

„Der Unterschied zu den großen Ketten ist einfach der: Wenn bei mir jemand reinkommt und sagt, er will eine achteckige Torte haben, dann kriegt er die auch“, sagt er. Außerdem wisse ein Bäcker wie er noch, was in seinen Produkten enthalten sei und könne so auch Backwaren für Allergiker anbieten, beispielsweise ohne Ei.

„Den Rest machen wir über ein immer breiteres Angebot. Als meine Oma früher die ersten Croissants verkauft hat, hat sie dazu immer Kartons gesagt, weil sie die einfach nicht kannte.“ Das sei heute aber nicht mehr denkbar, betont der Traditionsbäcker.

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