Agnes Janssen hat gleich an zwei Tagen im Jahr Geburtstag. Das Jubiläum wird groß gefeiert.

Agnes Janssen hat gleich an zwei Tagen im Jahr Geburtstag. Das Jubiläum wird groß gefeiert.
Agnes Janssen wurde gestern 100 Jahre alt. Sie ist gebürtige Hülserin und lebt heute im Fischers-Meyser-Stift.

Agnes Janssen wurde gestern 100 Jahre alt. Sie ist gebürtige Hülserin und lebt heute im Fischers-Meyser-Stift.

Andreas Bischof

Agnes Janssen wurde gestern 100 Jahre alt. Sie ist gebürtige Hülserin und lebt heute im Fischers-Meyser-Stift.

Krefeld. Agnes Janssen ist ein echtes Original. Nicht nur weil sie in Hüls geboren ist und ihre Heimat nie verlassen hat, sondern auch, wie sie wohl die einzige Krefelderin ist, die an zwei Tagen Geburtstag hat. „Mein Vater hat mich nach meiner Geburt erst am 8. Februar 1917 angemeldet. Dem Amt war das aber zu spät, deshalb haben sie auch den 8. als meinen Geburtstag eingetragen, obwohl ich bereits am 6. Februar geboren bin“, so das Geburtstagskind lachend. In der Tat stehen in Janssens Pässen zwei verschiedene Geburtstage, wie auch Schwiegertochter Rita Janssen bestätigt: „Das Agnes zwei verschiedene Geburtstage hat, ist allerdings erst viel später aufgefallen.“

„Hier bin ich geboren und von hier aus gehe ich auch weiter.“

Agnes Janssen

Zur Feier ihres Geburtstages bekommt Janssen von der Stadt einen farbprächtigen Blumenstrauß. Erkennen kann die Jubilarin diesen allerdings nicht mehr. „Seit anderthalb Jahren sieht sie gar nichts mehr“, erklärt Ria Janssen. Deswegen beschreibt sie ihrer Schwiegermutter den Strauß auch ganz genau. Begonnen hat die Sehschwäche bereits in Janssens 70er Jahren: „Wir waren damals in Bayern im Urlaub und dort habe ich beim Lesen der Zeitung bemerkt, dass ich schlechter sehen konnte“, so die 100-Jährige.

Wieder zurück nach Krefeld ging es zu zahlreichen Ärzten. Die Diagnose war allerdings niederschmetternd, wie Ria Janssen berichtet: „Uns wurde gesagt, dass man nichts mehr machen kann und sie damit leben muss.“ Knapp 30 Jahre konnte die Hülserin immer noch schemenhaft einiges erkennen. Trotzdem war für ihren Sohn, Erich Janssen, nach dem Tod seines Vaters Paul klar, dass seine Mutter in ein Seniorenheim muss. Vor sechs Jahren ist Agnes Janssen dann ins Seniorenheim Fischers-Meyser-Stift gezogen. Ein wahrer Glücksfall, denn das Seniorenheim befindet sich auf der gleichen Straße, auf der Janssen früher gewohnt hat.

Viel kann die Hülserin aufgrund ihrer Blindheit nicht mehr machen: „Ich starre nur an die Wand“, sagt Janssen mit trockenem Humor. Fernsehen oder lesen, alles nicht mehr möglich für die Jubilarin. Umso mehr freut sie sich über die täglichen Besuche ihres Sohnes und seiner Schwiegertochter: „Wenn man sie dann auf früher anspricht, redet sie ununterbrochen“, erzählt Ria Janssen. Geistig ist die 100-Jährige noch sehr fit. Gerade deshalb würde sie sich auch sehr darüber freuen, noch einmal alte Klassenkameraden zu treffen. Diesen Wunsch kann ihr Sohn Erich ihr aber leider nicht mehr erfüllen: „Die sind mittlerweile leider alle gestorben. Sie ist die letzte Mohikanerin“, so Erich Janssen schmunzelnd.

Zum Geburtstag gibt es für Agnes Janssen aber trotzdem etwas Abwechslung: Zu einem Glas Sekt sagt die Hülserin ebenso wenig nein, wie zu den vielen Gratulanten. Damit es für sie aber nicht zu viel wird, wurde die Feier aufgeteilt: „Die große Party wird am Mittwoch stattfinden. Dann kommen circa 40 Verwandte und Bekannte und es wird gefeiert“, erklärt Ria Janssen. Für die Jubilarin ist das eine schöne Abwechslung. Wichtig ist ihr aber vor allem, dass sie noch genau dort lebt, wo sie auch aufgewachsen ist: „Hier bin ich geboren und von hier aus gehe ich auch weiter.“ Ein echtes Hülser Original eben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer