Für die 22-Jährige bedeutet Ringen alles. Danach richtet sich ihr Privatleben, Beruf und das Studium an der Hochschule Niederrhein.

Laura Mertens ist mit sechs Jahren zum ersten Mal zum Training gegangen. Der Sport hat sie nicht mehr losgelassen.
Laura Mertens ist mit sechs Jahren zum ersten Mal zum Training gegangen. Der Sport hat sie nicht mehr losgelassen.

Laura Mertens ist mit sechs Jahren zum ersten Mal zum Training gegangen. Der Sport hat sie nicht mehr losgelassen.

Dirk Jochmann

Laura Mertens ist mit sechs Jahren zum ersten Mal zum Training gegangen. Der Sport hat sie nicht mehr losgelassen.

Krefeld. Laura Mertens kommt aus Aachen, arbeitet als Ergotherapeutin in Neuss und studiert Angewandte Therapiewissenschaften an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Am meisten Zeit verbringt sie aber auf der Trainingsmatte – und das überall auf der Welt: Seit mehr als 15 Jahren ist Laura Mertens Ringerin, kämpft sich Jahr für Jahr näher an ihr großes Ziel: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio im Sommer 2016.

„Mein Vater und mein Patenonkel haben gerungen, deshalb hat meine Mutter mich schon als Kind auf dem Arm in die Halle getragen“, erzählt Mertens ihre ersten Erinnerungen an den Sport. Mit sechs Jahren sei sie selbst zum ersten Mal zum Training gegangen – und seitdem dabei geblieben. „Ich war so ein Kind, das sich richtig auspowern musste, um abends ins Bett zu fallen.“

Und das nicht ohne den Ehrgeiz, zu gewinnen. Bei den ersten zwei Turnieren wurde sie noch Zweite, erinnert sich Laura Mertens. „Danach habe ich fast immer gewonnen.“ Erst Kreis- und Landesmeisterschaften, 2008 wird sie in ihrer Gewichtsklasse (38 Kilogramm) zum ersten Mal Deutsche Meisterin – mit 14 Jahren. Wo andere Teenies in ihrem Alter sich für Musik, Jungs und Shoppen interessieren, steht für Laura Mertens immer das Ringen an erster Stelle. Aufhören? „Das kam schon nicht in Frage, weil immer alles funktioniert hat.“ Laura geht in die Schule, anschließend zum Training, an den Wochenenden sammelt sie auf Turnieren Punkte, indem sie ihre Gegnerinnen mit beiden Schultern zum Fall auf die Matte bringt.

„Keine Frau sollte sich dagegen wehren müssen, eine Kämpferin zu sein.“

Laura Mertens, Ringerin

Spätestens mit 16 Jahren sei ihr klar gewesen, dass das Ringen ihr Leben ist, sie weiterkommen, unbedingt zu Olympia will. Dafür verzichtet sie auf Kinobesuche mit Freunden, weil sie abends zu müde vom Training ist, an der Hochschule besucht sie nur etwa die Hälfte der Kurse, an denen ihre Kommilitonen teilnehmen, von der Arbeit wird sie immer wieder freigestellt – zuletzt fürs Trainingslager in der Türkei. „Mein komplettes Privat- und Berufsleben ist nach meinem Trainingsplan ausgerichtet“, sagt Mertens. Und sie ist nach Dormagen gezogen, weil dort der Bundesstützpunkt der NRW-Ringerinnen ist, sie dort an sechs Tagen in der Woche trainiert.

Komisch angeguckt würden ringende Frauen übrigens schon lange nicht mehr, glaubt Mertens. „Ringen ist mittlerweile ein Frauensport geworden, seit 2004 auch als olympische Disziplin.“ Selbst konservative Länder wie die Türkei und Aserbaidschan ließen Frauen inzwischen zunehmend auf die Matte steigen.

Wer Laura Mertens nach ihrer Meinung dazu fragt, bekommt eine deutliche Antwort: „Keine Frau sollte sich dagegen wehren müssen, eine Kämpferin zu sein.“ Anders als auf der Matte habe sie bei Familie, Freunden und Arbeitskollegen nie für Anerkennung kämpfen müssen: „Alle wissen, wie wichtig mir der Sport ist, und unterstützen mich.“

Jetzt will Laura Mertens um den Einzug bei den Olympischen Spielen im nächsten Sommer kämpfen. Während sich ihre Krefelder Ringer-Kollegin Aline Focken bereits bei den Weltmeisterschaften in Las Vegas Ende September in ihrer Gewichtsklasse für Rio qualifiziert hat, paukte die 22-Jährige zu Hause fürs Staatsexamen. Mit Erfolg: Seit dem 1. Oktober ist sie examinierte Ergotherapeutin.

Bei Qualifikationsturnieren in Serbien, der Mongolei oder der Türkei hat Laura Mertens im nächsten Jahr die Möglichkeit dazu. Wie sie ihre Chancen dort einschätzt? „Bei etwa 60 Prozent“, sagt sie, „momentan sehe ich mich im Mittelfeld.“

Und wenn’s nicht klappt? „Dann arbeite ich auf Tokio 2020 hin. Dann bin ich 27 und habe immer noch gute Chancen.“ Nur: Es an die Weltspitze zu schaffen, das bleibe wohl ein Traum: Da steht momentan die Japanerin Kaori Icho, als dreifache Olympiasiegerin und zehnfache Weltmeisterin. „Bis ich daran käme, müsste ich wohl um die 60 sein . . .“

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