Politiker wollen Fällung der schönen Gewächse vermeiden. Grünflächenamt sucht Lösung.

Ginkobaum Krefeld
Wenn die Früchte zerplatzen, entsteht ein bestialischer Gestank.

Wenn die Früchte zerplatzen, entsteht ein bestialischer Gestank.

Archivfoto: Strücken

Wenn die Früchte zerplatzen, entsteht ein bestialischer Gestank.

Krefeld. Der aus China stammende Gingko-Baum war Thema in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung (BZV) West. An sich ist es ein schönes und widerstandsfähiges Gehölz. Ärger bereitet es aber rund sechs Wochen lang im Herbst. Dann reifen die Samen der weiblichen Gattung des Baums. Sie verbreiten einen ekeligen Geruch, sorgen für schmierigen Matsch auf den Gehsteigen und greifen den Lack von Autos an, auf die sie fallen.

Intensive Reinigung der Gehsteige und Straßen

Rund 200 dieser weiblichen Bäume gibt es entlang Krefelder Straßen, sagt Matthias Pasch vom städtischen Fachbereich Grünflächen. Neben der Prinz-Ferdinand-Straße und Am Baackeshof im Westbezirk sind sie in größerer Zahl noch an der Bruckerschen Straße in Hüls und der Hardenbergstraße in Stadtmitte vertreten. Auf Antrag von Rolf Horster (SPD), der das Problem vor der eigenen Haustüre hat, befasste sich die Bezirksvertretung West mit der Problematik.

„Es geht mir um den Umgang damit. Keinesfalls sollen diese schönen Bäume weg“, betont der Krankenpfleger. Auch dem Fachbereich Grünflächen sei kein Vorwurf für die Pflanzung zu machen, da erst nach rund 15 Jahren feststehe, ob es sich um weibliche Bäume handele. Vielmehr ginge es um die Ernte und Verwertung der Früchte, die wie Mirabellen aussehen, und um eine effektive Straßen- und Gehwegreinigung in der sechswöchigen Reifezeit der weiblichen Bäume.

Rüttelmaschine für die Ernte der Früchte

Unklar blieb, wie die Früchte geerntet werden sollen. Horster: „Sie befinden sich auch im Inneren des Baumes und könnten nur mittels einer Rüttelmaschine gelöst werden. Aber eine solche Maschine haben wir nicht.“ Auch die Verwertung durch ein Unternehmen – zum Beispiel als Rohstoff für die Seifenproduktion oder als pharmazeutische Grundlage – blieb offen.

Landwirt Heinz Albert Schmitz (CDU) wusste weiter. Düsseldorf habe ein vergleichbares Problem, berichtete Schmitz: „Die frühere Leiterin unseres Grünflächenamtes, Doris Törkel, ist heute in der Landeshauptstadt Chefin des Gartenamtes. Wir sollten sie einfach mal fragen, wie das geht.“ Das wird Törkels kommissarischer Nachfolger Heino Thies nun machen.

Die sich entwickelnde Samenschale ist bis zur Reife im Herbst grün, bei Kälteeinbruch wird sie gelb, bis der Samen schließlich abfällt. 

Die Samenschale entwickelt im ausgereiften Zustand einen unangenehmen Geruch nach ranziger Butter. Verantwortlich dafür sind die in der Samenschale enthaltene Buttersäure und Capronsäure. Die ebenfalls enthaltenen Phenole können durch Austreten des Saftes zu Hautreizungen und Allergien führen. 

Der Baum kann bis zu 1000 Jahre und älter werden und Wuchshöhen von bis zu 40 Metern erreichen.

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