Renate Wilkes-Valkyser hat sich mit der Krefelder Spezialität „Bürgerverein“ befasst.

Krefeld. Als Krefelder Spezialität bezeichnet Renate Wilkes-Valkyser die Bürgervereine in der Stadt. Die heute 74-Jährige hat sich mit der Geschichte der Bürgervereine befasst und die Ergebnisse in einem Aufsatz zusammengefasst. In der Schrift „Die Bürgervereine – eine Krefelder Spezialität“ stellt sie fest, dass es in kaum einer anderen Stadt diese Ebene flächendeckender bürgerschaftlicher Aktivität gebe. Warum das so ist, darüber kann auch sie, das erklärt sie selbst, nur spekulieren.

Wer in der Geschichte der Bürgervereine, von denen einige das Jubiläum des 100-jährigen Bestehens schon lange hinter sich haben, blättere, finde meist einen konkreten Tatbestand, der die Gründung der Organisation ausgelöst habe. „Wir lernen daraus, dass das Wort Bürgerinitiative zwar in den 70er Jahren, die Sache selbst aber spätestens im 19. Jahrhundert erfunden wurde“, erklärt sie.

Ein weiteres Motiv für die Gründung von Bürgervereinen sei der Wunsch gewesen, die historisch gewachsene Identität eines Stadtteils zu wahren und zu pflegen. „Ein Fischelner ist eben noch lange kein Hülser. Und ein Verberger will partout kein Inrather sein. Je globaler die Welt wird, desto mehr streben viele Menschen nach einer Alternative, nach Überschaubarkeit“, erklärt sie.

1975 gab es die bisher letzte Gründungswelle

Gleichzeitig attestiert Wilkes-Valkyser in ihrem Aufsatz dem Krefelder, dass dieser gerne „wider den Stachel der Obrigkeit löckt, gleichzeitig aber die Parteien als ungeeignetes Mittel der Verhältnisse ansieht.“

„Je globaler die Welt wird, desto mehr streben viele nach einer Alternative.“

Renate Wilkes-Valkyser

So sei die letzte Gründungswelle von Bürgervereinen auch eine Reaktion auf die „von oben“ inszenierte Installation von neun parteipolitisch besetzten Bezirksvertretungen im Jahr 1975 gewesen. Die sei in einigen Stadtteilen als parteipolitisch gelenkte Bevormundung aufgefasst worden.

Allerdings dürfe dabei nicht übersehen werden, dass es längst nicht allen Bürgervereinen gelinge, die parteipolitische Neutralität darzustellen, die man anstrebe, stellt Wilkes-Valkyser in ihrem Aufsatz fest um gleich hinzuzufügen: „Wie dem auch sei – wenn es die Bürgervereine nicht gäbe, müsste man sie erfinden.“ olf

Leserkommentare (2)


() Registrierte Nutzer