Kirche mal anders: Zu Schlagern wie „Ein Freund, ein guter Freund“ feiern hunderte Menschen in der Gemeinde Herz-Jesu.

Volle Kirchenbänke: Die Pink Propellers lieferten beschwingte Versionen bekannter Schlager.
Volle Kirchenbänke: Die Pink Propellers lieferten beschwingte Versionen bekannter Schlager.

Volle Kirchenbänke: Die Pink Propellers lieferten beschwingte Versionen bekannter Schlager.

A. Bischof

Volle Kirchenbänke: Die Pink Propellers lieferten beschwingte Versionen bekannter Schlager.

Krefeld. Ein seltenes Bild: Wer kurz vor Beginn des Gottesdienstes in der Gemeinde Herz-Jesu noch einen Sitzplatz ergattern will, hat Pech. Am Mittwoch zur besten Sendezeit ist das Gotteshaus der Königshofer Gemeinde voll.

Gemeindereferentin Anne Hermanns-Dentges und Kaplan Marc Kubella haben zum Schlagergottesdienst mit Live-Musik geladen. „Das ist der absolute Renner, einfach sensationell“, sagt Hermanns-Dentges. So viele Stimmen haben schon lange nicht mehr das „Vater unser“ in Königshof erklingen lassen.

„Schlager lassen uns von Dingen träumen, die oft unerreichbar sind.“

Marc Kubella, Kaplan

Schnell wird klar: Auch in einem Gottesdienst darf leicht mitgeschunkelt und laut geklatscht werden. Monotones Herunterbeten biblischer Verse gibt es nicht – stattdessen einen schwungvollen Einstieg und ja, fast Volksfeststimmung.

Der musikalische Gast des Abends passt wie die Plattenspielernadel auf das Schlager-Vinyl des Kaplans, der bei der Vorbereitung viele alte Scheiben durchgehört hat. Die Krefelder A-Capella-Gruppe Pink Propelers liefert beschwingte Vertonungen bekannter Schlager- und Popstücke.

Am Anfang gibt es ein Quiz zu bekannten Schlagertiteln

Doch bevor es richtig losgeht, ist noch Zeit für ein kleines Schlagerquiz. „Als gute Katholiken werden sie die folgenden Textzeilen vollenden können“, sagt Hermanns-Dentges und gibt Anfänge bekannter Schlagerhits von Udo Jürgens oder Tony Marshall zum Besten. Die Gemeinde hat ihre Hausaufgaben gemacht und vollendet einstimmig und textsicher Zeilen wie „Ich war noch niemals in . . .“.

Der Schlagergottesdienst fand im Rahmen von „Kirche im neuen Format“ statt. Einer Kooperation der Pfarrbüros Maria Frieden und Heilig Geist. Die Initiatoren Marc Kubella und Anne Hermanns-Dentges wollen mit zeitgemäßen Gottesdiensten neue Anreize schaffen.

Der nächste besondere Gottesdienst findet am sechsten November um 20 Uhr in der Trauerhalle des Fischelner Friedhofs statt. Unter dem Titel „Der Traum vom ewigen Leben“ wird es um das Thema Tod gehen.

Nachdem der gemeinsame Kenntnisstand abgeglichen wurde, ist es Zeit, sich der theologisch-musikwissenschaftlichen Frage des Wortgottesdienstes zu stellen. Was haben Schlager und der christliche Glaube gemeinsam und welche Unterschiede gibt es? Im Laufe des Abends verbinden Hermanns-Dentges und Kubella einen klassischen Wortgottesdienst mit modernen Elementen. „Wir wollen mit diesem neuen Format das Evangelium zeitgemäß und in einer Sprache, die jeder versteht transportieren“, sagt Hermanns-Dentges.

Das innige Sehnen des Menschen nach Freundschaft und Glück

Gekonnt wechseln sich theologische Betrachtungen und passende musikalische Darbietungen ab. Schlagertexte drücken, wie die Veranstalter betonen, die innigsten Wünsche des Menschen aus, das Sehnen nach Freundschaft, Glück und Partnerschaft.

„Sie lassen uns oft von Dingen träumen, die unerreichbar sind“, sagt Kaplan Kubella, bevor er die Pink Propellers „Ich wär’ so gerne Millionär“ von den Prinzen anstimmen lässt.

Der Glaube an Gott könne hingegen als unzerbrechliche Freundschaft begriffen werden – und die Propellers spielen „Ein Freund, ein guter Freund“ aus dem Filmklassiker „Die Drei von der Tankstelle“.

Sowohl Schlager als auch die Bibel geben sich nicht mit den teils ermüdenden Dingen des Alltags zufrieden: Doch das Buch der Bücher rede nicht vom Wünschen, es spreche vom Segen, der die Kraft gebe, die Welt und sich selbst mit anderen Augen zu erleben. „Christen sehen die Welt manchmal mit göttlichen Augen – eine ,Wonderful World’, sagt Kubella.

Spätestens da wird klar: Bedächtige Stimmung lässt sich nicht nur mit Orgelstücken erzeugen. Sie entsteht auch, wenn die Pink Propellers „What a Wonderful World“ anstimmen, inklusive wunderbar einfühlsam grummelndem Bariton. Da dürfte auch Traditionalisten klar gewesen sein: Gott ist auch im Pop zu finden – und mehr Pep schadet der Kirche nicht.

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