Die Fraktionen im Rat müssen entscheiden, ob das Stadthaus als Verwaltungssitz saniert und erhalten oder ein Neubau errichtet wird.

Ein architektonisches Highlight ist in die Jahre gekommen: Gutachter halten die Substanz des Eiermann-Baus für sehr gut. Die Fenster sind denkmalgeschützt.  Fotos (2): Andreas Bischof
Ein architektonisches Highlight ist in die Jahre gekommen: Gutachter halten die Substanz des Eiermann-Baus für sehr gut. Die Fenster sind denkmalgeschützt. Fotos (2): Andreas Bischof

Ein architektonisches Highlight ist in die Jahre gekommen: Gutachter halten die Substanz des Eiermann-Baus für sehr gut. Die Fenster sind denkmalgeschützt. Fotos (2): Andreas Bischof

Ein architektonisches Highlight ist in die Jahre gekommen: Gutachter halten die Substanz des Eiermann-Baus für sehr gut. Die Fenster sind denkmalgeschützt. Fotos (2): Andreas Bischof

Krefeld. Die Verwaltung hat offenbar gute Arbeit geleistet – und von Gutachtern leisten lassen: Aktuell zeichnet sich eine politische Mehrheit für die von der Verwaltungsspitze um OB Frank Meyer befürwortete Sanierung des Stadthauses am Konrad-Adenauer-Platz ab.

Die stellvertretende Spitze der CDU-Fraktion, Britta Oellers und Jürgen Wettingfeld, stellte am Donnerstag in einer Pressekonferenz die Gründe für ihre Zustimmung dar. Jürgen Wettingfeld: „Über eine Gesamtinvestition von 140 Millionen Euro entscheidet man nicht mal so eben.“

Die Entscheidungskriterien liegen auf der Hand: Kostensicherheit, eine klare und eindeutige Wirtschaftlichkeitsberechnung, Barrierefreiheit sowie moderne Nutzungs- und Organisationsformen. Im Hinblick darauf hat die CDU den Wust der Unterlagen und Zahlen auf Plausibilität geprüft. Verglichen wurde die Kalkulation für die Sanierung des maroden, aber in Teilen denkmalwerten Stadthauses und seine Nutzung als Verwaltungsbau (Variante 1), und die eines Neubaus am Südausgang des Hauptbahnhofs (Variante 2).

Jürgen Wettingfeld war am Ende beeindruckt: Den Gutachtern und der Stadt lägen mittlerweile Erkenntnisse über den Eiermann-Bau und seine Substanz vor, die vermutlich selbst seinem Architekten – Egon Eiermann – nicht in Gänze bekannt gewesen seien.

Risikopuffer in Kalkulation sind großzügig bemessen

Das ist mehr als eine scherzhafte Bemerkung. Es ist Ausdruck seiner Überzeugung, dass beide Varianten seriös und sehr konkret durchgerechnet seien. Konkret, aber mit Spielräumen. Da setzt die CDU an. In Variante 1 habe man einen hohen „Risikopuffer“ für Kostensteigerungen kalkuliert, mögliche Denkmalfördermittel (rund 300 000 Euro) aber vernachlässigt. Dass aber der Erhalt der denkmalgeschützten Fenster, Wände und Fliesen schon eingepreist sei, sei „ganz wichtig“. Die Planungsphase sei mit zwei Jahren realistisch, sagt Wettingfeld. „Ein Jahr Verzögerung und und die entsprechende Verlängerung der Mietverträge kostet die Stadt knapp vier Millionen Euro.“

Die CDU will, dass ein Generalunternehmer das Projekt umsetzt. Ein ÖPP-Finanzierungsmodell sei geboten, ein Eigeninvest der Stadt angesichts der angespannten Haushaltslage nicht zu stemmen. Die Bedingungen für die Zustimmung der CDU: exzellente Vorbereitung, eindeutige, detaillierte und kompromisslos verbindliche Vertragsformulierungen und Aufgabendefinitionen über Instandhaltung, Schadensfälle etc.. „Danach darf es keine Abweichungen mehr geben.“

Ein Projektteam, das „hart in Verhandlungen auftreten kann“, müsse das Projekt begleiten, die Politik in alle weiteren Schritte eingebunden werden.

Sanierung Stadthaus: Vorbereitung, Ausschreibung, Auftragsvergabe 2017, Baubeginn 2018, Bauzeit zwei Jahre: Betrieb 2020. Die Voraussetzung dafür: Ein Ratsbeschluss im Dezember 2016 – und die Berücksichtigung der Finanzmittel in den aktuellen Haushaltsberatungen.

Für einen Neubau spreche, dass er um 3000 Quadratmeter kleiner ausfallen könnte (21 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche) und mit 57 Millionen Euro zunächst günstiger sei als die Stadthaussanierung (63 Millionen Euro).

„Aber unserer Meinung nach müssen die Leerstandskosten des Stadthauses addiert werden“, erläutert Wettingfeld. 3360 000 Euro jährlich müsse man ansetzen, um das marode und offenbar unverkäufliche Haus zu unterhalten. Und auch vier bis fünf Millionen Euro, die die Stadt durch den Verkauf des Grundstücks am Südausgang des Bahnhofs erwirtschaften könnte, ordnet die CDU Variante 2 zu.

Zeitplan – Fertigstellung 2020 – setzt die Politiker unter Druck

Wettingfeld sieht aber nicht nur Lücken in der Berechnung. Er zweifelt daran, dass der Zeitplan – 2017 Planung, 2018 Baubeginn, 2020/2021 Fertigstellung – bei einem Neubau eingehalten werden kann.

Baurecht müsse noch geschaffen, über die Architektur – außergewöhnlich oder Standard – diskutiert werden, eine Grundsatzentscheidung für einen reinen Verwaltungsbau oder ein Objekt mit Funktion auch außerhalb der Dienstzeiten (Ladenlokal, Gewerbe, Gastronomie) fallen. Das werde erheblich länger als zwei Jahre dauern. „Schon geringfügige Verzögerungen führen aber dazu, dass sich die Kosten für einen Neubau nach oben entwickeln.“

Insofern gibt es für die CDU zurzeit ein klares Votum: für die Sanierung des Stadthauses, die mit geringeren Kostenrisiken behaftet zu sein und wirtschaftlich sinnvoller scheine.

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