Der Trainer des KFC Uerdingen ist das Gesicht des Clubs. Im WZ-Interview spricht Pawlak über seine Philosophie und den Wandel im Verein.

KFC-Trainer André Pawlak in den Katakomben der Grotenburg, seinem Arbeitsplatz.
KFC-Trainer André Pawlak in den Katakomben der Grotenburg, seinem Arbeitsplatz.

KFC-Trainer André Pawlak in den Katakomben der Grotenburg, seinem Arbeitsplatz.

Andé Pawlak erzählt am Sonntag reich über seine Arbeit und die Zukunft. Fotos (3): Andreas Bischof

Andé Pawlak erzählt am Sonntag reich über seine Arbeit und die Zukunft. Fotos (3): Andreas Bischof

Andreas Bischof, Bild 1 von 3

KFC-Trainer André Pawlak in den Katakomben der Grotenburg, seinem Arbeitsplatz.

Krefeld. Mit dem Schwimmen gegen die Zeit hatte André Pawlak im Studium so seine Probleme. Das Turnen lag dem heute 45-Jährigen schon mehr. Der Fußball allerdings war und ist immer noch ein fester Bestandteil seines Lebens. Seit Juli trainiert der Diplom-Sportlehrer den Oberliga-Tabellenführer KFC Uerdingen. Pawlak spricht über den Wandel im Club, seine Philosophie im Umgang mit der Mannschaft und was den Lehrer Pawlak mit dem Trainer Pawlak verbindet.

Ist der KFC Ihre bisher größte Trainerstation?

André Pawlak: Schwer zu sagen. Ich habe schon Vereine wie Schalke oder Wattenscheid hinter mir. In Schalke habe ich Jugendteams trainiert. Da hat der Verein eine ganz andere Strahlkraft. Der KFC ist aber im Senioren-Bereich die größte Nummer. Wenn man sieht, was wir für ein Fan-Aufkommen haben, was drumherum passiert, ist das die größte Geschichte. Zuvor war ich in Velbert. Das ist ein gemütlicher Verein, ein toller Verein auch, aber alles viel, viel kleiner, familiärer.

„Ich fühle mich hier sauwohl. Die Leute und die Mannschaft haben es mir leicht gemacht.“

Wie sehr haben Sie sich schon hier eingewöhnt?

Pawlak: Ich fühle mich hier sauwohl. Die Leute und die Mannschaft haben es mir leicht gemacht. Ich hatte viel Einfluss auf die Mannschaft, ihre Zusammenstellung. Das war damals in Wattenscheid oder Velbert nicht so möglich. Jetzt habe ich die Bedingungen, die ich gerne hätte. Aber selbst da sind wir noch am Anfang, von perfekt noch ganz weit weg, was das ganze Drumherum anbelangt.

Es gab im Sommer viele Veränderungen im Verein, auf allen Ebenen. Ist das gelungen?

Pawlak: Es war bitter notwendig. Man muss aber auch sagen, dass wir personell am Limit sind. Wir sind in der Breite noch nicht so aufgestellt. Wir haben in Mikhail Ponomarev (Vorsitzender, d. Red.), Nikolas Weinhart, Frank Strüver (Stellvertreter), Heiner Essingholt (Teammanager) und dem Trainerteam die Personen, die das Tagesgeschäft managen. Das ist aber bei weitem nicht das, was ein Verein wie wir braucht. Wenn es eine Klasse höher geht, müssen wir auf der administrativen Ebene noch viel tun.

Wie lange wird der Umbauprozess noch dauern?

Pawlak: Dieses Projekt dauert bestimmt ein Jahr, wenn nicht länger. Es wurden schließlich alle alten Zöpfe abgeschnitten, die mit Lakis (Ex-Vorstand, d. Red.) zu tun hatten. Da wurden viele Leute ausgetauscht, bei der Stadionsicherheit bis zum Ticketing. Wir sind eigentlich täglich noch damit beschäftigt, alte Baustellen zuzukippen. Was da noch aus der Vergangenheit auf den Verein einprasselt, ist immens. Auch finanzielle Verpflichtungen. Ich wundere mich manchmal selbst, wie das früher immer so ging, dass es nie geahndet wurde.

Also macht sich der KFC gerade ehrlich?

Pawlak: Nur so geht es auch. Ich habe auch zu Beginn gesagt: Ich kann hier nur arbeiten, wenn die alte Geschichte abgehakt ist, auch personell. Man sieht, dass es etwas bringt, dass die Leute uns wieder vertrauen. Die Menschen kommen ins Stadion, Sponsoren, auch alte, kommen wieder hinzu. Die Ultras sind wieder da. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Wo war Ihr Einfluss im neuen KFC?

Pawlak: Auch in der Vertragsgestaltung. Ich sollte ja nicht nur Trainer sein, sondern auch Sportlicher Leiter. Da habe ich meine Erfahrung eingebracht. Wir sind in der Oberliga. Wir sollten auch da mal die Kirche im Dorf lassen. Wir haben den Spielern klar gemacht: Hey, es ist doch etwas Geileres, für den KFC zu spielen als für einen XY-Verein in der Oberliga. Ihr verdient trotzdem gutes Geld, spielt aber jede Woche vor 1500 Zuschauern. Wenn es eine Liga höher geht, dann kann man über das Geld-Verdienen nochmal nachdenken. Daneben habe ich auch bei der Frage Physiotherapeuten, medizinische Abteilung, Arzt oder Freizeitraum mitgeredet.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem neuen A-Jugendtrainer Daniel Felgenhauer?

