Pokalheld Wolfgang Schäfer kommt zum Budenzauber in den König-Palast.
Pokalheld Wolfgang Schäfer kommt zum Budenzauber in den König-Palast.

Pokalheld Wolfgang Schäfer kommt zum Budenzauber in den König-Palast.

Jochmann, Dirk (dj)

Pokalheld Wolfgang Schäfer kommt zum Budenzauber in den König-Palast.

Krefeld. Die Sonne geht unter über Lanzarote. 22 Grad sind es an Neujahr auf der Kanarischen Insel, bestes Wetter, um den Jahreswechsel zu genießen. Das denkt sich auch Wolfgang Schäfer, der Pokalheld des FC Bayer Uerdingen von 1985. Als das Telefon klingelt, geht er trotzdem dran und nimmt sich eine halbe Stunde Zeit. Es geht für ihn schließlich am Samstag in Krefeld wieder ins Rampenlicht. Der heute 58-jährige gebürtige Hesse aus Frankfurt wird für die Uerdinger Legenden beim Budenzauber auflaufen.

Herr Schäfer, sind Sie schon bereit für das Fußballevent am Samstag?

Wolfgang Schäfer: Ich bereite mich hier vor, trainiere. Ich will mich ja nicht blamieren. Ich freue mich, zu kommen und ein paar Minuten helfen zu können. Es geht darum, Spaß zu haben, und mal wieder andere Leute zu sehen. Ich bin 58, aber ich weiß: Wenn ich in der Kabine bin, kann ich mich auch ausziehen. So einen Bauch wie Ailton habe ich noch nicht (lacht). Ich werde beim Abschlusstraining voll mitmachen. Mal sehen, ob sie mich aufstellen. Ich werde nicht über meine Füße stolpern. Zudem kenne ich ja noch frühere Mitspieler wie Herget, Kubik, Buttgereit, Wolfgang Funkel oder Brinkmann.

„Ich kann heute nur noch mit Spritzen leben. Ich habe immer meine Knochen hingehalten, war immer ein Fußball-Verrückter.“

Was machen Sie denn heute?

Schäfer: Ich lebe in Jenbach in Tirol, wo ich zusammen mit meiner Frau eine Fußballschule für Kinder in Buchau betreibe. Ich brauche die Sonne, auch für den Kopf. Dort, wo andere Urlaub machen, regeneriere ich. Die Kinder haben einen Riesenspaß. Meine Frau ist selbst Trainerin in der Schule. Sie ist 44 und topfit. Sie läuft 52 Kilometer durch die Berge. Sie hält mich jung und hilft mir unheimlich. In den Ferien ab April haben wir fast 40 bis 50 Kinder pro Woche in der Schule, aus der Schweiz, England, USA oder Asien. Kinder haben heute doch nur noch Handys in der Hand. Die bewegen sich quasi zweiarmig.

Sie haben 1985 das Siegtor im Pokalfinale gegen Bayern München erzielt, auch im Europapokal gespielt. Wie sehr beschäftigt sie noch die große Zeit als Profi?

Schäfer: „Der Pokalsieg läuft mir noch nach. Die Leute fragen immer noch nach, wie es denn so war. Ich bin jetzt aber im Rentenstand, habe in der Zeit damals zwei schwere Gesichtsverletzungen 1986 und ´87 erlitten, dabei wurde auch ein Nerv durchtrennt. Ich habe das aber nie an die große Glocke gehängt. Ich gehe nicht damit hausieren. Klar ist aber auch: Ich kann heute nur noch mit Spritzen leben. Dazu noch zwei Achillessehnenabrisse, eine Schultereckgelenksprengung. Ich habe immer meine Knochen hingehalten, war ein Fußball-Verrückter. Das würde ich heute nicht mehr machen. Ich lasse mich aber nicht hängen.“

Wie hat sich der Fußball verändert im Vergleich zu damals?

Schäfer: Alles ist nur noch ein Geschäft. Das ist noch viel extremer als früher. Die hohen Ligen kosten noch mehr Geld. Wenn das Geld fehlt, geht es nicht mehr. Darmstadt 98 ist ein Einzelfall. Der Erfolg zählt noch viel extremer als früher. Außerdem gibt es die Straßenfußballer nicht mehr. Profis kommen aus dem Internat. Wir sind früher noch auf der Straße groß geworden. Das Tempo heute ist viel höher. Ein bis zwei Ballkontakte auf engstem Raum, dann weiterspielen. Das können nur wenige. Eines aber ist klar: Der Wolfgang Funkel und ich haben bei Kopfbällen nie die Ellbogen gebraucht. Das ist doch heute ein Mangel an Respekt.

Was sagen Sie denn dazu, dass der KFC, ehemals Bayer Uerdingen, nur noch in der 5. Liga spielt?

Schäfer: Es ist traurig, auch wenn die gerade Tabellenführer sind. Aber wie ich schon sagte, die hohen Ligen kosten sehr viel Geld. Ohne Sponsoren geht es nicht. Der KFC gehört nicht in die Oberliga, aber schon für die Regionalliga braucht man mehr Geld. Außerdem braucht man Leute, die sich in der Branche auskennen und Spieler kennen. Vielleicht einfach noch mal Bayern München kommen lassen. Dann ist das Stadion voll. Uli Hoeneß ist ein Samariter. Ich wünsche dem KFC, dass sie wieder nach oben kommen.

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