Das Stadion Grotenburg in Krefeld muss mit Millionen saniert und modernisiert werden, sollte der KFC Uerdingen in die dritte Liga aufsteigen. Das passt nicht allen Fraktionen.

Das Stadion muss mit Millionen saniert und modernisiert werden, sollte der KFC aufsteigen. Das passt nicht allen Fraktionen.
Teile des Stadions sind aus Sicherheitsgründen für Zuschauer gesperrt. Archiv

Teile des Stadions sind aus Sicherheitsgründen für Zuschauer gesperrt. Archiv

Andreas Bischof

Teile des Stadions sind aus Sicherheitsgründen für Zuschauer gesperrt. Archiv

Krefeld. Im Sportausschuss steht am Donnerstag eine richtungsweisende Debatte über die Sanierung der Grotenburg auf der Tagesordnung. Das Meinungsbild in den Fraktionen ist vielschichtig. SPD und CDU stehen dem Vorhaben positiv gegenüber. Die FDP bringt den Gedanken eines alternativen Standortes für ein Fußballstadion ein, sowie die Einbeziehung privater Investoren. Die Linke wird der Vorlage in der jetzigen Form nicht zustimmen. Die Grünen wollen eine Positionierung erst dann vornehmen, wenn verbindliche Aussagen und Zahlen vorliegen. Rund drei Millionen Euro müssen in das Stadion investiert werden, wenn der KFC aufsteigen sollte und dort seine Heimspiele austrägt. Das fordern die Bedingungen des Deutschen Fußball Bund für die 3. Liga. Im Haushalt sind dafür in diesem Jahr 100.000 Euro vorgesehen. Die Entscheidung wird am 14. März im Finanzausschuss fallen.

Das sagt die SPD-Fraktion

Klaus Kokol, sportpolitische Sprecher der SPD, sagt: „Auch wenn eine Herrichtung des Grotenburg-Stadions für die Teilnahme an der 3. Liga sowohl in zeitlicher, als auch finanzieller Hinsicht eine große Herausforderung darstellt, begrüßt die SPD-Fraktion diese Diskussion ausdrücklich, ist sie doch Folge der sportlich äußerst positiven Entwicklung des KFC Uerdingen. Leider holen die Stadt nun die jahrzehntelangen Versäumnisse bei der Instandhaltung der Sportstätten und die mangelhaften Investitionen in die Sportinfrastruktur ein. Die Grotenburg ist hierfür ein prominentes Beispiel, steht jedoch stellvertretend für viele Anlagen. Mit diesem politischen Erbe müssen wir nun umgehen und Lösungen finden, die dem Spitzen- und Breitensport in Krefeld adäquate Rahmenbedingung bieten. Die SPD-Fraktion erwartet ausdrücklich, dass bis zur Sitzung des Finanzausschusses am 14. März alle Zahlen und Fakten zu den Sanierungsmaßnahmen vorliegen.“

Das sagt die CDU-Fraktion

Benedikt Lichtenberg, sportpolitische Sprecher der CDU, sagt: „Wir sehen bei der Sanierung der Grotenburg dringenden Handlungsbedarf, insbesondere um dem KFC Uerdingen für seinen ambitionierten sportlichen Weg eine Perspektive zu geben. Die CDU-Fraktion wird – sobald verlässliche und klare Zahlen auf dem Tisch liegen – über die Sanierung beraten und entscheiden. Zudem wird die CDU-Fraktion die Verwaltungsvorlagen intensiv prüfen und eine Güterabwägung durchführen. Insbesondere hinsichtlich des Finanzierungsbedarfs, muss der vorhandene Haushalt auf Deckungsmöglichkeiten geprüft werden. Es ist von der Stadtverwaltung daher sehr ambitioniert, dass jetzt innerhalb eines Monats eine Entscheidung über einen erheblichen finanziellen Aufwand getroffen werden soll.“

