Professor Richard Jung hat erforscht, wie sich der Stadtteil künftig besser positionieren und für sich werben kann.

Hüls
An der Klausur hat Hüls sich seinen ländlichen Charakter erhalten. Richtig städtisch geht es dagegen an der Krefelder Straße zu.

An der Klausur hat Hüls sich seinen ländlichen Charakter erhalten. Richtig städtisch geht es dagegen an der Krefelder Straße zu.

An der Klausur hat Hüls sich seinen ländlichen Charakter erhalten. Richtig städtisch geht es dagegen an der Krefelder Straße zu.

Archivbild: Andreas Bischof, Bild 1 von 2

An der Klausur hat Hüls sich seinen ländlichen Charakter erhalten. Richtig städtisch geht es dagegen an der Krefelder Straße zu.

Krefeld. Die Hülser sind ein „besonderes Völkchen“. Das ist nun wissenschaftlich erwiesen. Beispielsweise das Zusammengehörigkeitsgefühl sei in diesem Stadtteil besonders gut ausgeprägt, heißt es in der Studie des Marketingexperten Professor Richard Jung von der Hochschule Niederrhein.

Im November vergangenen Jahres hatten Einzelhandelsverband und IHK damit begonnen, ein Leitbild für den Stadtteil zu entwickeln. Nun hielt Jung auf Einladung des Werberings einen Vortrag darüber, wie es aussehen könnte.

Traditionelles Wappen könnte moderner gestaltet werden

Beste Voraussetzung für die Umsetzung eines neuen Leitbildes sei der Gemeinschaftssinn. Hüls könne sich mit dem Attribut „Stadtlandleben“ und dem traditionellen Hülser Wappenemblem, dem Seerosenblatt, von den umliegenden Gemeinden abheben und für sich werben. Das Blatt müsse nur moderner, vielmehr in ansprechender Herzform, gestaltet werden, zieht Jung ein vorläufiges Fazit.

Die zweite Gesprächsrunde „Leitbild für Hüls“ besteht aus etwa 25 Leuten. „Ist Hüls eine Stadt, ein Teil, ein Dorf oder was?“, fragt Jung in seiner Präsentation. Hüls sei mit rund 17 000 Einwohnern kein Dorf mehr, habe sich jedoch den ländlichen Charakter erhalten. „Wir befinden uns in einer kleinen Identitätskrise. Da ist das Stadtmarketing nicht ganz einfach.“ Ziel sei es, Stadt und Land zusammen zu bringen, wahrgenommen zu werden und auf Wünsche der Bewohner der Umgebung zu reagieren.

„Weiterentwicklung braucht Kooperation“, sagt Jung in seinem mehr als zweistündigen Vortrag. „Sie muss auch aus der Bürgerschaft kommen.“ Beispiele für das gute Gemeinschaftsdenken seien der Bottermaat oder die gelungene Sanierung der Burg. Der Weg müsse aber weggehen von der reinen Selbstdarstellung hin zu einem Angebot, das die Leute brauchen.

„Alle sagen, wir sind Hüls, doch jeder agiert auf seine Art und Weise.“

Richard Jung, Marketingexperte an der Hochschule Niederrhein

2012 begann die Entwicklung des Leitbilds. Grundlage waren die Ergebnisse einer City-Analyse und Bürgerbefragung, die der Einzelhandelsverband und die IHK durchgeführt hatten.

Anhand von vielen Internetauftritten zeigt Jung, dass es engagierte Vereine und Organisationen gibt. Die Farbe „Grün“ und das Seerosenblatt sind oft zu sehen. Dazu Jung: „Alle sagen, wir sind Hüls, doch jeder agiert auf seine Art und Weise. Das muss wie in einem großen Unternehmen geordnet werden, um eine eigene Marke zu entwickeln.“

Die Administrative sei überfordert, die Menge an Meinungen zu bewerten. Zumal zunehmende Handlungsanforderungen mit immer weniger Mitteln einhergingen. Dabei sei es wichtig, mit einer Stimme zu sprechen, aber nicht jedem das Gleiche zu sagen, um die Bürger zu mobilisieren, Neubürger zu gewinnen, Besucher anzulocken und das lokale Geschäft zu stärken, erklärt Jung weiter. Stadt und Land miteinander zu verbinden, sei das, was Hüls besonders macht. Mit „Stadtlandleben“ könne kommuniziert werden.

Nun gilt es, Wege für Organisation und Finanzierung zu finden. Als Dachverein für alle Interessengemeinschaften könnte beispielsweise der Aktivkreis, der Werbering oder ein völlig neuer Verein agieren. Jung: „Ohne Spenden oder Aktivbeiträge wird es nicht gehen.“ Die Besucher ließen den Vortrag zuerst einmal sacken, wollen überlegen und sich in einigen Wochen zur nächsten Runde treffen.

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