Die Straßenbahn ist am Wochenende zu ihrer letzten Reise nach Tackheide aufgebrochen. Gefeiert wurde das im „Blauen Enzian“.

Mit 40 Kilometern pro Stunde bricht der Blaue Enzian Richtung Tackheide auf.
Mit 40 Kilometern pro Stunde bricht der Blaue Enzian Richtung Tackheide auf.

Mit 40 Kilometern pro Stunde bricht der Blaue Enzian Richtung Tackheide auf.

Andreas Bischof

Mit 40 Kilometern pro Stunde bricht der Blaue Enzian Richtung Tackheide auf.

Tackheide. Fast ein wenig aufgeregt wirkt Margarete van der Sand als sie am Samstagabend an Gleis Drei der Straßenbahnhaltestelle Krefeld-Hauptbahnhof wartet. Es ist 19.46 Uhr. und ein paar Kilometer entfernt, am Uerdinger Bahnhof, hat sich gerade die Straßenbahnlinie 043 in Gang gesetzt. Sie ist zu ihrer letzten Fahrt Richtung Tackheide aufgebrochen. Da die Endstation im Anschluss stillgelegt wird, ist ausnahmsweise der historische Wagen „Blauer Enzian“ eingesprungen.

Mit lautem Rattern und Knattern fährt die Bahn am Bahnhof ein

Einige Minuten später nähert sich die alte Straßenbahn mit Rattern und Knattern dem Hauptbahnhof und der wartenden Margarete van der Sand. „Das letzte Mal bin ich vor 75 Jahren mit dem Blauen Enzian gefahren, damals noch als Linie 3“, erzählt van der Sand. Sie nutzt die letzte Chance, um mit der Bahn bis nach Tackheide zu gelangen.

Beide Waggons des historischen Schienenfahrzeugs sind komplett besetzt, als die passionierte Straßenbahnfahrerin einsteigt. Auf einem Schild steht geschrieben, dass pro Waggon genau 18 Sitz- und 20 Stehplätze zur Verfügung stehen. Dank der geschulten Ordner an Bord sind es an diesem Abend aber wohl ein paar mehr.

„Ich habe in der Bahn oft Ideen für Lieder und Kompositionen gehabt.“

Jochen Kuhn, Musiker

Dann geht es los: Begleitet von den Klängen des Trios Linie 43 bricht der „Blaue Enzian“ in Richtung Tackheide auf. „Ich habe in der Bahn oft Ideen für Lieder und Kompositionen gehabt“, sagt Bandmitglied Jochen Kuhn. Vor drei Jahren habe sich die Band für den Namen Linie 43 entschieden. „Sozusagen als Tribut an diese Bahn“, sagt Kuhn.

Unter den Blicken der Passanten in der Krefelder Innenstadt, die neugierig stehen bleiben, um den historischen Wagen zu bestaunen, setzt sich der Tross in Bewegung. Mit 40 Kilometern pro Stunde bahnt sich der Blaue Enzian seinen Weg durch den Abendverkehr. „Mit drei Jahren bin ich zum ersten Mal diese Strecke gefahren“, sagt van der Sand, die inzwischen 78 Jahre alt ist und immer noch so gerne Bahn fährt wie in ihrer Kindheit.

An der Endhaltestelle klicken die Kameras

Die Straßenbahn-Linie 043 endet jetzt am Krefelder Hauptbahnhof. Das Wohngebiet Tackheide wird dann von der bis zur neuen Endhaltestelle „Im Benrader Feld“ verlängerten Buslinie 069 bedient – anders als bisher mit der Straßenbahn sogar bis in die späten Abendstunden hinein.

Ein bisschen schade findet sie es, dass die Linie 043 nun die Haltestelle Tackheide nicht mehr bedient und die Passagiere auf die Buslinie 069 zurückgreifen müssen. „Zwar fahren die Busse jetzt auch noch zu später Stunde. Leider aber nicht mehr im Viertelstundentakt“, sagt van der Sand. „Dafür kann ich jetzt länger in der Stadt bleiben. Das ist vor allem im Sommer schön.“

Immer wieder wird der Straßenbahnzug während der Fahrt von einem historischen Bus der Deutschen Bahn überholt. „Es gab nicht genug Platz für alle. Und für die Leute, die fotografieren möchten, ist die Ansicht von außen vielleicht ein wenig interessanter“, sagt der Busfahrer. Die Zahl der Fotografen erhöht sich noch einmal, als sowohl die Straßenbahnlinie 043 als auch ihr historisches Anhängsel die Haltestelle Tackheide erreichen.

Hintereinander aufgereiht stehen Straßenbahn und Straßenbahnbus an der Haltestelle Tackheide. Von dort geht es – ein allerletztes Mal – zurück zum Uerdinger Bahnhof.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer