Das Clearinghaus für zehn Zuwanderer ohne Familie aus dem Irak, Syrien und Guinea ist seit Dienstag in Betrieb.

Das Clearinghaus für zehn Zuwanderer ohne Familie aus dem Irak, Syrien und Guinea ist seit gestern in Betrieb.
Lehrerin Swantje Schröder unterrichtet Nihad aus Syrien.

Lehrerin Swantje Schröder unterrichtet Nihad aus Syrien.

Andreas Bischof

Lehrerin Swantje Schröder unterrichtet Nihad aus Syrien.

Krefeld. Die ersten Bewohner sind eingezogen. Seit Dienstag erhalten Amadou aus Guinea, Abt Alhadi aus dem Irak und Nihad aus Syrien den ersten Deutsch-Unterricht im ehemaligen Kindergarten am Girmesdyk 24 von Lehrerin Swantje Schröder. Die frühere Kita wurde umgebaut und dient jetzt als Clearinghaus für minderjährige männliche Flüchtlinge.

Im Laufe der Woche werden die restlichen der insgesamt zehn Bewohner erwartet. Träger ist die Evangelische Jugend- und Familienhilfe in Kaarst. Zielgruppe des Clearinghauses, erläutert Geschäftsführer Detlef Wiecha, sind ausländische, männliche Jugendliche, die unbegleitet nach Deutschland eingereist sind. Bei einer Aufenthaltsdauer von drei bis fünf Monaten in diesen Häusern wird zuerst geklärt, was der Ankömmling mitbringt.

Fluchtgrund, und -erfahrung, familiärer Hintergrund, physische und psychische Traumatisierungen, Vorbildung werden erforscht. Wiecha: „Wir wollen dabei auch erfahren, was die jungen Menschen zurückgelassen haben in ihrer Heimat. Sie fangen in Krefeld bei Null an. Aber wir wissen, dass sie mit großen Engagement hierher kommen und den unbedingten Willen zur Integration in unsere Gesellschaft haben.“ Der Geschäftsführer hebt dabei die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamtsleiter Gerhard Ackermann und der Leiterin des Integrationszentrums der Stadtverwaltung, Tagrid Yousef, sowie den anderen freien Trägern hervor.

Leiter des Hauses ist der Diplom-Sozialpädagoge Alfred Klaßen. Er ist verantwortlich für den Tagesablauf. In der Regel steht vormittags Deutschunterricht an. Einzelne Bewohner aber besuchen Schulen im Stadtgebiet. Der Nachmittag ist für Einzelgespräche vorgesehen oder auch für die Möglichkeit, Freizeitangebote wie Sport zu nutzen. Untergebracht sind die Bewohner in Zweibettzimmern, die jeweils rund 20 Quadratmeter groß und zweckmäßig ausgestattet sind.

„Sie fangen in Krefeld bei Null an. Aber wir wissen, dass sie mit großem Engagement hierher kommen.“

Detlef Wiecha, Geschäftsführer der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe in Kaarst

Klaßen steht dabei ein multiprofessionelles Team aus Psychologen, Pädagogen und Sprachvermittlern zur Seite. Die Jugendhilfe betreibt noch zwei weitere Clearingobjekte in der Krefelder Innenstadt, wo derzeit insgesamt 20 junge Menschen untergebracht sind. Koordinator ist der Krefelder Pädagoge Hermann-Josef Platzbecker. Für ihn ist für diese Arbeit entscheidend, „dass wir den Bewohnern eine Perspektive bieten, die ihnen den Weg in unsere Gesellschaft möglich macht. Wir müssen einander kennen- und verstehen lernen. Dafür brauchen wir Zeit, beide Seiten.“

Delef Wiecha sieht das auch so: „Integration ist kein einseitiger Weg. Wir müssen wissen, mit wem wir es zu tun haben, um bei der weiteren Entwicklung wirksam helfen zu können.“ Am Ende der Clearingzeit könne der Weg in die neue Heimatstadt Krefeld geöffnet werden. Da gehe es unter anderem um den ausländerrechtlichen Status, um einen Ausbildungsplatz und um künftige Wohnformen.

Klar sei für Wiecha auch, dass der Gesetzgeber auf neue Erfordernisse reagieren müsse. So müsse eine Förderung der Jugendlichen auch über das 18. Lebensjahr hinaus gesichert und die Schulpflicht verlängert werden. Hermann-Josef Platzbecker hingegen macht sich Alltags-Gedanken. „Wir müssen klären, wie einzelne Bewohner ihre Schulen in Fischeln oder in Uerdingen erreichen. Wir brauchen Spenden, Fahrräder und Hilfe bei der Verkehrserziehung.“ Bei der evangelischen Paulusgemeinde in der Nachbarschaft erhofft sich Platzbecker menschliche Unterstützung beim Kennenlernen.

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