Der Baudezernent setzt seine Hoffnungen in den Stadtumbau West. Die Verwaltung will Quartiersmanager einsetzen.

Bauliche Zahnlücken, wie hier am Evangelischer-Kirch-Platz die Rückseite der Hochstraße, bieten städtebauliche Chancen.
Bauliche Zahnlücken, wie hier am Evangelischer-Kirch-Platz die Rückseite der Hochstraße, bieten städtebauliche Chancen.

Bauliche Zahnlücken, wie hier am Evangelischer-Kirch-Platz die Rückseite der Hochstraße, bieten städtebauliche Chancen.

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Bauliche Zahnlücken, wie hier am Evangelischer-Kirch-Platz die Rückseite der Hochstraße, bieten städtebauliche Chancen.

Krefeld. Die Spuren der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg sind auch 65 Jahre nach seinem Ende vielerorts in Krefeld noch zu sehen. Hunderte von hässlichen Bau- und Zahnlücken klaffen bis heute an vielen Straßen. Für die Entwicklung der Stadt wäre deren Bebauung ein wünschenswertes Ziel. Es gibt aber keine rechtliche Handhabe, die Eigentümer zum Bebauen ihrer Grundstücke zu zwingen. Baudezernent Thomas Visser sieht dennoch Möglichkeiten, eingeschossige "Resthäuser" aufzustocken oder Brachflächen neu zu bebauen.

Die meisten brachliegenden Flächen sind in privater Hand

Sein Credo lautet: "Dicke Bretter bohren". Bereits Anfang der 90er-Jahre habe die Verwaltung eine dreiköpfige Mitarbeitergruppe losgeschickt, um Eigentümer gezielt anzusprechen, denn die meisten Baulücken seien in privater Hand. "Einiges wurde anschließend bebaut, doch viel hat sich nicht getan", räumt Visser bedauernd ein.

Das Problem seien oftmals handtuchgroße Grundstücke, die alleine keine rentablen Möglichkeiten böten. Deshalb sei es nötig, die anliegenden Besitzer zusammenzubringen, um gemeinsam eine Bebauung zu überlegen. Die Bereitschaft zu bauen, sei aber auch eine Frage des eigenen Alters und der Rendite. "Viele schrecken in späteren Jahren vor einem solchen Kraftakt zurück." Die Folge: Es passiert jahrelang nichts.

Einen neuen Anstoß könnte eine Studentengruppe der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung geben. Die hat ein Konzept für die "Sinnvolle Schließung von Baulücken im Innenstadtbild von Krefeld" erarbeitet (wie die WZ berichtete) und es inzwischen der Verwaltung und Politik vorgestellt. "Mir gefällt das fantasievolle Herangehen der Studenten und dass sie sich von Zwängen freigemacht haben", sagt Visser. Die Verwaltung wolle deshalb Anregungen aufnehmen.

Statt eines Masterplans bietet der Stadtumbau West konkrete Hilfe

Möglichkeiten dazu bietet das umfangreiche städtebauliche Entwicklungskonzept "Stadtumbau West - Innenstadt Krefeld". Einige Projekte daraus werden in diesem Jahr bereits vom Land bezuschusst. Im nächsten Planungsausschuss will der Baudezernent weitere Projekte für 2011 der Politik vorstellen.

Derzeit sind 1225 Flächen als Wohnbaulücken ausgewiesen. Das geht aus der Kartierung aller im Stadtgebiet vorhandenen Baulücken hervor, die Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung durchgeführt haben.

Ein Großteil der freien Grundstücke verfügt über eine kleinere Quadratmeterzahl. 408 haben eine Größe von 100 bis 300 Quadratmetern, 371 von 300 bis 500 Quadratmetern, 123 von 501 bis 600 Quadratmetern, 127 von 601 bis 800 Quadratmetern, 170 von 801 bis 3000 Quadratmetern. Nur 26 gehören in die Kategorie 3001 bis 99 999 Quadratmeter.

Wer zum Thema Baulücken Fragen hat oder Beratung sucht, kann sich an den Fachbereich Stadtplanung im Stadthaus wenden, Ruf 02151/86-3613 (Herr Eix) oder 86-1729 (Frau Bollmann).

Der aufkeimenden Diskussion über einen Masterplan steht Visser hingegen skeptisch gegenüber. "Ich habe die Sorge, dass dann im Hinblick auf den Stadtumbau West erst einmal gar nichts mehr passiert." Auch würde ein solcher übergeordneter Plan nicht Möglichkeiten der Baulückenschließung aufzeigen, geschweige denn die aktuelle Frage eines Einkaufscenters für die Innenstadt beantworten. Vielmehr sollte eine Stadt aus sich heraus, gemeinsam mit Hauseigentümern und Geschäftsleuten die Eckpfeiler zur Entwicklung der Innenstadt setzen.

Im Hinblick auf Baulücken in Krefeld setzt Visser seine Hoffnungen auf die Immobilien- und Standortgemeinschaften, kurz ISSG genannt. Mit Hilfe des neuen Gesetzes werde die rechtliche Basis dafür geschaffen, dass Einzelhändler und Hauseigentümer in Geschäftsvierteln oder Nebenzentren durch privates und finanzielles Engagement ihr Umfeld selbst aufwerten können. Ein konkretes Beispiel dafür sei die ISSG Behnisch-Haus gewesen, die es inzwischen aber nicht mehr gibt.

In einem weiteren Schritt will die Verwaltung der Politik ein Quartiersmanagement vorschlagen, wie es das bereits in den 90er-Jahren bei der Modernisierung der Süd-West-Stadt gemeinsam mit der LEG gegeben hat. Anwohner haben damals bei einer zentralen Anlaufstelle Anregungen zur Wohnungsmodernisierung und Entkernung der Innenhöfe erhalten. Nur so würden langsam die Spuren des Krieges aus dem Stadtbild verschwinden.

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