Pawlak: Momentan läuft es bei der A-Jugend bekanntlich nicht so gut. Eigentlich war es gedacht, dass Spieler abwechselnd auch bei uns montags mit trainieren. Wie Emre Sendag oder Jonas Eiker. Jetzt haben wir entschieden, dass sich die Spieler auf die A-Jugend konzentrieren sollen. Es soll ja eine Belohnung sein, mit der ersten Mannschaft zu trainieren, nicht Normalität. Daniel macht einen klasse Job. Man merkt, dass da ein anderer Zug drin ist. Er war selbst Profi, hat sehr viel Ahnung. Wir tauschen uns regelmäßig aus. Wir sind eng verzahnt. Er weiß um den Auftrag. Im Zweifel müssen wir im Winter nachlegen. Die Mannschaft darf nicht absteigen. Auf keinen Fall.

„Von den Fans kam die Rückmeldung: Wir wollen einfach mal Ruhe haben“

Beim KFC herrscht nun eine neue Bescheidenheit, Demut, leise Töne. Trotzdem will ja jeder aufsteigen. Wie moderiert man diesen Spagat?

Pawlak: Von den Fans kam die Rückmeldung: Wir wollen einfach mal Ruhe haben. Wir wollen eine Mannschaft, die sich zerreißt. Der Anspruch der Fans war gar nicht riesig. Natürlich wollen wir alle aufsteigen. Der Verein KFC gehört auch nicht in die Oberliga. Wir haben Charaktere geholt, die selbstkritisch sind und wissen, dass ein Druck da ist. Öztürk, Binder oder Takyi wissen mit Druck umzugehen. Natürlich wollen wir hoch. Die Welt würde nicht untergehen, wenn es nicht klappt. Dann wäre tatsächlich einer besser. Ich glaube an die Qualität der Mannschaft. Wir thematisieren das gar nicht so oft. Wir werden alles dafür tun. Wenn am Ende einer besser ist, werden wir gratulieren und das akzeptieren. Dann greifen wir halt im nächsten Jahr noch einmal an. Herr Ponomarev ist auf der gleichen Linie.

Auf was legen Sie besonderen Wert, wie führen Sie die Mannschaft?

Pawlak: Wir haben in der Kabine eine Tafel. Da steht drauf: Respekt, Toleranz, Demut, Akzeptanz. Auch die Disziplin ist extrem wichtig. Da haben wir ja auch zuletzt Maßnahmen getroffen (nach drei Roten Karten in vier Spielen, d. Red.). Ich hoffe, dass es damit jetzt auch erledigt ist. Danach leben wir jeden Tag hier. Wenn einer nicht funktioniert, dann findet der sich auch mal schnell woanders wieder. Etwas erden, um das wert zu schätzen, was man hat. Ich hoffe, dass alle Sinne jetzt geschärft sind.

„Meine Frau ist Fußball-verrückt. Sie macht das mit, sonst könnte das nicht gehen.“

Als Lehrer, ihrem Hauptberuf, müssen Sie ja auch mal durchgreifen, pädagogische Maßnahmen ergreifen. Wie harmoniert der Lehrer Pawlak mit dem Trainer Pawlak?

Pawlak: Es gibt schon Ähnlichkeiten. Es gibt Maßnahmen, die muss man ergreifen, wenn bestimmte Dinge aus dem Ruder laufen. Ich habe in der Schule Fünft- bis Zehntklässler: Da kann man Fußballern nicht mit kommen: mit Texte abschreiben. Ich bin hier wirklich der Fußballtrainer, weniger der Lehrer. Dafür bin ich zu sehr Fußballer. Aber das Erkennen von Schwingungen in einer Gruppe, da kann man den Lehrer-Beruf gut gebrauchen. Jährlich neue Klassen zu haben, ist wie jährlich eine neue Mannschaft. Man muss immer den Teamspirit, den Klassengeist neu formen. Wenn ich aus der Schule rauskomme, lege ich das ab und ziehe die Fußball-Klamotten an. Dann bin ich eher der Trainer.

Erst Lehrer, dann nachmittags Trainer. Das sind lange Tage. Wie stressig ist das?

Pawlak: Mein Tag beginnt um halb sieben. Wenn ich Training habe, bin ich abends um acht Uhr zuhause, bin dann gut und gerne 14 Stunden unterwegs. Meistens geht es aus der Schule direkt ins Auto, auf die Autobahn. Eine Strecke von Westerholt, wo ich unterrichte, nach Krefeld sind 70 Kilometer. Wenn viel Verkehr ist, kann das schon nerven. Ich hole meinen Co-Trainer ab, wir können uns im Auto dann schon über Fußball unterhalten, das Training vorbereiten, Mannschaftsdinge besprechen. Quasi das fahrende Büro. Meine Familie muss mir Rückhalt geben und gibt mir Rückhalt. Meine Frau ist Fußball-begeistert. Sie macht das mit. Ich habe zwei Kinder. Sonst könnte das nicht gehen. Die fußballfreien Tage gehören dann ganz klar der Familie.

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