Alle Blicke gehen nach oben, wenn der Heilige vom Kirchturm winkt. Der Brauch begleitet viele ein Leben lang.

Nikolaus steigt vom Kirchturm in Hüls
Unzählige Hülser sind zum Marktplatz gekommen, um den Nikolaus (l.) und seine Helfer zu erleben.

Unzählige Hülser sind zum Marktplatz gekommen, um den Nikolaus (l.) und seine Helfer zu erleben.

Jochmann, Dirk (dj)

Unzählige Hülser sind zum Marktplatz gekommen, um den Nikolaus (l.) und seine Helfer zu erleben.

Krefeld. Um Punkt 16 Uhr fangen die acht Glocken des „Hülser Doms“ an zu läuten. Da ist auf dem Marktplatz schon längst kein Zentimeter Platz mehr frei. Unter dem 66 Meter hohen Turm der Kirche herrscht Festtagsstimmung.

Unzählige Hände winken zurück, wenn der Heilige grüßt

Beate Tümmers kommt seit 48 Jahren zum Marktplatz, um sich die Ankunft des Nikolauses anzusehen. „Das ist bei uns einfach Tradition – mit oder ohne Kinder. In Uerdingen kommt er mit dem Schiff, bei uns kommt er von oben“, sagt sie. Und nur einen Augenblick später grüßt der Heilige Mann auch schon vom Kirchturm. Unzählige junge und alte Hände winken zurück oder zücken das Smartphone, um den Moment festzuhalten, während der Heilige Mann mit dem roten Gewand auf dem Turm seine Runden dreht.

Die Augen der Kleinsten werden noch größer, wenn der Hülser Nikolaus mithilfe einer Seilwinde seinen mit Stofftieren versehenen Sack voller Gaben herunterlässt. Fleißige Helfer der Feuerwehr nehmen den prall gefüllten Beutel entgegen, um ihn zu dem geschmückten Wagen zu bringen, mit dem der Heilige später in Richtung Rathaus fahren wird.

Zunächst richten sich alle Augen auf das Kirchenportal. „Bis er runterkommt, dauert es noch etwas“, beruhigt ein Großvater den Nachwuchs, der es nicht mehr abwarten kann. Währenddessen zieht es immer mehr Kinder an die Absperrung, um den Mann mit dem roten Umhang und dem wallenden weißen Bart aus der Nähe zu erleben. Auch wenn sich nicht alle bis ganz nach vorne trauen. „Ich saß früher immer nur bei meinem Opa auf dem Schoß, weil ich so Angst vor Zarras hatte“, erzählt Anne Lentjes.

Zarras hat an diesem Tag den Weg nach unten am schnellsten gefunden. Er hat die Aufgaben, die andernorts Knecht Ruprecht wahrnimmt. Auch die dreijährige Tochter von Anne Lentjes traut dem ganz in schwarz gekleideten Mann mit der Rute über den Weg. „Sie wollte jetzt auch nicht näher ran“, sagt ihre Mutter. Freundlicher sieht da Nikodemus aus, der dem Nikolaus etwa beim Verteilen der Gaben hilft.

„Das gehört einfach dazu, und ich bin froh, dass ich diese Tradition jetzt an meine Tochter weitergeben kann.“

Simone Jansen aus Hüls

Brauch Seit 1923 kommt am Vorabend des Nikolaustages der Heilige Mann mit seinem Gefolge nach Hüls.
Kolpingsfamilie Die Kolpingsfamilie organisiert den Termin. Sie versteht sich als Weg-, Glaubens-, Bildungs- und Aktionsgemeinschaft. Sie ist Teil des Kolpingwerkes Deutschland, einem Verband mit rund 270 000 Mitgliedern in 27 Diözesanverbänden.

Ganz nah ran hat sich die zweieinhalb Jahre alte Josefine getraut. „Sie hat gerade dem Nikolaus die Hand gegeben. Das hat sie sich letztes Jahr noch nicht getraut“, sagt Simone Jansen, die sichtlich stolz auf ihren Nachwuchs ist. Als geborene Hülserin komme sie seit fast 39 Jahren zum Marktplatz, wenn der Nikolaus vom Kirchturm steigt. „Das gehört einfach dazu, und ich bin froh, dass ich diese Tradition jetzt an meine Tochter weitergeben kann“, sagt Jansen.

Tradition ist auch, dass es zum Schluss in Richtung Rathaus geht. Dort tragen weitere mutige Kinder dem Nikolaus Lieder vor und der Heilige Mann verteilt zusammen mit seinen Helfern seine Gaben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer