Wer bei der Familie Beinecke aus der Tür geht, muss sich vor Autos in Acht nehmen.

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Bianca Beinecke muss nach Autos Ausschau halten, bevor sie ihr Haus am Boomdyk verlässt.

Bianca Beinecke muss nach Autos Ausschau halten, bevor sie ihr Haus am Boomdyk verlässt.

Andreas Bischof

Bianca Beinecke muss nach Autos Ausschau halten, bevor sie ihr Haus am Boomdyk verlässt.

Krefeld. 30 Zentimeter – breiter ist der Bordstein vor dem Haus der Familie Beinecke in Hüls nicht. Wer einen großen Schritt durch die Tür nach draußen macht, steht mitten auf der Straße. „Man kann nicht mehr raus, ohne fast angefahren zu werden“, sagt Bianca Beinecke (41). Gerade um ihren fünfjährigen Sohn Werner mache sie sich Sorgen. Der darf ohne seine Eltern nicht mehr vor die Tür. Neulich sei das Kind beinahe von einem Lkw erfasst worden, berichtet die Mutter: „Dabei wollte er nur eben den Kopf aus der Tür stecken, ob der Weg auch frei ist.“

Die Situation an der Straße Boomdyk ist absurd. Da ragt ein Gebäude mit der Vorderfront in die Fahrbahn hinein, als wäre es von einem Riesen aus der Häuserreihe geschoben worden. Der Bürgersteig ist durch den Bau unterbrochen, die Regenrinne hängt fast über der Straße, weshalb sie nach einer Zählung der Beineckes schon siebenmal von Lastern gerammt wurde.

Wie sieht der Alltag in so einem Haus aus? Ulrich Beinecke (56) schläft nach eigener Aussage nur unruhig, da die Straße, auf der Tempo 30 gilt, nachts zu allem überfluss auch noch als „Raserstrecke“ missbraucht werde. Mit dem Kinderwagen traute sich seine Frau früher nur durch den Garten nach draußen.

Seit 2010 ist der Boomdyk keine Einbahnstraße mehr

2005, als die Krefelder das Grundstück gekauft hatten, sei die Welt am Boomdyk noch in Ordnung gewesen. Auch damals wirkte der Bau schon wie ein Fremdkörper, allerdings galt damals noch eine Einbahnstraßenregelung. Erst 2010 änderte sich das. „Da fing alles an“, berichtet Beinecke. Der Begegnungsverkehr sei nämlich das Problem. Wenn zwei Autos umeinander herum rangieren und dabei gefährlich nah an der Haustür der Bei-neckes vorbeifahren, werde es regelmäßig brenzlig. Zudem sei jetzt einfach mehr los auf der Straße.

Die Stadt dürfte für das Problem der Hülser Familie wenig Verständnis haben. Ginge es nach ihr, wäre das unbequeme Bauwerk schon längst weg. Das alte Haus ragt nämlich ganz offiziell drei Meter in die festgesetzte Verkehrsfläche. Stadt-Sprecherin Angelika Peters sagt: „Es besteht ein öffentliches Interesse daran, dass die Verkehrsfläche auch als solche genutzt wird.“

Beineckes wollen die Einbahnstraße zurück

Doch die Beineckes wollten sich nicht verscheuchen lassen. Nach eigener Aussage haben sie ihr jetziges Heim 2005 vor Gericht von der Stadt erstritten, die schon damals vorgehabt haben soll, das Haus abzureißen. Die Verwaltung möchte das nicht kommentieren und verweist auf „geschützte Daten aus privaten An- und Verkaufsgeschäften“.

Aus Sicht des Paares muss nur die Verkehrsführung wieder geändert werden, um die Lage zu entschärfen. Über den AfD-Politiker Wolfgang Eitze soll dieser Vorschlag jetzt den Weg in die kommende Bezirksvertretung finden. Das Ziel: Eine Einbahnstraßenregelung am Boomdyk und Am Porthspick zu erreichen, so dass der Verkehr ringförmig in einer Richtung durchs Viertel geführt werden würde.

Fraglich ist, was die politischen Vertreter in der Bezirksvertretung Hüls und die betroffenen Anwohner zu diesem Ansatz sagen. Die Stadt jedenfalls sieht derzeit keinen Handlungsbedarf. Auch aus Sicht der Polizei ist die Straße Boomdyk weder Raser- noch Unfallschwerpunkt. Zuletzt kontrollierte sie hier am 26. August den Verkehr. Von 71 Autos waren nur zwei leicht zu schnell unterwegs.

Bis die Politik eine Entscheidung trifft, putzt Bianca Beinecke wohl auch weiterhin nachts die Fenster. Von außen sei das sonst nicht möglich, ihr würden die Autos den Eimer umfahren.

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