Nach drei Stunden stand der neue König fest. Derweil wurde schon auf der Kirmes gefeiert.

Krefeld-Fischeln. Was in Köln der Rosenmontagszug, ist in Fischeln das Schützenfest. Und in diesem Jahr, dem 559. Jahr des Bestehens der Bürger-Schützen-Gesellschaft, stand das Königs-Vogelschießen auf dem Programm. Gegen 18.30Uhr hatte am Samstag Thomas Schlösser von der Anrather Straße den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen.

Zugegeben, ein wenig "vorbereitet" war das schon, und nur noch Kenner der Vereinsgeschichte wissen von einem glücklichen Schützen zu berichten, der nach Hause läuft und seiner überraschten Ehefrau zuruft: "Zieh Dir was Nettes an, Du bist gerade Schützenkönigin geworden!"

Das Spektakel hatte um 15.30Uhr am so genannten Schützendreieck auf der Dohmen-, Sassen- und Willicher Straße begonnen. Dort unterm Schützenbaum trafen sich die 31 Kompanien und zogen in einem kleinen Festzug mit Musik und stolz geschwellter Brust zum Marienplatz. Präsident Benedikt Lichtenberg strahlte, als die schmucken Schützen an ihm und den Ehrengästen vorbei defilierten und das große Festzelt bevölkerten.

Auf der Fischelner Kirmes duftet es nach Pflaumenkuchen

Da hatten die Schießmeister das Gewehr schon auf den von Hans-Joachim Knetsch geschaffenen schmucken Holzvogel gerichtet. Den ersten Schuss, so will es die Tradition, tat dann der abtretende König Daniel Frenkler. Und schnell war er mit dem Ruf "Der König ist tot" Vereinsgeschichte.

Die königlose Zeit dauerte dann nur drei Stunden, bis Thomas Schlösser den Marschallstab vom Vogel schoss und mit dem Ruf "Es lebe der König" willkommen geheißen wurde. Mit seinen Ministern Helmut Hannappel und Henk Kox und deren Ehefrauen Monika und Barbara war er dann bereits um 20 Uhr beim Krönungsball im Festzelt aufgezogen und präsentierte sich dem jubelnden Volke. Dabei half ihm die Rhein-River-Band.

So heißt der Pflaumenkuchen in Mundart. "Ene Suomer ohne Schlaat, ohne echte Prumetaat, es suo joot wie janz verreäjend, wie en Landschaff ohne Jeäjend. Prumetaat jövvt jo-e Senn, Dooe send Vitamine dren. Die es däftiger wie Moppe on die brucks de net tu zoppe." So lautet die erste Strophe eines Mundartgedichtes von Willy Hermes.

Hans-Joachim Knetsch hat nicht nur den Fischelner, sondern auch den großen hölzernen Vogel geschaffen, der beim Stadt-Schützenfest eingesetzt und dessen Abschuss den Stadtschützenkönig ermitteln wird.

Das Schützenfest ist nach alter Tradition eingebettet in die Fischelner Kirmes auf dem Marienplatz. War es einst die Frühjahrs-, ist es seit vielen Jahren die Herbstkirmes, auch Prumetaat-Kirmes genannt. Diese war durch Bezirksvorsteherin Doris Nottebohm eröffnet worden. Nicht ohne den Anstich einer großen "Taat".

Einige ältere Fischelner schwärmten beim ersten Rundgang auch noch vom früher in fast allen Familien üblichen Kirmesessen. Dann kamen die "armen Städter" aus Krefeld und bekamen bei ihren Fischelner Verwandten deftige bäuerliche Speisen. Und vielfach konnten sie nach deren Genuss das Wort "satt" auch noch steigern: satt - püsterich - puupsatt.

Der Kirmesbetrieb mit Kleingeschäften, Imbiss- und Getränkeständen sowie der Raupe dauert noch bis heute Abend. Und das neue Königspaar freut sich bereits jetzt auf den großen Festumzug 2011.

Aber vorher geht’s am kommenden Wochenende noch zum Stadt-Schützenfest im Stadtgarten. Bis dann müssen die Uniformen wieder auf Vordermann gebracht sein.

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