Baugenehmigung für den Supermarkt in der Maurenbrecher-Villa liegt vor. Außerdem ziehen vier Geschäfte dort ein.

Ein Blick in den ehemaligen Eiskeller der Maurenbrecher-Villa.
Ein Blick in den ehemaligen Eiskeller der Maurenbrecher-Villa.

Ein Blick in den ehemaligen Eiskeller der Maurenbrecher-Villa.

Architekt Ludwig Thorissen mit den Umbauplänen.

Dirk Jochmann, Bild 1 von 2

Ein Blick in den ehemaligen Eiskeller der Maurenbrecher-Villa.

Krefeld-Hüls. Im kommenden Frühjahr geht es mit dem Um- und Neubau los. Dann wird die Maurenbrecher-Villa an der Kempener Straße in Hüls saniert und renoviert und zum wiederholten Mal eine neue Bestimmung bekommen. Ins Erdgeschoss ziehen Läden und ein Café, und in ihrem Hof, dort wo einst Kessel für die Bierbrauerei standen, entsteht ein Supermarkt. "Die Baugenehmigungen liegen vor", freut sich Architekt Ludwig Thorissen. "Im Herbst 2011 ist alles fertig."

In Bahnhofsnähe ließen sich gerne Unternehmer nieder

Die Besichtigung der seit rund zehn Jahren leer stehenden Maurenbrecher-Villa in Hüls ist wie ein Gang durch die Geschichte. In rund 150 Jahren hat das Gebäude einige Nutzungen erlebt. Es beherbergte die Schwengerssche Brauerei und war Firmensitz und Fabrikantenvilla der Familie Maurenbrecher. Zwischendurch wurde sie vom Volksmund ein wenig despektierlich, aber nicht zu Unrecht "Lumpenschopp" genannt. Stets war die Bahnhofsnähe Grund für die Unternehmer, sich dort niederzulassen.

Der Weg beginnt direkt neben der links gelegenen Eingangstür. Es geht die Treppe hinunter in den alten Gewölbekeller, der als Eiskeller diente. "Dieser fast 600 Quadratmeter große und kühle Raum erlaubte es Franz Joseph Schwengers aus Uerdingen, nicht das am Niederrhein übliche obergärige, sondern auch Bier untergäriger Brauart herzustellen", erzählt Thorissen. "Denn letzteres erfordert ziemlich frische Temperaturen. Im Winter gewonnene Eisblöcke verlängerten die Kühlung." Überliefert ist, dass Schwengers die Villa kurz vor 1855 errichten ließ.

Zu Zeiten der Brauerei hat wohl ein einziger Büroraum für die Verwaltung gereicht. Nachdem der 34-jährige Krefelder Kaufmann Carl Georg Maurenbrecher die Anlage 1890 gekauft hatte, entstand dort eine Abfallverwertung mit dem Schwerpunkt Hadern-, also Lumpenverwertung. Textilabfälle dienten damals noch als überwiegender Rohstoff für die Papierproduktion. Der Volksmund hatte die Bezeichnung "Lumpenschopp" schnell gefunden. Das Geschäft war einträglich. 1911 betrug das Firmengelände bereits 2,4 Hektar und hatte natürlich Gleisanschluss.

Parkettböden zeugen von der gediegenen Ausstattung

Im Zweiten Weltkrieg wurden Fabrik und Wohnhaus sehr beschädigt. Maurenbrecher sorgte für den Wiederaufbau und ließ für seine Familie mit den vier Kindern 1947 ein weiteres Stockwerk auf die Villa setzen. Der Firmenchef richtete dann im Erdgeschoss seine Büroräume ein. Die Familie zog in die erste Etage. Eine steile Treppe aus grau gesprenkeltem Marmor mit einem Rokokogeländer führt auch heute noch hinauf.

Die nächste Bestimmung von "Maurenbrechers Villa": Im Erdgeschoss werden Geschäfte entstehen. Ein Bäcker und ein Blumenhändler ziehen ein. Ein Café wird eingerichtet und ein Lotto-Toto-Geschäft. Ein gläserner, "Mall" genannter Durchgang, verbindet die Läden mit dem neuen Supermarkt.

Oben ist die gute gediegene Ausstattung sichtbar. Parkettböden wurden fast in jedem Raum verlegt und müssen jetzt ebenso aufgearbeitet werden wie die Sonthofener Platten. Die schönen Eichentüren sind teilweise verglast, und im Salon fällt der gusseiserne offene Kamin ins Auge. Der Wintergarten mit den großen Pflanzbeeten ist ein schöner Bereich, der den Blick auf den Park freigibt. Thorissen: "Diese Etage ist bereits vermietet und dient einem Unternehmen als Verwaltungssitz."

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