Der 25-Jährige hat seinen Titel als „WZ-Sportler des Jahres“ verteidigt – ein kleiner Trost für die Schmach von Peking.

Trotz der bitteren Schlappe bei den Olympischen Spielen war 2008 für Jochen Urban mit drei Meistertiteln kein schlechtes Jahr.
Trotz der bitteren Schlappe bei den Olympischen Spielen war 2008 für Jochen Urban mit drei Meistertiteln kein schlechtes Jahr.

Trotz der bitteren Schlappe bei den Olympischen Spielen war 2008 für Jochen Urban mit drei Meistertiteln kein schlechtes Jahr.

Dirk Jochmann

Trotz der bitteren Schlappe bei den Olympischen Spielen war 2008 für Jochen Urban mit drei Meistertiteln kein schlechtes Jahr.

Krefeld/Bochum. Ein ganz normaler Tag in Bochum. Für Jochen Urban, Student der Medizin im vierten Semester an der Ruhr-Universität, beginnt er um 9Uhr im Hörsaal HMG, A 10. Vorlesung Anatomie. Eine Stunde später wird der 25-jährige Hochschüler beim sogenannten Präp-Kurs mit dem Tod konfrontiert, beim Sezieren eines Leichnams. "Das gehört zu den intensivsten Phasen des Medizinstudiums", sagt der Krefelder.

Nach einem stressigen Vormittag lässt es der Ruderer des Crefelder RC dann sportlich ausklingen: Der auf Hochleistung gedrillte muskulöse Körper lechzt nach intensiver Betätigung: laufen, hanteln, manchmal auch schwimmen. Meistens dann, wenn seine Freundin Anne (Poleska) in der Nähe ist und ihn zu einer Trainingseinheit im Wasser ermuntert.

2009 ist für den Titelverteidiger bei der WZ-Sportlerwahl ein Jahr der Besinnung. Ein Jahr Pause, ein Jahr ohne Hochleistungssport und die ganz großen Wettbewerbe, wie zum Beispiel die Weltmeisterschaften im August in Posznan. Eine Zeit ohne den Deutschland-Achter. "Nach der Chaos-Saison kommt die Pause jetzt zur rechten Zeit", sagt Urban, "ich will etwas kürzer treten, mache im Sommer mein Physikum und dann schauen wir weiter. Trainer und Verband kennen meine Pläne."

In Peking ist für Jochen Urban im Hoffnungslauf Endstation

Rückblende: Mitte August vorigen Jahres, Olympische Spiele in Peking. Der Deutschland-Achter mit Jochen Urban im Boot wirkt leer und ausgebrannt, belegt im Vorlauf den letzten Platz. Nur ein Ausrutscher? Schlechte Tagesform? Nein - auch der Hoffnungslauf wird für das Flaggschiff des Deutschen Ruder Verbandes eine einzige Enttäuschung. Wieder Letzter, der Traum vom Finale war ausgeträumt.

Interne Querelen, personelles Gerangel und ein Zick-Zack-Kurs bei der Zusammenstellung des Kaders, unter dem letztlich auch Urban zu leiden hatte - "das traurige Ende war irgendwie abzusehen", sinniert Urban. Inzwischen haben sich die Wogen beim Deutschen Ruder Verband wieder geglättet. Ein neuer Cheftrainer soll für frischen Wind im Lager der Ruderer sorgen.

Für Urban war Peking aber nicht nur eine bittere Erfahrung. Immerhin erfüllte sich der Krefelder einen lang gehegten Wunsch: "Ich wollte unbedingt die chinesische Mauer sehen." Zudem darf man nicht vergessen, dass Jochen Urban 2008 drei Meistertitel eingeheimst hat. Das haben die WZ-Leser vom Niederrhein bei ihrer Abstimmung nicht vergessen.

Um alle Krefelder und Jochen Urban-Fans zu beruhigen - der 25-jährige künftige Dr. med. ist weit davon entfernt, sich vom Leistungssport zurückzuziehen. "Ich denke, dass ich im kommenden Jahr wieder das Tempo anziehen werde", sagt Urban, denn bei den nächsten Olympischen Spielen in London 2012 will er es auf jeden Fall noch einmal wissen und die schwarz-rot-goldenen Farben im Deutschland-Achter vertreten.

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