Finanzielle Probleme und anhaltender Mitgliedermangel zwingen den 1900 gegründete Club zum Rückzug.

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Vor 52 Jahren Deutsche Meister als Aktive des Krefelder EV 1900, heute sehen Hubert Grumbach (links) und Hubert Teegelbekkers dem nahenden Ende des Clubs entgegen.

Vor 52 Jahren Deutsche Meister als Aktive des Krefelder EV 1900, heute sehen Hubert Grumbach (links) und Hubert Teegelbekkers dem nahenden Ende des Clubs entgegen.

Andreas Bischof

Vor 52 Jahren Deutsche Meister als Aktive des Krefelder EV 1900, heute sehen Hubert Grumbach (links) und Hubert Teegelbekkers dem nahenden Ende des Clubs entgegen.

Krefeld. Sie waren am Donnerstag noch einmal gekommen. In die Halle Girmesgath, die seit 1983 die Heimat der Kunstradfahrer des KRV 1900 war. Der Anlass war jedoch ein trauriger. Der 114-jährige Verein hat seine Auflösung bekannt gegeben. 13 Mitglieder und vier Sportler waren am Ende verblieben. Darunter das bekannteste Gesicht der vergangenen Jahre – der WM-Teilnehmer Marco Giorgio. Daneben in Hubert Grumbach und dem heutigen Klubchef Hubert Teegelbekkers auch zwei Deutsche Meister von 1962. Zu wenig aber, um die Anstrengungen eines Vereins zu stemmen, auch in finanzieller Hinsicht.

In einem Jahr wird der Club aus dem Register gelöscht

Geschäftsführerin Hanni Teegelbekkers, Frau des ersten Vorsitzenden, hat beim Notar bereits die Abmeldung des Vereins beantragt. In einem Jahr muss die Auflösung bestätigt werden, dann wird der Club endgültig aus dem Register gelöscht. Ein Zurück sei aber ausgeschlossen, so Bettina Paschke, Tochter der Teegelbekkers, langjährige Trainerin und Pressewartin. „Jeder hat sich irgendwie in seinem Dunstkreis bewegt. Eltern, die Vorstandsarbeit machen wollten, gab es nicht. Sportler kamen, ließen sich ausbilden und zogen weiter. Mit ihnen ihre Familien. In Vereinsaufgaben hineinwachsen wollte niemand. Es blieb ein Familienbetrieb“, sagte Paschke.

Bei Reparaturen griff der Vereinsboss selbst zum Werkzeug

Das gleiche habe auch für die Trainertätigkeit gegolten. „Kunstradfahren ist komplex. Eine Ausbildung macht man nicht mal eben so“, so Paschke weiter. Die Kunstradfahrer traten bei Schaufahrten auf, doch Geldgeber fanden sie kaum. Fahrtkosten bezahlten die Aktiven aus der eigenen Tasche. Bei Reparaturen griff der Vereinsboss selbst zum Werkzeug.

Stets war das finanzielle Überleben schwierig. „Wir sind eben eine Randsportart. Sponsoren hatten wir nur wenige“, sagt Paschke, die seit 42 Jahren Mitglied ist und lange erfolgreich Trainerin im Klub war. Die Anstrengungen blieben vor allem eine Familienangelegenheit. Es fehlte offensichtlich die Verbundenheit zum Verein.

Dabei blickt der KRV 1900 auf einige Erfolge zurück. Uschi Beckers gewann im Einzel die Deutsche Meisterschaft 1960. Die männlichen Kunstfahrer taten es ihr zwei Jahre später im Vierer gleich: Hubert Teegelbekkers, Josef Beckers, Willi Thomas und Hubert Grumbach turnten auf dem Rad zu Gold. 1964 und 1965 holte Uschi Beckers noch Silber und Bronze dazu. 1995 gewann Simone Schlösser Bronze, ab 2004 fand der Verein unter Trainerin Bettina Paschke wieder bundesweit Erwähnung – Bronze, Silber und Gold (2010, Vierer) holten die Teams bei der DM an die Girmesgath. 2012 und 2013 gab es noch den zweiten und dritten Platz mit der Gold-Mannschaft um Jan und Sophie Rodemerk, Lukas Hirthe und Franziska Paul. 15 Jahre lang lag der Verein in NRW auf einem der besten fünf Plätze. Im Jahre 1989 hatte der KRV 1900 noch 60 Mitglieder.

Gegründet wurde der Krefelder Radfahrer Verein im Jahr 1900 von der Familie Thomas, die über zwei Generationen bis in die 1970er-Jahre die Geschicke des Clubs leitete. Danach ging die Führung in die Hände der Familie Teegelbekkers, die bis zur Auflösung den Verein führte.

In den Anfängen übten die Kunstradfahrer in Sälen und Gastronomien, weil es noch keine entsprechenden Sportstätten gab. In den 1970er Jahren trainierte der Verein in der Halle an der Inrather Straße, ehe der Club 1983 in die Halle an der Girmesgath zog.

Gemeinsame Ausflüge, Weihnachtsfeiern, gesellige Radtouren und eine jährliche Jugendfahrt waren fester Bestandteil des Vereinslebens.

20 Jahre lang war der Verein der erfolgreichste des gesamten Bezirks Krefeld und wurde mehrfach dafür ausgezeichnet.

Hans Teegelbekkers übernahm 1976 den ersten Posten im Verein. Sein Bruder Hubert löste ihn 1987 ab und führte den Verein bis zur Auflösung. Seine Frau Hanni arbeitete als Geschäftsführerin.

Drei der vier aktiven Kunstradfahrer werden sich Adler Neuwerk anschließen. Marco Giorgio liebäugelt mit dem Hülser SV.

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