Krefelds Star-Team muss Vertrauen zurückgewinnen.

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Mit der Bilanz lässt sich was anfangen: Unter der Regie von Rick Adduono haben die Pinguine drei Siege eingefahren (bei einer Niederlage).

Mit der Bilanz lässt sich was anfangen: Unter der Regie von Rick Adduono haben die Pinguine drei Siege eingefahren (bei einer Niederlage).

Raiko Gayk

Mit der Bilanz lässt sich was anfangen: Unter der Regie von Rick Adduono haben die Pinguine drei Siege eingefahren (bei einer Niederlage).

Krefeld. Nach dem Jubel kam der Kater - so kann man das Pinguine-Jahr 2009 zusammenfassen. Beim letzten Jahreswechsel blickten die Fans erwartungsfroh in der Tabelle nach oben, beim jetzigen sind sie hoffend und bangend. Mit erfrischendem Tempo-Hockey war das Team von Trainer Igor Pavlov damals durch die Liga "gerockt", auf Platz eins gestürmt und hatte die kritischen Krefelder Eishockeyfans in Scharen zum Königpalast gezogen. Höhepunkt war die spektakuläre Playoff-Serie gegen den ewigen Rivalen DEG.

Selbst die traditionell uneinigen Fans beider Lager waren sich danach einig, dass diese Spiele richtig etwas fürs Eishockey-Herz waren. Zumindest sechs Partien waren hochklassig und hoch dramatisch. Mehrfach hätten die Pinguine auch den Einzug ins Halbfinale schaffen können. Aber unterm Strich blieb, dass die Krefelder Fans auch nach dieser Niederlage mit Mannschaft und Saison hoch zufrieden waren. Man konnte sie spüren, die neue Eishockey-Begeisterung.

Führungs-Chaos nach dem Absturz auf den letzten Rang

Doch schon krachte es - typisch für die Pinguine - wieder im Gebälk. Trainer Igor Pavlov flirtete mit Spartak Moskau, wollte dann aber doch seinen Vertrag mit den Pinguinen erfüllen. Dies wollten allerdings der damalige Aufsichtsratschef Wolfgang Schulz und sein Manager Jiri Ehrenberger nicht. Heute erzählen Spieler, schon Monate zuvor sei bekannt gewesen, dass Ehrenberger dem unerfahrenen Nürnberger Co-Trainer Martin Jiranek die Zusage gegeben habe.

Pavlov wurde dann der Wechsel zu den Kölner Haien mit einer satten Abfindung versüßt, und Jiranek geriet schon bald nach Amtsantritt in Probleme. "Wir haben doch die erfolgreiche Mannschaft gehalten und noch verstärkt", verdeutlichte später Gesellschafter-Sprecher Wilfrid Fabel die Fehleinschätzung. Denn leider hatte man übersehen, dass die wichtigen Eckpfeiler Trainerpersönlichkeit, Führungsstil und Spielsystem geändert wurden - was schlussendlich zum letzten Tabellenplatz und Führungs-Chaos führte.

Die zur unendlichen Posse geratene Ärzte-Affäre brachte dann das Fass zum Überlaufen. Aufsichtsratschef Schulz hatte die fristlose Trennung von den ehrenamtlichen Mannschaftsärzten forciert und zur Begründung den Gesundheitskonzern Helios als neuen Sponsor angeführt. Der aber dementierte jegliche Gespräche, und plötzlich musste Iserlohns Teamarzt bei den Pinguinen aushelfen. Als Sponsoren, Fans und Öffentlichkeit Sturm liefen, zogen Fabel und Aufsichtsrat Helmut Borgmann die Notbremse. Sie drückten Ehrenbergers Entlassung gegen Schulz durch, der daraufhin schmollend als Aufsichtsratschef zurücktrat.

Dem DEL-Team ist in den ersten Januartagen keine Pause gegönnt. Morgen geht es nach Berlin, am Dienstag gegen Wolfsburg, am Freitag, 8.1. geht es gegen Frankfurt. Sonntag, 10.1., spielen sie in Augsburg.

Prompt holte Fabel auch die alten Ärzte zurück.

Kurz darauf war Jiraneks Uhr abgelaufen. Neben dem mangelnden sportlichen Erfolg konnte der eher leise "Spielerversteher" auch nie die Aufbruchstimmung des dominanten Bandenzaren Pavlov erzeugen. Auch wenn es unter Interims-Trainer Reemt Pyka und dann Rick Adduono sportlich aufwärts ging, die Auswirkungen der Chaos-Monate begleiten die Pinguine ins neue Jahr.

Mangelnde Zuschauereinnahmen, teure Fehleinkäufe und Abfindungen reißen Löcher in die leeren Kassen. Zwischen den Gesellschaftern klaffen tiefe Risse. So fordert beispielsweise Wolfgang Schulz vehement den Rauswurf von Geschäftsführer Wolfgang Schäfer, der jedoch als "Pfennigfuchser" hohes Ansehen bei anderen genießt. Und Vertrauen bei Fans und Sponsoren muss wieder gewonnen werden. Das geht zumindest bei ersteren einfacher: mit Siegen.

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