Das süße Nichtstun bekommt dem Uerdinger Zehnkämpfer überhaupt nicht.

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Auch als Zuschauer ist das „Zehnkämpfer-Leben“ ganz schön anstrengend.

Auch als Zuschauer ist das „Zehnkämpfer-Leben“ ganz schön anstrengend.

Peter Schroers

Auch als Zuschauer ist das „Zehnkämpfer-Leben“ ganz schön anstrengend.

Berlin. "Mein lieber Mann, so ein Zehnkampf als Zuschauer schlaucht ganz schön und kann zwischendurch verdammt langatmig sein. Ich war schon nach dem ersten Tag total kaputt." Zehnkämpfer Michael Schrader rutschte während des Wettbewerbs im Berliner Olympiastadion immer wieder auf der Tribüne unruhig von der einen auf die andere Pobacke.

"Jetzt siehst du einmal, wie anstrengend es für uns als Trainer ist, immer daneben zu stehen. Somit bringt die WM dir hier ganz neue Erfahrungen”, sagte Schraders Trainer Torsten Voss - und ließ seinen Schützling beim dreitägigen Kurztrip kaum aus den Augen. Gemeinsam mit Bruder Daniel trat der Uerdinger die Anreise per Auto an, und tatenlos musste der 22-jährige Bundeswehr-Sportsoldat schließlich mit ansehen, wie die gesamte Weltelite ohne ihn um die Medaillen kämpfte.

Gips, Gehhilfe, Warten - für Schrader ist die Zeit momentan nicht leicht

Kein einfaches Unterfangen nach dem Erfolgserlebnis von 8522 Punkten im Mai in Götzis. Zumal die Konkurrenz allemal in Schraders Leistungsbereich blieb. Doch der rechte Fuß bleibt nach dem Ermüdungsbruch noch eine Woche im Gipsverband, danach geht es erst einmal auf Gehhilfen weiter zu den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Lage (28. bis 30. August), wo Schrader gemeinsam mit Voss die anderen Bayer-Zehnkämpfer betreuen wird.

Danach folgt ein achttägiger Türkei-Urlaub und dann steht endlich eine erneute Computertomografie auf dem Plan. Sie wird Aufschluss geben, ob ein leichtes Training bald wieder möglich ist. "Michael wird in diesem Jahr auf keinen Fall seine Spikes noch einmal anziehen. Frühestens im Januar ist das ein Thema”, sagt Voss.

Mit Aquajogging im Schwimmbad des SVBayer und vielen Kilometern auf dem Ergometer sowie etlichen Trainingseinheiten in den drei Wurfdisziplinen geht es durch den Winter. Wenn alles glatt läuft. "In der Halle werde ich auf keinen Fall starten, das wäre viel zu riskant”, sagt Schrader.

Michael Schrader hat noch eine lange Durststrecke vor sich. Wenn alles gut verläuft, kann der Zehnkämpfer frühestens zum Jahresende wieder voll einsteigen. Nach der verpassten WM in Berlin visiert der Uerdinger nun neue Ziele an: die Europameisterschaften in Barcelona (2010), die WM in Südkorea (2011) sowie die Olympischen Spiele 2012 in London.

Im Berliner Olympiastadion kassierte der Blondschopf im Kreis der großen "Zehnkampffamilie” immer wieder ein aufmunterndes Schulterklopfen. Irgendwann von den Fans erkannt, waren die frisch gedruckten Autogrammkarten wie im Flug vergriffen.

"In Götzis werde ich mein Comeback versuchen. Das Pflaster dort ist gut”, blickt der arg zurück geworfene Shootingstar lieber in die Zukunft. Schwer beeindruckt war Schrader vom fulminanten 400 Meter Lauf des Kubaners Yunior Diaz, der mit 46,15 Sekunden die drittschnellste Zeit eines Zehnkämpfers überhaupt lief. Seit Olympia in Mexico 1968 liegt der Amerikaner Bill Toomey mit sagenhaften 45,68 Sekunden unangefochten vorne.

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