Krefeld. Für Aline Focken sind in diesem Jahr eigentlich schon alle Träume in Erfüllung gegangen. Erst hat die Ringerin im Mai ihren fünften Deutsche-Meisterschafts-Titel im Seniorenbereich errungen, dann hat sie sich im September in Taschkent (Usbekistan) in der Klasse bis 69 Kilogramm sogar die WM-Krone aufgesetzt. Und trotzdem gibt es da eine „Kirsche auf dem Sahnehäubchen“, die es noch zu platzieren gilt: Die 23-jährige Krefelderin ist bei den Felix-Awards als Sportlerin des Jahres in NRW nominiert.

23-Jährige wirbt für ihren Sport und trainiert den Nachwuchs

„Das ist vor allem schön für die Sportart Ringen, die ja medial nicht so im Fokus steht“, sagt Aline Focken. Dass ihr Ringen sehr am Herzen liegt, hat sich nicht erst nach dem Gewinn des Weltmeistertitels gezeigt. So hat sie sich für Medienanfragen immer Zeit genommen, da sie die Euphorie rund um ihren Titel – es war erst das zweite Gold für deutsche Ringerinnen bei einer WM – als Chance gesehen hat, den Sport in den besagten Fokus zu rücken.

Viel bemerkenswerter aber ist, dass eine Hochleistungssportlerin wie sie sich bei ihrem Heimatverein KSV Germania Krefeld bereits in der Nachwuchsarbeit engagiert, ohne großen Buhei darum zu machen. Seit mehr als einem halben Jahr trainiert die 23-Jährige beim KSV – immer, wenn es ihr Turnierplan zulässt – einmal wöchentlich eine Mädchengruppe im Alter von sieben bis 15 Jahren. Und das ist angesichts ihres eigenen Trainingspensums von zehn Einheiten in der Woche, eines Fernstudiums sowie eines Jobs in einem Neusser Reha-Zentrum sicher nicht selbstverständlich.

„Für mich ist es wichtig, auch etwas anderes zu machen. Außerdem hat sich in diesem Jahr gezeigt, dass ich meine beste Leistung bringe, wenn ich alles mache“, so die Weltmeisterin. Mit Blick auf ihre zwei Titel und Rang fünf bei der EM im April hat sich Focken diesbezüglich nichts vorzuwerfen.

Bleibt zu hoffen, dass sie bis zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 noch viel um die Ohren hat. Denn die Olympia-Teilnahme bleibt nach der verpassten Qualifikation für London 2012 ihr großer Traum: „Rio ist und bleibt das Ziel. Da hat auch der WM-Titel nichts dran geändert.“ Um das Ticket zu lösen, muss sie bei der WM 2015 unter den ersten sechs landen, was für eine Titelverteidigerin machbar erscheint. Ob es dann aber auch in Brasilien zu Edelmetall reichen würde, kann niemand wissen. Zu hoch ist die Leistungsdichte im Ringen. „Da kann jeder jeden besiegen. Viel hängt von der Tagesform ab“, weiß Aline Focken.

Bei der EM sei sie auch nicht weniger fit gewesen als bei der WM, aber einmal hat es eben „nur“ zu Rang fünf gelangt und beim anderen Mal zum Titel. Gut, dass das „andere Mal“ die Weltmeisterschaft war – gut für Aline Focken und gut für den Ringsport.

Vier EM- und WM-Gewinnerinnen sind ihre Konkurrentinnen

Bei den Felix-Awards – die Entscheidung fällt über ein Online-Voting – ringt die Krefelderin mit vier Konkurrentinnen um den Titel als beste NRW-Sportlerin 2014: Isabelle Härle (EM-Titel im Freiwasserschwimmen), Lena Schöneborn (EM-Titel im Fünfkampf), Helen Langehanenberg (Dressur-Weltmeisterin mit der Mannschaft) und Juliane Wurm (WM-Titel Bouldern/Klettern).

Stimmen für die Sportlerwahl können noch bis zum 2. Dezember im Internet abgegeben werden. Die Awards werden am 12. Dezember in der Dortmunder Westfalenhalle verliehen.

www.nrw-sportlerdesjahres.de

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