Joachim C. Heitmann, sagt für die FDP: „Der Sanierungsbedarf der Grotenburg wird seit langem thematisiert und ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie Gebäude und Einrichtungen der Stadt Krefeld über Jahre nicht instandgehalten werden und daraus ein immer größerer Instandsetzungsbedarf entstanden ist. Ob die angedachten Maßnahmen ausreichen, um die Möglichkeit der Teilnahme an der 3. Liga zu sichern, entzieht sich einer politischen Beurteilung. Hier ist die Politik auf die Angaben der Fachverwaltung angewiesen. Dies gilt auch für den angegebenen Kostenrahmen von drei Millionen Euro, wobei Erfahrungen dafür sprechen, dass solche Kostenrahmen unrealistisch sind und im Endeffekt wesentlich mehr Geld in die Hand genommen werden muss. Im Hinblick darauf stellt sich die Frage, ob der jetzige Standort der Grotenburg für das Fußballstadion zukunftsfähig ist, zumal mit dem Aufstieg in die 3. Liga die Parkplatzprobleme eine andere Dimension als jetzt erhalten werden. Auch die Sicherheitsmaßnahmen und Entfluchtungsmöglichkeiten müssen intensiver beleuchtet werden. Von daher sollte jetzt allenfalls über eine mittelfristige Instandsetzung der Grotenburg gesprochen und gleichzeitig nach Alternativstandorten gesucht werden. Dass sich solche nur mit privaten Investoren realisieren ließen, steht für die FDP außer Frage.

Das sagt die Fraktion Die Linke

Wolfgang Emmerich sagt für Die Linke: Die diskutierte Summe von drei Millionen Euro soll in den Profisport investiert werden, obwohl die Förderung des Breitensports nach unserer Auffassung die vorrangige Aufgabe der Stadt ist. Mit dem Totschlagargument der Dringlichkeit sollen alle Einwände gegen einen solchen Kraftakt, dessen Folgekosten noch gar nicht übersehen werden können, beiseitegeschoben werden.

Krefeld ist eine vielseitige Sportstadt. In vielen Sportarten z. B. Eishockey, Tennis, Wasserball und Hockey spielen Vereine auf höchstem Niveau. Bis auf das Eishockey finanzieren sich diese Vereine weitgehend selbst. Eishockey wird von der Stadt immer stärker z. B. über für die Stadt defizitäre Mietverträge finanziert. Jetzt stellt der Fußball außerordentliche Forderungen, wobei schon vorab die Kostenträgerlast umgedreht werden soll. Statt dass der KFC und sein Mäzen Herr Ponomarev die Ertüchtigung der Grotenburg für sein ehrgeiziges Ziel 2. Liga mit dem Durchgangsziel 3. Liga finanziell stemmt, erbietet sich im vorauseilendem Gehorsam bereits die Stadt, die Kosten zu übernehmen. Mit dieser Vorgehensweise ist die Fraktion Die Linke nicht einverstanden. Wir fordern, dass gegebenenfalls der Aufstieg um mindestens ein Jahr zurückgestellt und in dieser Zeit in Ruhe mit dem KFC verhandelt wird, um eine möglichst hohe Eigenbeteiligung des KFC zu erreichen. Wenn die Haushaltsmehrheit aus SPD und CDU einen Aufstieg in die 3. Liga favorisiert hätte, dann hätte sie nicht nur 100 000 Euro für die Grotenburg in den Haushalt einstellen dürfen. Jetzt droht die Stadt sich Hals über Kopf in ein finanzielles Abenteuer mit noch nicht überschaubaren Folgekosten einzulassen. Alemannia Aachen ist ein Beispiel dafür, wo das für eine Stadt enden kann.“

Markus Eitner für die UWG sagt: „Die UWG begrüßt, dass endlich die seit Jahren nötigen wichtigen Sanierung in der Grotenburg angestoßen werden. Über Jahrzehnt hat die Stadt Krefeld wichtige Instandhaltungen und Sanierung in und um die Grotenburg versäumt und nie die nötigen Gelder im Haushalt eingestellt. Selbst im jetzigen Haushalt haben es die Haushaltsfraktionen wissentlich versäumt, reale Sanierungskosten einzustellen.“ Viele der Maßnahmen sind nicht nur nötig, damit der KFC in einer höheren Spielklasse spielen kann. Vielmehr sind allgemeine Maßnahmen dringend nötig, um den Fortbestand der Grotenburg zu sichern. Alleine das Thema Fluchtwege, Wegebeleuchtungen, Flucht- Rettungsplan sind nicht nur für den KFC nötig, diese sind auch für anderweitige Nutzungen dringend zu erledigen. Diese sind auch für eine Vermietung der Grotenburg für andere Veranstaltungen nötig. Als Projektleitung würde die UWG im Rat gerne die Bau GmbH (Wohnstätte) sehen. Das nötige Fachpersonal ist vorhanden, ebenso wie die Erfahrung in der Sanierung und Baubetreuung, das in der Stadtverwaltung so nicht vorhanden ist.

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