Die Schäden an den Turnhallen sorgen für noch mehr Ausfälle von Stunden.

wza_1500x1059_552793.jpeg
So viel Spaß kann Sportunterricht machen – wenn er denn stattfindet. (Archiv

So viel Spaß kann Sportunterricht machen – wenn er denn stattfindet. (Archiv

Andreas Bischof

So viel Spaß kann Sportunterricht machen – wenn er denn stattfindet. (Archiv

Krefeld. Zu wenig Sportunterricht an den Schulen - die Landesregierung muss sich neuen Vorwürfen stellen. Drei Stunden schreibt die Koalition für alle Schulformen vor, allerdings werden sie längst nicht immer eingehalten, wie das Ministerium nun einräumt. Das Problem liegt laut Schulministerium weniger beim Lehrermangel - vielmehr fehlten Sportstätten. In Krefeld bekommt das Thema dadurch eine besondere Schärfe, dass nach den Unwettern von Anfang Juli weiterhin einige Hallen nicht nutzbar sind. Bei der Frage, wer für die Überprüfung der erteilten Sportstunden zuständig ist, gehen die Aussagen auseinander. Zunächst verlautet aus der Schulverwaltung eine Bestätigung der Beschwerden. "Die drei Stunden konnten wir nicht einhalten und können es auch in Zukunft keineswegs", bestätigt Stadtsprecher Michael Streubel. Auch deutet er an, der Lehrermangel sei in Krefeld sicherlich ein Teilgrund für den Ausfall. Doch das Hauptproblem liege auch hier beim Hallen-Mangel.

Schulamt weist Aussagen zum Unterrichtsausfall zurück

Vertreter aus der Schulverwaltung richten sich deutlich gegen die Aussagen zum Unterrichtsausfall. "Die Einteilung der Stunden und Lehrer ist Sache der Schulleitung. Den Überblick über die Zahlen zu bewahren ist Aufgabe der Landesregierung", sagt Rainer Hendrichs, Fachbereichsleiter Schule. So lange es von dort keinen Auftrag zur Überprüfung der Schulen gebe, zweifele er nicht an, dass die Rektoren ihre Lehrpläne einhielten. Thomas Breuer, Sprecher des NRW-Ministeriums für Schule und Weiterbildung, weist die Verantwortung zurück. "Wir haben nur die Zahlen für NRW. Das Schulamt der jeweiligen Stadt und die Bezirksregierung müssen selbst koordinieren."

Das Schulministerium räumt ein, dass die drei Pflicht-Wochenstunden im Durchschnitt nicht erreicht würden.

In diesem Schuljahr will das Ministerium die Gründe, die etwa beim Mangel an Hallen liegen könnten, analysieren.

Flächendeckende Ergebnisse einer Überprüfung zum Sportunterricht gebe es nicht. Breuer verweist jedoch auf eine Qualitätsanalyse, die seit knapp drei Jahren an allen Schulen in NRW laufe - erste Ergebnisse seien bald zu erwarten. Zusätzlich sei nun eine Studie zu den Sportstunden angelaufen. Rainer Hendrichs verweist besonders auf die Bemühungen der Stadt, Ersatzlösungen für die Schulen anzubieten, deren Hallen durch das Unwetter unbenutzbar wurden. "Doch ganz reichen unsere Kapazitäten nicht aus." Bei den Rektoren, deren Hallen beschädigt wurden, gehen die Aussagen ebenfalls stark auseinander. Horst Mevißen, Rektor an der Gemeinschaftsgrundschule Grotenburg, sieht keinen Mangel an Sportlehrern. Nur weiß er noch nicht, auf welche Hallen seine Schüler ausweichen können. Für Friedrich Lucas, Leiter des Berufskollegs Glockenspitz, geht dieses Problem noch weiter: "Ich muss meine Lehrer beschäftigen. Wir werden den Theorieunterricht ausweiten." Genau in die andere Richtung gehen die Sorgen von Rolf Neumann vom Gymnasium Moltkeplatz. "Bei uns fallen derzeit sehr viele Kollegen aus." Klemens Seth, Direktor des Gymnasiums Horkesgath, muss den Sportunterricht nicht einschränken - er hat Alternativlösungen gefunden. "Die Nachwirkungen des Hochwassers sind ein temporäres Problem", sagt er. "Was noch bleibt, ist der Lehrermangel. Und der liegt nicht allein beim Sport."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer