Zum 100. Geburtstag des Rathauses erscheinen viele verkleidet.

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Ein feierlicher Moment: Im Ratssaal des 100 Jahre alten Gebäudes fand der offizielle Teil der Veranstaltung statt.

Ein feierlicher Moment: Im Ratssaal des 100 Jahre alten Gebäudes fand der offizielle Teil der Veranstaltung statt.

Dirk Jochmann

Ein feierlicher Moment: Im Ratssaal des 100 Jahre alten Gebäudes fand der offizielle Teil der Veranstaltung statt.

Krefeld-Fischeln. Volksfest bei Kaiserwetter rund ums adrett renovierte Fischelner Rathaus: Nach dem offiziellen Teil der Feier zum 100-jährigen Bestehen im Ratssaal herrscht auf der gesperrten Hafelsstraße tolle Stimmung. Etwas verzögert feuern die Bürgerschützen um 13.08 Uhr den ersten Böller mit der Kanone im Rathausgarten ab. Am Portal erklingt die Königin der Drehorgeln, die 43/86 Harmonipan - mit einer Frau an der Kurbel. Sylvia Vorhaus ist extra aus Mülheim gekommen.

Der älteste Oldtimer ist deutlich jünger als das Fischelner Rathaus

Oldtimer werden bestaunt, selbst der älteste deutlich jünger als das Ratshaus, ein Dodge open Tourer aus dem Jahr 1927. Viel bestaunt auch das 59er-Mercedes-Cabrio 220 S von Ratsherr Theo Wirtz, der im Gehrock und mit Vatermörder-Kragen daneben steht. Im Archivkeller findet die Ausstellung "Fischeln früher und heute" Aufmerksamkeit. Für drei Euro gibt es das Hundert-Jahre-Bierglas zu kaufen.

Überhaupt ist fast die gesamte Bezirksvertretung in der Mode der Jahrhundertwende gewandet. Einschließlich Oberbürgermeister Gregor Kathstede kommt die Gesellschaft stilecht im 110 Jahre alten "Blauen Enzian", der historischen Straßenbahn, vor das Rathaus angefahren.

Dort werden sie vom Bezirkspolizisten Klaus Stoffels in kaiserlicher Uniform mit Pickelhaube und Säbel begrüßt. Auch der fast 83-jährige Alt-Bürgermeister Willi Wahl ist unter den Besuchern, dazu frühere Bezirksvorsteher Fischelns. Und natürlich ist alles vertreten, was in Fischelns Vereins- Geschäfts- und sonstigem Leben Rang und Namen hat.

In seinem Rückblick auf 100 Jahre und 71 Tage Rathaus löst Kathstede bei den Gästen Schmunzeln mit Blick auf die Kölner Straße aus. Bei der Eingemeindung 1929 hätten Krefelds Stadtväter leichtfertig zugesagt, die Fischelner Straßen dauerhaft instand zu halten. Auch das Privileg zur Hausschlachtung konnten die Fischelner behalten. Sie mussten nicht zum Schlachthof.

Bezirksvorsteherin Doris Nottebohm besticht in einem prächtigen korsettlosen Reformkleid mit hoher Empiretaille und dazu passendem schwarzen Hut. In ihren Worten richtet sie eine dringliche Bitte an den Oberbürgermeister. Sie freue sich zwar über die Außen-Renovierung, macht aber darauf aufmerksam, dass die einzige öffentliche Toilette in Fischeln im Rathaus beheimatet sei und jetzt auch schon 100 Jahre hinter sich habe. Eine Renovierung wäre ein "zusätzlicher Service für die Schnittstelle zwischen Bürgern und Verwaltung", sagt Nottebohm.

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