Thorsten Obst kommt aus Jüchen und stammt aus einer Bäcker-Familie. Er meint, der Zölibat solle freiwillig sein.

wza_933x1500_697981.jpeg
Thorsten Obst ist der neue Kaplan der St. Cyriakus Kirche in Hüls.

Thorsten Obst ist der neue Kaplan der St. Cyriakus Kirche in Hüls.

abi

Thorsten Obst ist der neue Kaplan der St. Cyriakus Kirche in Hüls.

Krefeld-Hüls. Thorsten Obst ist der neue Kaplan an St. Cyriakus. Ostern empfing er die Priesterweihe. Danach feierte er seine Primiz, seine erste Messe, am Heimatort Jüchen-Hochneukirch. In Hüls wohnt er erst seit kurzem. Doch hat Obst schon einen guten und umfassenden Eindruck von seiner Arbeit gewonnen. Allein neun Hochzeiten stehen bis September in seinem Terminkalender. An Arbeit mangelt es also nicht. "Ich bin selbst gespannt und offen für alles, was mich hier in den nächsten vier Jahren erwartet", sagt er.

Obst war lange nicht sicher, ob der Priesterberuf der Richtige für ihn ist

Obst ist bereits 39 Jahre alt. Es gibt jüngere Kapläne. Doch der Geistliche hat sich die Entscheidung, Priester zu werden, nicht leicht gemacht. "Ich wusste nicht, ob ich dem Beruf gerecht werde. Sollte ich vielleicht doch heiraten?", fragte er sich damals. "Es war ein inneres Abwägen zwischen Familie und Kirche." Während er seine Diplomarbeit schrieb, hat sich der Priesterkandidat deshalb beurlauben lassen.

Dass der Vater krank wurde, kam hinzu. In der elterlichen Bäckerei hat Obst dann den Part des Geschäftsführers übernommen und oft auch die Brötchen, die sein Bruder buk, ausgefahren, bis er sich dann doch wieder in Aachen meldete. Jetzt steht seine Doktorarbeit mit dem Titel "Das Heilige und das Denken" kurz vor der Veröffentlichung.

Obst denkt, dass sich die Glaubenslehre verändern, dass es die klassische Volkskirche in 20 Jahren nicht mehr geben wird. "Wallfahrten, wie ich sie gerade mit Pfarrer Paul Jansen und anderen Gläubigen nach Kevelaer unternommen habe, werden seltener", prophezeit er. "In Zukunft wird es wichtig sein, Grundkenntnisse zu vermitteln." Kirche müsse den Menschen Räume und Anlaufpunkte geben, damit sie bleiben können, wie sie sind. "Sie müssen zu Fehlern und Stärken stehen können, sich nicht verstellen müssen."

Zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche sagt er, dass sie in allen Berufsgruppen vorkommen, die mit Kindern zu tun haben. "Es werden Leute angezogen, die so veranlagt sind. Vor ihrer Einstellung muss genau geprüft werden. Der moralische Anspruch ist hoch." Seine Meinung: "Ich wäre nicht böse darüber, den Zölibat freizustellen."

Noch steht ein letzter Umzugskarton in der Wohnung an der Fetten Henn, das Sofa fürs Wohnzimmer wurde noch nicht geliefert. Vorhanden ist bereits der bequeme Sessel, in dem Thorsten Obst am liebsten religionsphilosophische Werke oder "Herr der Ringe" liest oder Rock hört: Pearl Jam, U2 und Metallica gehören dazu. Ein Wehrmutstropfen: Der 195 Zentimeter große Mann vermisst ein wenig seinen Hund Dojo, der als Familienhund in Jüchen zurückgeblieben ist und mit dem er lange Spaziergänge unternahm. Doch Dojos Napf steht schon für Besuche auf der Terrasse in Hüls parat.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer