Acht Wochen lang ist Bernd Heinrich gewandert. Demnächst will er am Ironman teilnehmen.

Fischeln
Bernd Heinrich in voller Wander-Montur unterwegs auf dem Jakobsweg.

Bernd Heinrich in voller Wander-Montur unterwegs auf dem Jakobsweg.

privat/ Dirk Jochmann

Bernd Heinrich in voller Wander-Montur unterwegs auf dem Jakobsweg.

Krefeld-Fischeln. Laufen, Schwimmen, Krafttraining – Bernd Heinrich ist mit seinen 62 Jahren überaus sportlich aktiv. An sechs Tagen in der Woche trainiert er im Fitness-Studio, geht laufen, radfahren und schwimmen. „Ich bin ein Bewegungsfreak“, sagt der Frührentner über sich selbst. Nur dienstags legt er einen Ruhetag ein. Bereits auf den ersten Blick ist zu sehen, dass er drahtig und durchtrainiert ist. Auch sein Alter von 62 Jahren sieht man ihm nicht an.

Seine Leidenschaft sind Marathon-Läufe. In München, Hamburg, Paris und Rom hat er die Strecke von 42,195 Kilometern hinter sich gebracht. Und auch seine Wander-Tour in vergangenen Jahr ist mit einem Marathon zu vergleichen. Heinrich ist 1600 Kilometer auf dem Jakobsweg durch Spanien, Frankreich und Deutschland gelaufen, sozusagen in die umgekehrte Richtung.

Die Reise beginnt in Sevilla auf der alten Römerstraße Via de la Plata

Bereits vor sechs Jahren bezwang er einen Teil des Jakobswegs in Spanien – rund 520 Kilometer von Burgos nach Santiago de Compostela. „Den restlichen Weg zu wandern habe ich immer im Kopf gehabt in den vergangenen Jahren“, erzählt der sportbegeisterte Rentner. Nun packte er das Projekt an.

Seine Reise begann er in Sevilla. Über die alte Römerstraße Via de la Plata, die über Mérida führte, gelangte er nach Astorga in der Provinz Leon. Von dort aus ging es weiter auf dem Jakobsweg Richtung Norden. Bei Temperaturen von 34 Grad lief er täglich im Durchschnitt 35 Kilometer. „Es gab auch Etappen, die 50 Kilometer lang waren“, erzählt er. Und ausgerechnet nach solch einer Etappe fand er einmal abends keine Unterkunft. „Es war schon spät, es regnete, ich hatte 50 Kilometer in den Beinen, bin Berge hoch und runter gelaufen – und danach gab keine Übernachtungsmöglichkeit.“

Aber die Geschichte nahm ein glückliches Ende: Über Umwege und mit der freundlichen Hilfe von Einwohnern gab es doch noch einen Platz zum Schlafen. „Das ist auch so ein Pilger-Ding. Irgendwie geht es immer weiter. Man soll nie aufgeben“, fährt er fort. Überhaupt hat Heinrich überwiegend gute Erfahrungen gesammelt: „Alle denen ich begegnet bin waren sehr hilfsbereit.“

Wetterfeste Kleidung, Kopfbedeckung, Wanderschuhe und -stöcke und ein geräumiger Rucksack, der gefüllt bis zu 18 Kilogramm wog, gehörten zur Ausrüstung von Bernd Heinrich.
 

Der Ironman Hawaii ist der älteste und auch der bekannteste und spektakulärste Ironman. Seit 1978 wird er jährlich auf der Inselgruppe Hawaii im Pazifischen Ozean ausgetragen.
 

Aber die Reise forderte auch ihren Tribut. Fünf Kilo hat er während dieser Zeit abgenommen. Sein Rucksack hatte im Schnitt ein Gewicht von 18 Kilogramm und scheuerte an seinen Knochen. „Als ich den das erste Mal auf dem Rücken hatte, dachte ich: Du schaffst keine zwei Kilometer“, erzählt er und muss bei der Erinnerung daran lachen. „Man muss gut durchtrainiert sein um so etwas durchzuziehen. Vieles ist Kopfarbeit. Aber der Körper lernt, mit den Schmerzen umzugehen.“

Zu schaffen machte ihm nur sein verbrannter Nacken. „Erschöpft von den langen Fußmärschen war ich aber nicht. Wer fit und gesund ist, dem macht es richtig Spaß.“

Beeindruckende Landschaften und Naturerfahrungen bleiben im Kopf

Sein weiterer Weg führte ihn von Spanien über die Pyrenäen durch Frankreich nach Paris weiter nach Vézelay. In Frankreich wurden erst einmal die Wanderschuhe neu besohlt. 100 Kilometer nach Dijon ist er mit dem Bus gefahren. „Das werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Ich hab für die 100 Kilometer nur einen Euro Fahrgeld gezahlt.“

Auch die beeindruckenden Landschaften und die extremen Naturerfahrungen werden für immer in seinem Gedächtnis bleiben. „Das war zum Teil surreal. Man fragt sich: Bleibt die Welt so, wie sie ist? Hat diese Schönheit in den nächsten Jahren noch bestand?“

Von Dijon aus ging es dann nach Trier, wo seine Odyssee endete. Aber der sympathische Läufer hat keineswegs genug: Seit drei Monaten trainiert er für den Iron-Man auf Hawaii. Wenn er die Qualifikation in Frankfurt übersteht, nimmt er übernächstes Jahr am schwersten Triathlon der Welt teil.

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