Eine Produktionsanlage wurde zum Wohngebäude – der Architekt erklärt das Konzept.

Krefeld. Einsam lehnt ein Fahrrad an der Backsteinfassade der alten Schirmfabrik von 1896, unbeeindruckt von dem kleinen Denkmal-Schild direkt daneben. Im Inneren ist es lebhafter: In den 15 Wohnungen leben viele Familien, oft spielen Kinder in dem Treppenhaus oder es wird gegrillt. "Ungefähr 30 Kinder wohnen hier, mehr Kinder als Erwachsene", erzählt Architekt Frank Brünsing, der die ehemalige Produktionsanlage in ein Wohnhaus umwandelte. Früher wurden hier Regenschirme produziert. Das Gebäude im Renaissance-Stil erhielt vor kurzem den Denkmalpreis der Stadt Krefeld (die WZ berichtete).

Der Blick vier Jahre zurück - kein schöner Anblick: "Das Haus war teils marode, verschüttet, und an die 100 Taubenkadaver lagen im Dachgeschoss", erinnert sich der Architekt. Nach einem Jahr Planungszeit und einem Jahr Bauzeit verwandelte sich der Fleck in helle, freundliche Wohnungen mit Balkons und einem Spielplatz im Innenhof. Alles barrierefrei mit Aufzug, versteht sich.

Überhaupt muten die 1280 Quadratmeter Gesamtwohnfläche teilweise auch modern an, "wir haben Neues dem Alten gegenüber gestellt", sagt Brünsing. Im Klartext: Wenn etwas neu installiert wurde, kann man das auch erkennen, beispielsweise an klareren und schlichteren Strukturen. So geschehen bei den Kellerfenstergittern zur Steinstraße 74-76 hinaus: "Die alten erkennt man an den Verzierungen, das neue Gitter ist schlicht und gerade." Die Wände sind mit modernem Vollwärmeschutz verkleidet. Einige Flure sind mit Granitböden ausgestattet, dort, wo die historische Struktur nicht mehr zu erkennen ist.

Ob die ehemalige Schirmfabrik v. Haasen & Oppenheimer etwas Besonderes ist? "Früher eigentlich nicht. Das, was wir daraus gemacht haben, ist es", meint Brünsing. Denn früher kamen die Menschen nicht zu den Firmen, sondern umgekehrt. In vielen Städten, nicht nur in Krefeld, fänden sich deswegen Produktionsstätten mitten in Wohnvierteln. Der Clou, wenn man diese saniert und bewohnbar macht: "So können wir junge Familien in die Innenstadt locken, gerade Familien mit vielen Kindern", sagt Brünsing. "Denn viele Wohnungen sind nur für kleine Familien ausgelegt." Nicht so die alte Schirmfabrik, hier gibt es großzügig geschnittene, öffentlich geförderte Wohnungen mit bis zu 119 Quadrametern.

Beispielsweise wohnt hier Familie Briesin - mit ihren drei Kindern (und einer Katze). "Es ist traumhaft", schwärmt Mutter Lilia. "Jeder hat seinen eigenen Bereich." Natürlich mit ehemaliger-Fabrik-Charme. Beispielsweise sind die metallenen Haus-Stützen nicht in die Wände eingearbeitet, sondern dienen als Blickfänge im langen Flur, "den die Kinder manchmal als Autorennbahn benutzen", lächelt die Mutter. In zehn Minuten sei man in der Innenstadt und es gebe genug Einkaufsmöglichkeiten.

Noch, sagt Brünsing: "Es gibt eine Entwicklung, dass es innerhalb der vier Wälle bald keine Lebensmittelläden mehr gibt." Ein Problem, denn gerade Familien und ältere Menschen brauchen Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. "Hier muss man auch gute Rahmenbedingungen schaffen." So kann ein Bauboom in den Außenbezirken eingeschränkt, und die Bürger wieder in die Innenstadt gelockt werden.

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