Lothar Janssen hat die Historie der Gutenbergstraße erforscht, besonders angetan hat es ihm die Hausnummer 13.

West
Lothar Janssen hat die Geschichte des Hauses an der Gutenbergstraße 13 erforscht. Der erste Eigentümer war Kaplan.

Lothar Janssen hat die Geschichte des Hauses an der Gutenbergstraße 13 erforscht. Der erste Eigentümer war Kaplan.

Andreas Bischof

Lothar Janssen hat die Geschichte des Hauses an der Gutenbergstraße 13 erforscht. Der erste Eigentümer war Kaplan.

West. Andere wühlen sich durch die Ahnenbücher, um die eigene Familiengeschichte zu ergründen, Lothar Janssen hat es die Historie einer Häuserzeile angetan. Ein Jahr erforschte der Lehrer die Geschichte der Häuser an der Gutenbergstraße, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden sind. Besonders interessiert hat ihn die Historie des Gebäudes mit der Hausnummer 13. In diesem Haus ist Janssen aufgewachsen und dorthin zurück zog er nach dem Tod der Mutter. „Ich habe einfach immer eine besondere Verbindung zu dem Haus gehabt“, sagt er.

Theologe gibt das Haus 1918 auf und heiratet später in Südengland

Um die Vergangenheit des Hauses zu ergründen, ging Janssen alte Adressbücher der Stadt Krefeld durch, folgte den Spuren, die der erste Hausbewohner hinterließ, bis nach Südengland und durchforstete den Briefnachlass des Krefelder Maschinenfabrikanten Johannes Kleinewefers. „Eine Straße, ein Haus, seine Bewohner“, lautet der Titel der „Kleinen Straßen- und Hausgeschichte“, die anfängt, als das Haus noch eine Zeichnung auf Papier war.

1912 begann der Architekt Friedrich Wilhelm Pisters mit der Planung des Baus. An seinem 38. Geburtstag unterzeichnete Bauherr Professor Carl Maßierer die Grundrisspläne mit dem Bauerlaubnisgesuch. Maßierer stammte aus Köln und kam mit 30 Jahren als Kaplan nach Krefeld – in die Kirche St. Stephan. Später übernahm er das Amt des geistlichen Rektors am „Waisenhaus in Crefeld“, dem heutigen Marianum. Außerdem brachte er an der städtischen Höheren Mädchenschule und der Bürgerschule für Mädchen (das heutige Ricarda-Huch-Gymnasium) den Schülern das alte und neue Testament näher.

Der Großvater bekommt Aufträge von der Wehrmacht

In seiner Freizeit schaute Maßierer häufig bei dem Maschinenfabrikanten Johannes Kleinewefers auf ein gutes Glas Mosel vorbei. „Um mit dem Hausherrn zu philosophieren“, sagt Janssen. Später überwarf sich Maßierer mit der Kirche. Aus welchem Grund genau – darüber will Janssen ungern spekulieren. Klar sei nur: „1920 wird Maßierer nicht mehr in den Handbüchern des Erzbistums geführt. 1926 heiratete er in Südengland, wo er 1951 im Alter von 76 Jahren starb.“

Das Haus hatte der Geistliche bereits 1918 aufgegeben. Nur mit viel Glück wird es bei den verheerenden Bombenangriffen 1943 nicht zerstört. Am 21. Juni 1943 findet eine Stabbrandbombe den Weg durch das Dach bis ins Mansardenzimmer in der zweiten Etage. Dort bleibt sie im Holzboden stecken – entzündet sich aber nicht. Damals wohnte an der Gutenbergstraße Nummer 13 bereits die Mutter von Lothar Janssen.

Unterstützung bekam Lothar Janssen bei der Recherche zur „Kleinen Straßen- und Hausgeschichte“ von den Nachbarn. Wer das Heft lesen möchte, kann Kontakt zu Janssen aufnehmen per Mail unter

lothar-janssen@web.de

In dem Jahr, als Maßierer seiner Frau das Jawort gab, hatte der Großvater Janssens das Haus an der Gutenbergstraße 13 dem Weinhändler Konrad Schommertz abgekauft, der an der Sternstraße eine Destillerie betrieb. Lothar Janssens Mutter, die das Haus später übernahm und bis zu ihrem Tod dort wohnte, war damals rund anderthalb Jahre alt.

Die Spuren, welche die Stabbrandbombe hinterließ, sind bis heute zu sehen. „Das Loch ist mit altem Zeitungspapier ausgefüllt und einer Holzplatte abgedeckt“, erzählt Janssen, der die Stelle bewusst nicht saniert hat. „Als Erinnerung auch für spätere Generationen“, erklärt Lothar Janssen.

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