Die Fußballer von Oberligist KFC Uerdingen nehmen sich nach der Trennung von Trainer Michael Boris in die Pflicht.

Die Fußballer von Oberligist KFC Uerdingen nehmen sich nach der Trennung von Trainer Michael Boris in die Pflicht.
A-Juniorentrainer Gerd Gotsche (2.v.r.) leitet die erste Einheit nach der Trennung von Michael Boris.

A-Juniorentrainer Gerd Gotsche (2.v.r.) leitet die erste Einheit nach der Trennung von Michael Boris.

Andreas Bischof

A-Juniorentrainer Gerd Gotsche (2.v.r.) leitet die erste Einheit nach der Trennung von Michael Boris.

Krefeld. Mittwochvormittag, kurz vor elf Uhr an der Grotenburg. Ein paar KFC-Spieler kicken sich auf dem Kunstrasen im Kreis die Bälle zu. Es ist Training. Doch die große Frage ist: Wer würde die Übungen überhaupt leiten, seit es seit Montag ein großes Rätsel ist, ob Michael Boris die Mannschaft weiter anleiten wird. Dienstag herrschte Stillschweigen im Verein und öffentlich Verwirrung. Mittwoch um kurz vor elf kommen Michael Boris und sein Assistent Frank Döpper in zivil und mit einem großen Rucksack aus der KFC-Kabine, biegen ab Richtung Parkplatz. Boris wiegelt Fragen ab: „Kein Kommentar“. Ab ins Auto und weg.

Wenig später geht die Kabinentür wieder auf: Heraus tritt Gerd Gotsche, eigentlich Trainer der A-Jugend. Hände in der Trainingsjacke, betritt er den Platz. Ein kurzes Gespräch im Kreis mit den elf anwesenden Spielern, dann beginnen die Übungen. Erst das Training mit den Oberliga-Fußballern, am Abend stand er bei seinen A-Junioren sogar noch im Nachholspiel in der Niederrheinliga an der Seitenlinie. Der Mann war am Mittwoch gefragt. Er sagt: „Aufgabe ist es nun, die Mannschaft auf das Spiel bei SW Essen vorzubereiten. Wie lange ich es mache, weiß ich noch nicht. Das werden die Gremien entscheiden.“

 

Torwarttrainer Herbert Köhler ist da schon einige Zeit mit Ersatz-Keeper Ahmet Taner beschäftigt, der sich für diesen Vormittag extra frei genommen hat. Daniel Schwabke, so sagt Köhler später, leide unter einer Magenverstimmung. Taners Chancen für einen Einsatz am Sonntag gegen SW Essen sind gestiegen. Für Köhler ist Gotsche der elfte Trainer in seiner Zeit beim KFC. Kurzpässe, leichtes Training, Abschlüsse, Auslaufen – so sieht die Einheit am Vormittag aus. Mohamadou Idrissou zeigt Seitfallzieher, liegt quer in der Luft. Was ist nun anders, da Boris nicht mehr da ist? Walid Sekkour sagt: „Wir Spieler sind da. Wir haben ein Ziel. Wir trainieren, egal ob mit oder ohne Trainer.“ Torwart Ahmet Taner sagt: „Ärgerlich, dass der Trainer weg ist. Aber es ist eine Entscheidung des Vorstandes. Es kann eine positive oder negative Wirkung haben.“ Kreativspieler Florian Abel ergänzt: „Für alle kam das überraschend. Wir haben gerne mit dem Trainer gearbeitet. Das Team ist jetzt in der Bringschuld.“

Mittwochmittag stellte der Verein auf seiner Homepage dann klar, was viele gemutmaßt hatten, aber niemand mit Gewissheit sagen konnte: Boris ist beurlaubt. „Herr Michael Boris ist bis auf Weiteres von der Verpflichtung zur Durchführung des Trainings der ersten Mannschaft entbunden. Die Trainingseinheiten werden ab sofort von Herrn Horst Riege und Herrn Gerd Gotsche geleitet.“ Beim Training ist auch Fan Christian Emmerich. Die Trennung ist für ihn nachvollziehbar: „Es war kein Spielkonzept zu erkennen. Es ist die letzte Lösung, um vielleicht noch das Optimum zu erreichen.“

Fan übt Generalkritik an der Vereinsführung

Neben ihm steht Michael Volz, langjähriger Anhänger des Klubs, der sogar zu Zeiten von Präsident Ralf Houben drei Monate im Verwaltungsrat saß. Er übt Generalkritik an der Vereinsführung: „Ich verfolge den KFC seit 35 Jahren. Der Verein ist ungesund aufgebaut. Jede Saison wird eine Mannschaft mit viel Geld aufgestellt. Das Mannschaftsgefüge stimmt nicht. Mit der Brechstange geht im Sport nichts. Es gibt hier zu viel Träumerei.“ Gegen Ende des Trainings kommt der Sportliche Leiter Horst Riege. Er will nichts sagen, dreht ab in die Kabine. Dann ist Schluss. Am Sonntag geht es wieder um Punkte. Wer dann auf der Bank sitzt, ist weiter offen.

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