Krefelds Straßen sind eine Katastrophe – das findet zumindest Siegfried Leigraf. Die WZ hat sich mit dem Vorsitzenden der Bürgergesellschaft Mitte auf einen Rundgang begeben.

Krefelds schlechte Straßen bereiten Siegfried Leigraf, dem Vorsitzenden der Bürgergesellschaft Stadtmitte, Kopfzerbrechen.
Krefelds schlechte Straßen bereiten Siegfried Leigraf, dem Vorsitzenden der Bürgergesellschaft Stadtmitte, Kopfzerbrechen.

Krefelds schlechte Straßen bereiten Siegfried Leigraf, dem Vorsitzenden der Bürgergesellschaft Stadtmitte, Kopfzerbrechen.

Andreas Bischof

Krefelds schlechte Straßen bereiten Siegfried Leigraf, dem Vorsitzenden der Bürgergesellschaft Stadtmitte, Kopfzerbrechen.

Krefeld.  Immer mehr Straßen in der Innenstadt sind in einem sehr schlechten Zustand. Regenwasser sammelt sich in ungezählten Schlaglöchern, dort bilden sich Pfützen. Asphalt löst sich und gibt darunter liegendes Pflaster frei. Die Schäden werden oft nur noch ausgebessert. Das hält nicht lange. Doch für mehr fehlt das Geld. Was darauf folgt, ist nicht nur ein kosmetisches Problem. Die Beschaffenheit der viel befahrenen Straßen ist vor allem gefährlich für Fahrrad- und Motorradfahrer, die gezwungen sind, Slalom zu fahren. Wer ein kleines Auto mit schmalen Reifen besitzt, wird gründlich durchgeschüttelt.

Die kaputten Straßen ziehen viele Autos in Mitleidenschaft

Siegfried Leigraf, Vorsitzender der Bürgergesellschaft Stadtmitte, mag beim Rundgang durch die City gar nicht an Frost und Schnee denken. „Die Straßen werden im Frühjahr noch schlimmer aussehen“, befürchtet er. Hinzu kommt: Die maroden Straßen ziehen auch die Stoßdämpfer der Autos in Mitleidenschaft. Die vielen Schlaglöcher beanspruchen die Teile stark und ließen sie schneller verschleißen – so wie Stoßdämpfer. Sind die Teile beschädigt, wirkt sich das auf die Verkehrssicherheit aus. Werden sie nicht rechtzeitig erneuert, verliert das Fahrzeug seine Bodenhaftung.

Beispiele für die maroden Fahrwege gibt es genügend. Der Vorsitzende bemängelt insgesamt „den streckenmäßig furchtbaren Zustand mit viel Flickwerk“. Stellenweise werde nur repariert, die Schlaglöcher mit Asphalt geschlossen. „Das hält nur kurz.“ Nach Kanalbauarbeiten werde nur eine dünne Decke aufgetragen – „und fertig“, moniert er. Auf den Südwall mag Leigraf gar nicht sehen. „Der ist durchgängig schlecht, besonders vor dem Ostwall.“ Auf dem Westwall ist der Gegensatz zwischen gut und schlecht deutlich sichtbar. „Ein Teil der östlichen Fahrbahn – zwischen Linden- und Marktstraße – ist erneuert. Die Fahrbahn wurde sogar abgefräst, da das alte und neue Stück glatt ineinander übergehen“, sagt Leigraf und deutet auf den glatten Asphalt. Dann dreht er sich um: „Aber am schlechtesten Stück Westwall zwischen Südwall und Lindenstraße wurde nichts gemacht.“ Dann zählt er auf: „Die vielbefahrenen Markt- und Breitestraße bekommen immer mehr Schlaglöcher. Wenn es jetzt bald friert, treten noch mehr Schäden auf.“

„Die Straßen werden im Frühjahr noch schlimmer aussehen.“

Siegfried Leigraf, Vorsitzender der Bürgergesellschaft Stadtmitte

Löcher und Flickwerk auch auf der Prinz-Ferdinand-, Jäger-, Lewerenz-, Roß-, Hubertus- und Elisabethstraße. Auf der Steinstraße, Ecke Marktstraße, ist das Pflaster zu sehen, der Asphalt ist weg. Über die Dreikönigenstraße sagt er: „Als in den 90er Jahren der Schinkenplatz umgestaltet wurde, sollte auch der Straßenbelag angepasst werden. Das ist nie passiert.“ Ein Teil der Blumenstraße ist so, wie es sein soll. „Gute Fahrbahn, viel Grün, von Anwohnern gepflegt. Ab Roßstraße, Richtung Westen zum Ring hin, ist wieder alles kaputt.“

Stadtsprecher Manuel Kölker äußert sich hierzu wie folgt: „Der Fachbereich Tiefbau ist seit Jahren bemüht, mit geringen Mitteln die Straßen verkehrssicher zu halten. Für Neubau und Unterhalt bleibt da wenig Geld übrig. Der Straßenzustand ist bekannt. Straßenbegeher sind in regelmäßigem Turnus unterwegs und halten die Schäden fest. Sind diese verkehrsgefährdend, müssen sie gesichert und zeitnah ausgebessert werden. Bilden sie keine Gefahr für den Verkehr, werden sie nur erfasst.“

Einzelne überregionale Programme, aus denen Förderanteile geschöpft werden könnten, gebe es, erklärt er weiter. „Sie sind aber meist an Auflagen wie beispielsweise einen Eigenanteil geknüpft. Wichtig zu wissen: Mittel aus dem Förderprogramm Stadtumbau West sind keine Mittel für den Straßenbau.“ Zu den genannten Straßen sagt er: „Der Westwall wurde in den vergangenen Wochen in den schlechtesten Teilbereichen mit einem Dünnschicht-Kaltbelag erneuert. An der Marktstraße soll zum Anfang dieses Jahres – ausgehend vom Ring und bis hin zum Karlsplatz – mit Kanal- und Leitungssanierungen begonnen werden. Anschließend erfolgt die Straßenwiederherstellung mit geräuschminderndem Asphalt.“ Hier würden Mittel aus dem Kommunalen Investitionsförderprogramm des Bundes genutzt.

An der Lewerentzstraße wird aktuell noch Fernwärme verlegt. Anschließend erfolgt die Straßenwiderherstellung durch die Stadtwerke Krefeld mittels „Kunststopfen“. Gleiches steht für die Elisabethstraße auf dem Plan. Und für die St.-Anton-Straße am Ostwall auch. Dort werden die Leitungen saniert. An der Hubertusstraße passiere nichts. „Die Roßstraße soll im Abschnitt zwischen Lewerenz- und Lindenstraße mit Dünnschicht-Kaltbelag erneuert werden.“ „Keine Sanierung“ heißt es für die Dreikönigenstraße.

Und zum Schinkenplatz: „An der Alten Linner Straße werden Kanal und Leitungen auf kompletter Länge in zwei Bauabschnitten saniert. Zuerst von Philadelphia- bis Nähe Luisenstraße und damit auch Schinkenplatz. Danach Luisenstraße bis Ostwall. Anschließend wird die Straße erneuert.“

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