Da die Zahl der Entbindungen stark rückläufig war, ist im März Schluss. Die Frauen-Onkologie wird ausgeweitet.

Uerdingen
Die Neugeborenenstation in Uerdingen: Ab April wird kein Babygeschrei mehr durch den Flur tönen. Archiv

Die Neugeborenenstation in Uerdingen: Ab April wird kein Babygeschrei mehr durch den Flur tönen. Archiv

Lothar Strücken

Die Neugeborenenstation in Uerdingen: Ab April wird kein Babygeschrei mehr durch den Flur tönen. Archiv

Krefeld. Das St. Josefshospital Uerdingen schließt zum 31. März 2012 die Klinik für Geburtshilfe: Damit endet eine mehr als 130-jährige Tradition.

Hintergrund der Schließung sind die rückläufigen Geburtenzahlen. Im Jahr 2008 hatte es in Uerdingen noch fast 800 Entbindungen gegeben, 2010 waren es nur noch 625. „Für 2011 rechnet das Hospital mit nur etwa 480 Entbindungen“, erklärt Dr. Jens Westphal, der Ärztliche Direktor. Grund: „Wir verfügen über keine Kinderklinik.“ Sie sei aber für werdende Eltern ein bedeutendes Kriterium bei der Auswahl eines Krankenhauses.

Die Verantwortlichen wollen die Klinik mit der Schließung neu aufstellen und zukunftsfähig machen. Mit dem Ende der Geburtshilfe wird die Klinik für Frauenheilkunde in Bezug auf onkologische Gynäkologie ausgeweitet.

„Es ist die Aufgabe eines Klinikträgers, die medizinischen und therapeutischen Angebote immer wieder auf Qualität und Wirtschaftlichkeit zu überprüfen und diese rechtzeitig an den Bedarf anzupassen“, erläutert Ottmar Köck, Regionalgeschäftsführer der St. Franziskus-Stiftung für die Region Rheinland, die das Haus betreibt. Mit diesen Entscheidungen werde der Standort Uerdingen weiter stabilisiert, das medizinische Angebot verbessert.

Elf Ärzte und neun Hebammen sind betroffen

Mit dem neuen Chefarzt, Professor Björn Lampe, sollen die Möglichkeiten der Krebsbehandlung bei Frauen ausgebaut werden. „Er ist Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Kaiserswerth und gilt als einer der bekanntesten Operateure im Bereich der gynäkologischen Krebsbehandlung in Deutschland“, sagt Thomas Werner, kaufmännischer Direktor. Ein Kooperationsvertrag mit dem Nightingale-Krankenhaus regele die Zusammenarbeit.

Die Geburtshilfe im St. Josefshospital hat eine sehr lange Tradition: Seit 1875 kommen hier Babys zur Welt. Erst seit gut 50 Jahren werden die Geburten im Krankenhaus genau dokumentiert. Seitdem wurden in Uerdingen über 40 000 Kinder geboren.

Während die Zahl der Geburten im St. Josefshospital seit Jahren fällt, nimmt sie im Helios-Klinikum stetig zu. Hauptgrund: Hier gibt es eine Kinderklinik. 2010 kamen im Klinikum 1496 Kinder zur Welt, 94 mehr als im Jahr zuvor.

Betroffen von der Schließung sind neben elf Ärzten neun angestellte Hebammen. Köck: „Wir wollen versuchen, so weit es möglich ist, die Mitarbeiter aufzufangen und ihnen andere Positionen anzubieten, auch in benachbarten Kliniken. Die Kinderkrankenschwestern werden im Haus weiterbeschäftigt.“

„Tief getroffen“ zeigte sich am Mittwoch Uerdingens Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski. „Und ich denke, ich spreche damit für alle Uerdinger.“ Die Schließung sei eine sehr emotionale Sache, denn sie bedeute, dass es künftig keine gebürtigen Uerdinger mehr geben werde. Letztlich habe er sich aber überzeugen lassen müssen, dass es um die Standortsicherung gehe.

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