KR/Vier Doppelhaushälften, Talschenke, Hülserberg
Direkt neben der alten Talschenke entstehen momenten vier neue Doppelhaushälften.

Direkt neben der alten Talschenke entstehen momenten vier neue Doppelhaushälften.

Reimann, Friedhelm (rei)

Direkt neben der alten Talschenke entstehen momenten vier neue Doppelhaushälften.

Krefeld. Bauhaus trifft Jugendstil: Auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück der ehemaligen Talschenke am Hülser Berg stehen die vier neuen Doppelhaushälften im hinteren Bereich kurz vor der Fertigstellung. Die Familien der vier Besitzer werden im kommenden Herbst dort einziehen. Die Häuser sind dem Dessauer Bauhausstil nachempfunden und verfügen über je rund 120 Quadratmeter Wohnfläche. Das Grundstück am Talring 116 liegt unmittelbar neben dem Endhaltepunkt des Nostalgie-Ausflugzuges „Schluff“. Die Zufahrt zu den neuen Häusern wird neben der ehemaligen Schenke angelegt und mit einer Mauer vom Bahngelände getrennt.

Von den hölzernen Rollläden blättert die Farbe

Das Jugendstilgebäude der früheren Talschenke am Fuße des 64 Meter hohen Hülser Berges steht seit nunmehr fast 14 Jahren leer. Die Türen und Fenster sind zugenagelt, von den hölzernen Rollläden blättert die Farbe, aus der Regenrinne wächst üppiges Grün. Abgerissen sind inzwischen die Flachbauten für die frühere Außengastronomie. Marc Heckmann, Bauträger und Investor aus Kempen, will sich derzeit nicht festlegen, wann mit dem Innenausbau begonnen wird. „Wir hatten Probleme mit einem anderen Investor. Wir vermarkten die Wohnungen jetzt selbst.

Deshalb müssen wir erst einen Teil der hochwertigen fünf Wohnungen verkaufen, bevor wir mit dem Ausbau beginnen können.“ Der Kempener, der sein Unternehmen 2003 gegründet hat, ist sich klar darüber, dass die Schenke ein Schandfleck inmitten von mehr als hochwertigen Immobilien mit Grundstücken bis zu 6000 Quadratmetern im Umfeld darstellt. „Klar, von mir aus könnte der Umbau losgehen.

Aber wir müssen berücksichtigen, welche Interessen und Wünsche die künftigen Eigner haben. Sonst investieren wir ins Blaue.“ Klar sei aber, dass die vorhandene Optik des Hauses erhalten bleiben soll. Unter einem von Efeu überwucherten Werbebanner am Bauzaun ist abgebildet, wie die „Residenz Talschenke“ in neuem Glanz wieder erstehen soll. Heckmann: „Das Gebäude wird völlig entkernt, nur die Außenmauern bleiben stehen und werden entsprechend renoviert.“

Energetisch soll das Haus modernsten Ansprüchen genügen

Im oberen Stockwerk plant Marc Heckmann ein Penthouse mit Dachterrasse. Energetisch soll das Haus modernsten Ansprüchen genügen. Den künftigen Eigentümern stehen dann insgesamt rund 500 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung.

Das Gebäude stammt aus der vorletzten Jahrhundertwende um 1900. 1910 wird dort in den Chroniken von der Bahnwirtschaft Punessen am Bahnhof Hülser Berg berichtet. In den Jahren danach wurde das Haus vermutlich aufgestockt. Im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit wurde es als Nebenstelle einer Kinderklinik genutzt und stand danach über Jahre leer. Auch Zwangsarbeiter sollen dort untergebracht gewesen sein. Am 1. April 1969 meldete die Westdeutsche Zeitung dann: „Heute öffnet die Talschenke wieder ihre Türen.“ Helmut Donath und seine Frau Maria führten das Café-Restaurant bis 1980. Es folgten eine ganze Reihe neuer Pächter und Eigentümer. Der Höhepunkt des Niedergangs kam dann kurz vor Weihnachten 2005: „Talschenke ausgebrannt“, hieß es in der WZ – da stand die Traditionsgaststätte am Hülser Berg bereits seit drei Jahren leer.

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