Tradition: Das Lokal war Brauerei, wurde zerstört, mehrfach umgebaut und ist nun ein marodes Denkmal.

Tradition
Das „et Broeckske“ aufgenommen am 23. Juni 1943 – , nach dem schweren Angriff (von der Marktstraße).

Das „et Broeckske“ aufgenommen am 23. Juni 1943 – , nach dem schweren Angriff (von der Marktstraße).

Ein Bild aus besseren Tagen: 1969 stellte sich Pächterfamilie Bastian samt Team vor dem Eingang dem Fotografen. Archivfoto

Sammlung Thiel, Bild 1 von 2

Das „et Broeckske“ aufgenommen am 23. Juni 1943 – , nach dem schweren Angriff (von der Marktstraße).

Die Abrissbirne konnte im 175. Jahr nach der Übernahme von „en et Bröckske“ durch Hermann Josef Wirichs, Landwirt und Brauer, im Jahr 1838, verhindert werden. Der Denkmalausschuss beschloss in einer seiner letzten Amtshandlungen die Unterschutzstellung des Gebäudes als Denkmal.

Von wem Wirichs die Gebäude (heute Marktstraße 39-41) gekauft hat und seit wann dort schon Bier gebraut wurde, ist in den Archiven nicht mehr zu recherchieren. Fest steht, dass das ursprüngliche Gebäude beim schweren Bombenangriff auf Krefeld vom 21. auf den 22. Juni 1943 stark zerstört wurde. Aus Augenzeugenberichten geht hervor, dass die gegenüberliegende Häuserzeile von Nummer 34 bis 42 („Lampen Schürmann“) durch einen Volltreffer einer 900-Kilo-Luftmine fast vollständig zerstört wurde. Das „et Bröckske“ wurde von Brandbomben getroffen. Der Saal in der oberen Etage brannte dabei vollständig aus.

Der Wiederaufbau begann 1951 durch den Bauunternehmer und Architekten Hans Schrüllkamp. Das Krefelder Traditionsunternehmen, das 1885 durch Franz Schrüllkamp gegründet wurde, hat sich stark für den Wiederaufbau von im 2. Weltkrieg zerstörten Gebäuden eingesetzt. Schrüllkamp baute und plante Objekte in Krefeld wie den Seidenfaden, Haus Seidel und die Königsburg.

Eine zweite große Renovierung erfuhr die Gaststätte 1969, als die Rhenania-Brauerei rund 350 000 Mark investierte. Unter Leitung des Architekten Paul Hildebrandt wurden moderne Maschinen für Bierkeller, Metzgerei und Küche angeschafft. Eichenholz, Schmiedeeisen und bleiverglaste Fenster bestimmten die Optik des Restaurants mit 250 Plätzen.

Zum Standard der Geschichte des niederrheinischen bzw. Krefelder Brauwesens gehört die Abhandlung der Historiker Christoph Dautermann und Larissa Konze in „die Heimat“ 77/2006. Dort wird die Übernahme der Hausbrauerei als „Geburtsstunde der Krefelder Brauerei Rhenania“ bezeichnet.

Die Umgebung der Lokalität in der alten Krefelder Innenstadt war damals allerdings wenig lauschig. Erreicht wurde es über eine kleine Brücke (Bröckske), die über einen übel riechenden Abwassergraben, den früheren Stadtgraben, führte.

Krefeld hatte um 1835 knapp 22 000 Einwohner. Die Marktstraße bestand aus weniger als hundert Häusern. Es waren die Jahre der siebten Stadtauslage (-erweiterung) durch Baurat Franz Anton Umpfenbach, Nachfolger von Adolph von Vagedes. Letzterer war der „Vater“ der Krefelder Wälle. Die Erweiterung der Stadt nach Westen reichte bis zur Prinz-Ferdinand-Straße in Höhe der Westseite des Stadtgartens, der damals als Friedhof diente. Die Prinz-Ferdinand-Straße bestand (1868) aus fünf Häusern.

Robert Wirichs, Sohn des Gründers, übernahm 1876 die Brauerei von seinem Vater. Rhenania zog 1888, fünfzig Jahre nach der Gründung, aus Platzgründen nach Königshof um. Das Brauhaus im Stadtzentrum aber blieb das Rhenania-Stammhaus. An dem neuen Standort wurden über hundert Jahre lang Alt und Pils und andere Sorten gebraut.

2002 wurde die Bierproduktion eingestellt. Das Rhenania Alt wird seitdem von Krombacher im siegerländischen Eichen bei Kreuztal hergestellt. Vor zehn Jahren, 2003 übernahm eine neue Krefelder Gesellschaft die Anlagen in Königshof. Seither wird dort das „Königshofer“ gebraut. Auch Melcher’s Hell oder Dunkel, das bei Dujardin in Uerdingen ausgeschenkt wird, stammt aus Königshof.

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