Messungen am Tag gegen den Lärm an der Kölner Straße. Anwohner enttäuscht von der Politik: „Müssen auf den Tisch hauen“.

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Lärmmessung mit Bernd Driesen und Rainer Schütt (Fischelner Bürgerverein) mit den klagenden Anwohnern Günter und Rosemarie Seidel sowie Udo Bohn vom Ingenieurbüro Driesen und Optiker Ralf Krischer (Werbering).

Lärmmessung mit Bernd Driesen und Rainer Schütt (Fischelner Bürgerverein) mit den klagenden Anwohnern Günter und Rosemarie Seidel sowie Udo Bohn vom Ingenieurbüro Driesen und Optiker Ralf Krischer (Werbering).

Dirk Jochmann

Lärmmessung mit Bernd Driesen und Rainer Schütt (Fischelner Bürgerverein) mit den klagenden Anwohnern Günter und Rosemarie Seidel sowie Udo Bohn vom Ingenieurbüro Driesen und Optiker Ralf Krischer (Werbering).

Krefeld. Alarm! Fischelner Rentner radikalisieren sich. Schuld ist der brutale Lärm an der Kölner Straße. Fast an die 90-Dezibel-Grenze schlägt das Messgerät vor Haus Nummer 526 aus, wenn ein Laster durch die Hauptstraße im Krefelder Süden donnert.

Ralf Krischer ist Inhaber des Optiker- und Hörgerätefachgeschäftes in diesem Haus. Zusammen mit Bernd Driesen, Sachverständiger für Lärmbekämpfung, haben er mit dem Werbering und dem Bürgerverein zu einer Aktion zum bundesweiten "12. Tag gegen Lärm" aufgerufen.

Am Informationsstand ist ein hochempfindliches Mikrofon in etwa zwei Meter Höhe angebracht, das seine Lärm-Informationen an einen Laptop weitergibt. Die Belastungen sind dort plastisch in Kurven abzulesen. Bernd Driesen: "Im Tagesmittel liegt die Kölner Straße bei 70 Dezibel, dB(A). Spitzenwerte erreichen aber auch schon mal 90." Zum Vergleich: Für neue Autobahnen sind Tagesrichtwerte nicht über 59 Dezibel vorgeschrieben."

Am lautesten ist es rund um das Rathaus

In einer farbigen Grafik weist Bernd Driesen nach, dass besonders der Bereich rund um das Rathaus in Fischeln betroffen ist. Dort sind Werte von deutlich mehr als 80 Dezibel keine Seltenheit. Dazu kommt auf der Route Modru 4T etwa alle zehn Minuten ein Flieger, der rund 64 Dezibel beiträgt.

Reiner Schütt ist Vorsitzender des Bürgervereins und arbeitet in der Sparkasse einige Häuser weiter: "Es ist manchmal so laut, dass ich im Büro nicht telefonieren kann. Wir müssen immer wieder die Finger in die Wunde legen." Zu den Kommunalpolitikern, gleich welcher Partei, hätten die Bürger in Fischeln längst kein Vertrauen mehr. Schütt: "Ich weiß nicht warum, aber ich glaube, dass die Politik den Verkehr gar nicht ’runter haben will von der Kölner Straße."

"Die Umgehungsstraße werde ich wohl nicht mehr erleben"

Rentner Jürgen Günther, der im Haus Nummer 520 wohnt: "So schlimm war’s hier noch nie, besonders nachts." Eine Umgehung, seit Jahrzehnten im Gespräch, "werde ich wohl nicht mehr erleben". Rosemarie und Günther Seidel von Haus-Nummer 582 klagen: "20000 Fahrzeuge täglich muss diese schmale Straße verkraften. Es ist einfach nicht mehr auszuhalten." Die Aktion mit der Messsung sei zwar gut, aber es müsste mehr geschehen.

"Wir müssen mal richtig auf den Tisch hauen", meint Günther Seidel. Seine Frau wäre sofort mit dabei. Und auch Jürgen Günther will den Politikern mal zeigen, "wo es langgeht". Hinter vorgehaltener Hand fragt Rosemarie Seidel: "Wie macht man so was denn?" Das Wort Lärm stammt nach dem Internet-Lexikon Wikipedia übrigens vom italienischen all’arme, "zu den Waffen".

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