Der 79-jährige Jagdaufseher Wilhelm Ellmann wurde von Wilderern im Hülser Bruch erschossen.

Durch den markanten weißen Bart war Ellmann in Hüls bekannt.
Durch den markanten weißen Bart war Ellmann in Hüls bekannt.

Durch den markanten weißen Bart war Ellmann in Hüls bekannt.

An einem Sonntag wurde Privatförster Wilhelm Ellmann im Hülser Bruch ermordet. (Fotos (2): Jürgen Schram)

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Durch den markanten weißen Bart war Ellmann in Hüls bekannt.

Krefeld. Es geschieht an einem Sonntagmorgen. Der lautstarke Hall mehrerer Schüsse durchbricht die Stille im Hülser Bruch. Drei Jagdaufseher sind gleich ganz Ohr. Sie wissen: Es können nur Wilderer unterwegs sein. Deshalb beschließen sie, die Männer zu suchen. Einer der Jäger ist der Privatförster Wilhelm Ellmann. Der 79-Jährige wird die Suche nach den Wilderern mit dem Leben bezahlen.

Es ist 100 Jahre her, dass der in ganz Krefeld bekannte Jagdaufseher Wilhelm Ellmann auf einem Feld durch Schüsse niedergestreckt worden ist. Einer seiner Nachfahren, Prof. Jürgen Schram, Dozent an der Hochschule Niederrhein im Lehrgebiet Instrumentelle und Chemische Analytik, hat die Umstände des Todes in einem Beitrag für "Die Heimat" aufgearbeitet.

Demnach waren die Wilderer, die die drei Jagdaufseher verfolgten, mit Gewehren und Fahrrädern unterwegs, als gegen 6Uhr erstmals Schüsse zu vernehmen waren. Der Jagdhüter Tenberg aus Hüls entdeckte sie zuerst und nahm die Verfolgung auf. Die flüchtenden Wilderer zeigten sich nicht zimperlich und richteten die Waffen auf ihren Verfolger: Drei Schüsse trafen Tenberg in Kopf, Rücken und Beine. Er kam mit schweren Verletzungen davon.

Von diesen Schüssen gewarnt, eilte Ellmann zusammen mit Jagdhüter Hohl vom Bahnhof am Hülser Berg heran, um Tenberg zu helfen. "Nach einem kurzen Feuergefecht gelang es den beiden, zwei der Wilderer zu entwaffnen, während der dritte jedoch fliehen konnte", schreibt Schram. Nach einem kurzen Verhör schrieb Ellmann die Worte "Colonie Repelen" in sein Notizbuch. In diesem Moment fiel aus dem Hinterhalt ein weiterer Schuss, der Hohl traf und diesen schwer verletzte. Ellmann suchte sein Heil in der Flucht, schaffte es aber nicht mehr in die schützende Deckung. Er wurde durch einen Kopfschuss getötet.

Die Polizeispürhunde Roland und Friedel wurden beordert

Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von der entsetzlichen Tat durch die Landschaft: "Ein Jagdaufseher erschossen, zwei schwer verletzt", hieß es später in der Zeitung. "Der da tot auf dem Acker lag, war den Krefeldern gut bekannt. Es war der kinderliebe, immer freundlich und begeistert erklärende Jagdaufseher, der mit seinem markanten weißen Bart zum Hülser Bruch einfach zu gehörte", schreibt Jürgen Schram.

Wilhelm Ellmann wohnte am Albrechtplatz. Zur Flucht in die Natur gab es für den begeisterten Jäger ein Haus am Hülser Berg. Viele der bekannten Honoratioren Krefeld zählte Ellmann zu seinen Freunden.

"Dem hohen Prestige des Forstaufsehers in der bürgerlichen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg stand der Ruf der Wilderer entgegen", führt Prof. Jürgen Schram in seinem Artikel in der "Heimat" an. Seit dem Mittelalter stellten sie mit ihrem Tun die gesellschaftliche Ordnung in Frage.

Die Täter hatten zwei Fahrräder und zwei Gewehre am Tatort zurückgelassen. "Die wirklich wichtigen Spuren aber wurden mit den damaligen ,Hightech’-Methoden gefunden. Aus Hagen wurde der berühmte Polizeispürhund Roland telegraphisch beordert. Aber es war der Krefelder Polizeihund Friedel des Polizeiinspektors Fimmers, der die wichtigen Spuren liefern sollte", so der Autor weiter.

Unter großen Schwierigkeiten nahm er eine Fährte auf und entdeckte neben Hülsen und einem Handschuh schließlich einen zurückgelassenen, durch Fett glasig gewordenen Teil einer Zeitung aus Moers. Sie hatte wohl zum Verpacken von Patronen gedient, und sie wurde zur wichtigsten Spur: Auf ihr stand, mit blasser Schultinte geschrieben, ein Name.

In Verbindung mit der Notiz von Ellmann, dem Hinweis auf die Bergarbeitersiedlung Colonie Repelen, wurden die Täter aus Asberg und Repelen noch am selben Tag gegen 17Uhr gefasst.

Die Männer hatten offenbar versucht, sich durch die Wilderei den Lebensunterhalt zu verbessern. Vermutlich war die Situation außer Kontrolle geraten. Zwei der Täter wurden später in Kleve zu Haftstrafen, der Mörder jedoch zum Tode verurteilt und in Kleve durch das Fallbeil hingerichtet. Es ist überliefert, dass der zum Tode Verurteilte bei seinem letzten Gang noch einem Wächter ein Ohr abgebissen haben soll.

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